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25.01.2016 - 

Internationaler E-Commerce

Risiken des Online-Handels verstehen

Tobias Schreyer ist Mitgründer und Chief Commercial Officer des auf internationale elektronische Bezahlprozesse spezialisierten Lösungsanbieters PPRO Group. Bereits während seines Studiums gründete er 1995 in München den Internet Service Provider GEDIK GmbH, 2006 folgte die Transact Network Ltd. mit Sitz in Gibraltar. Weitere Stationen seiner Karriere waren die WireCard AG, wo er als Vice President Business Development and Sales tätig war sowie Bay Management Ltd., wo er die Position Director of Payments innehatte.
Wer im E-Commerce auch zukünftig erfolgreich sein will, muss sich international orientieren. Doch mit der Internationalisierung des Geschäfts steigen auch die Risiken.

M-Commerce, Omnichannel oder Business Intelligence: die E-Commerce-Branche ist dynamisch und verzeichnet dementsprechend viele spannende Entwicklungen. Eine der vielversprechendsten schon jetzt und sicherlich für die nächsten Jahre ist die Internationalisierung der Online-Shops. Der Hauptanreiz für internationalen E-Commerce ist die Vergrößerung der Zielgruppe und damit einhergehend eine signifikante Umsatz- und Gewinnsteigerung.

Geht ein Shop in die Internatinalisierung, birgt das natürlich zusätzliche Herausforderungen und Risiken, die abgefangen werden müssen.
Geht ein Shop in die Internatinalisierung, birgt das natürlich zusätzliche Herausforderungen und Risiken, die abgefangen werden müssen.
Foto: aodaodaodaod - shutterstock.com

Laut einer Studie von OC&C Stragegy Consultants wird sich allein in den sechs größten E-Commerce-Märkten der Welt der grenzüberschreitende Handel bis 2020 mehr als verfünffachen. War dieser Markt 2013 noch rund 25 Milliarden US-Dollar schwer, sollen es 2020 schon 130 Milliarden sein.

Herausforderungen des internationalen E-Commerce

Schon heute kämpfen Online-Händler mit drei großen Veränderungen, um sich den dynamischen, immer globaler werdenden Marktbedingungen anzupassen:

  1. Die bereits erwähnte Internationalisierung ist die einschneidenste.

  2. In den nächsten zwei Jahren erwarten drei von vier Händlern einen wesentlich größeren Anteil mobiler Transaktionen. Bezahlt werden diese immer häufiger mit alternativen, lokalen Bezahlmethoden.

  3. Die Konsequenz: Händler müssen sich in fremden Rechtssystemen auskennen, verschiedene Verkaufskanäle im Auge behalten und dabei die Risiken neuer Bezahlmethoden abschätzen können. 77 Prozent der in der Worldpay-Studie befragten Händler geben deshalb an, dass Multi-Channel-Bezahlmethoden es erschweren, Betrug überhaupt zu entdecken, damit umzugehen oder zu verhindern. Aktuell ist nur jedes fünfte Unternehmen davon überzeugt, auf die neuen Betrugs- und Risikoanforderungen gut vorbereitet zu sein.

Häufige Bedrohungen und Risiken

Mit dem größeren Geschäftspotential der Internationalisierung gehen steigende Risiken und Betrugsversuche einher. Zwei Drittel der befragten Händler geben an, dass die Zahl der Betrugsversuche in den letzten zwei bis drei Jahren spürbar gestiegen ist. Zu den größten Bedrohungen zählen Händler Identitätsdiebstahl, Phishing, Kontendiebstahl sowie Friendly Fraud und Clean Fraud. Europa hat im globalen Vergleich jedoch noch mit recht wenig Betrugsdelikten zu kämpfen: am meisten Betrug im E-Commerce gibt es in den USA, gefolgt von Indien, Kanada, Japan und Russland.

Probleme beim Risikomanagement

Aktuell gehen Probleme beim internationalen Risikomanagement vor allem von der schlechten Integration verschiedener Systeme in unterschiedlichen Ländern aus. Es fehlt eine einheitliche Sicht auf die Geschäfte, was die Identifikation von Risiken erschwert. Stattdessen betreiben Händler einen hohen Aufwand, indem sie für jedes Land in dem sie verkaufen, unterschiedliche Tools einsetzen.

Verstärkt wird diese schwierig zu überblickende Situation noch dadurch, dass mit einer gesteigerten Verkaufsrate natürlich auch die Anzahl der Transaktionen zunimmt. Einige Händler gehen aus der Not heraus große Kompromisse beim Risikomanagement ein und konzentrieren sich beispielsweise bei der Risikominimierung nur auf bestimmte Länder.

Risiko "Mobile Payment"

Als eines der größten Risiken fürchten Händler die zunehmende Abwicklung von Geschäften über mobile Plattformen. Schadsoftware auf mobilen Geräten, Spionage-Tools für Smartphones, unsichere Netzwerke wie beispielsweise Hotspots, Geräteverluste, unsichere Apps und der Nutzer selbst, der auf mobilen Geräten üblicherweise nicht die höchsten Sicherheitsstandards einsetzt, werden als die größten Gefahrenpotentiale gesehen.

Risiko "alternative Bezahlmethoden"

Die Kreditkarte gilt von jeher als anfällig für Betrug, doch auch bei alternativen Bezahlmethoden sehen Händler Risiken. Zum einen müssen mit zunehmender internationaler Ausrichtung immer mehr lokale - also neue oder fremdartige - Zahlarten angeboten werden. Fünf bis sieben Zahlarten pro Land gelten als Standard, und aufgrund unterschiedlicher Präferenzen in den einzelnen Ländern müssen viele Händler mit 30 bis 40 verschiedenen Bezahlmethoden arbeiten.

Schon alleine der Verwaltungsaufwand für Betrugsversuche ist bei solch einer hohen Anzahl an E-Payments enorm. Viele Händler klagen, keine einheitliche Sicht mehr auf ihre Kunden zu erhalten, um Risiken wie Zahlungsausfälle oder Chargebacks einzuschätzen. Aber auch technische Herausforderungen nehmen zu, etwa wenn für jede Bezahlart ein eigenes Tool verwendet werden muss und sich die Daten aus diesen Tools nicht sinnvoll zusammenführen lassen.

Risiken in den Griff bekommen

Der internationale E-Commerce eröffnet große Möglichkeiten, birgt aber auch viele Risiken. Was können Händler tun? Sie sollten zunächst sofort die Herausforderungen aktiv angehen, mit denen sie jetzt schon im Kleinen kämpfen. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass es ohne professionelle Unterstützung nicht geht, denn die wenigsten Händler werden sich eigene Abteilungen für das Betrugs- und Risikomanagement leisten wollen oder können.

Für das Betrugsmanagement sollten Händler auf Partner beziehungsweise Dienste setzen, die ihnen eine einheitliche Sicht quer über alle Länder, Kanäle und Bezahlarten bieten, um Betrugsversuche schnell identifizieren zu können. Dasselbe gilt für das Risikomanagement. Händler benötigen auch hierfür eine professionelle Lösung ihres eigenen Payment Service Providers, der die Risikoeinschätzung übernehmen kann oder eines zusätzlichen Dienstleister, um ihre Kunden von Anfang an richtig bewerten zu können. (bw)

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