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02.05.2016 - 

Herausforderungen für Online-Marktplatz

Was bedeutet der Chefwechsel bei eBay?

Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Parallel zu Meldungen über rückläufige Umsätze in Deutschland hat eBay den Posten des Landes-Chefs neu besetzt. Wie stark ist eBay wirklich herausgefordert? Und welche Strategie ist von dem neuen eBay-Chef Stefan Wenzel zu erwarten?
Der bisherige eBay-Deutschland-Chef Stephan Zoll wechselt zu einer Handelskette in die USA
Der bisherige eBay-Deutschland-Chef Stephan Zoll wechselt zu einer Handelskette in die USA
Foto: Ebay

Sieben Jahren war Stephan Zoll in Führungspositionen für eBay Deutschland tätig: zunächst von 2009 bis 2011 als Landes-Chef, dann als Geschäftsführer des zu eBay gehörenden Shopping Clubs Brands4Friends und seit 2013 wieder als Deutschland-Repräsentant des Online-Marktplatzes. Im schnelllebigen Online-Geschäft sind sieben Jahre eine außergewöhnlich lange Zeit und so lässt es durchaus aufhorchen, dass Zoll nun zu einer US-amerikanischen Handelskette wechselt und vom bisherigen Brands4Friends-Geschäftsführer Stefan Wenzel an der Spitze von eBay Deutschland beerbt wird. Gleichzeitig sorgte das Handelsblatt mit der Meldung für Aufsehen, der Umsatz von eBay in Deutschland sei laut dem Geschäftsbericht für 2015 im vergangenen Jahr von 1,511 Milliarden Dollar auf 1,310 Milliarden Dollar zurückgegangen. Zwar wurden die Zahlen stark von der Kursentwicklung zwischen Dollar und Euro beeinflusst und handelt es sich dabei um den Gesamtumsatz von eBay Deutschland - also nicht nur das Marktplatzgeschäft. Im Vergleich mit dem weiterhin hochgradig wachstumsstarken Amazon stellt sich aber dennoch schnell die Frage: Wo steht eBay heute? Und welche Herausforderungen stellen sich dem neuen Deutschland-Chef?

Für Beruhigung sorgten immerhin die Zahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres, die eBay in der vergangenen Woche vermeldete. Der Umsatz stieg in dem Zeitraum um vier Prozent auf 2,14 Milliarden Dollar und auch andere wichtige Kennzahlen wie das Gross Merchandise Volume (plus 1 Prozent), die Anzahl der aktiven Kunden (plus 4 Prozent) und das GAAP-Ergebnis (plus sieben Prozent) entwickelten sich positiv. eBay-Chef Devin Wenig sprach in dem Zusammenhang von "soliden Quartalsergebnissen", die es weiter ermöglichten den Online-Marktplatz für einen langfristigen Erfolg zu positionieren. "Wir machen Fortschritte bei der Umsetzung unserer Strategie, den Kunden die beste Produktauswahl und ein einfaches, personalisiertes Einkaufserlebnis zu bieten, während die Händler weiterhin von unserer starken Verkaufsplattform profitieren", so Wenig.

Trotz "Amazonisierung": Eigenheiten bewahren

Die Aussage des eBay-Chefs klingt für einen führenden Online-Konzern recht bodenständig und dürfte wohl wiederspiegeln, was derzeit den Alltag bei dem E-Commerce-Unternehmen am stärksten prägt. eBay arbeitet nicht an der radikalen Neuerfindung, sondern feilt kontinuierlich an der Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells. So spielte bei der Präsentation der Geschäftszahlen das bereits seit einiger Zeit laufende "Structured Data"-Projekt von eBay eine große Rolle: Um den steigenden Anforderungen der Onlineshopper zu entsprechen, muss der E-Commerce-Pionier nicht nur von den Händlern eine möglichst hohe Datenqualität einfordern, sondern diese Produktdaten auch entsprechend aufbereiten und zu einer gleichermaßen nutzerfreundlichen wie inspirierenden Einkaufserfahrung verarbeiten. Während das eBay früher Tage ein bunter Gemischtwarenladen war, in dem charmant-amateurhafte Privatgebote neben mehr oder weniger professionellen Listings standen, gilt es heute eine möglichst einheitliche Shopping-Plattform zu bieten, die es auch für Kunden von Amazon und Zalando an nichts fehlen lässt. Doch gleichzeitig will eBay seine Eigenheiten bewahren - der Marktplatz ist eben kein zweites Amazon, das Plattformverkäufern als Händler Konkurrenz macht und seine Kunden mit stets neuen Produkten und Services in eine immer engere Umarmung zwingt. Gegenüber dem zunehmend autoritär auftretenden Amazon ist eBay die Demokratie unter den Online-Plattformen - und will das auch bleiben.

Rückt von Brands4Friends an die Spitze von eBay Deutschland nach: Stefan Wenzel
Rückt von Brands4Friends an die Spitze von eBay Deutschland nach: Stefan Wenzel
Foto: Ebay

Die Tendenz, diese zwei Impulse zu vereinen, erkennt man auch in der Strategie von eBay Deutschland. Im vergangenen Herbst hatte die deutsche Landesgesellschaft mit eBay Plus eine Versand- und Retouren-Flatrate gestartet, die eben kein zweites Amazon Prime sein will und sich statt auf zusätzliche Streaming- oder E-Book-Dienste auf die für deutsche Kunden entscheidenden Aspekte "bequemer Versand" und "einfache Retouren" konzentriert. Mit dem Pilotprojekt "Mönchengladbach bei eBay" wandte sich das E-Commerce-Unternehmen der lokalen Komponente zu. Allerdings ging es eBay dabei primär darum, neue Offline-Händler für den Internet-Marktplatz zu gewinnen und diesen neue Online-Verkaufschancen zu bieten. Mit dem Städte-Wettbewerb "Die digitale Innenstadt" präsentierte das Unternehmen Ende April gemeinsam mit dem HDE eine Fortsetzung dieser Strategie. Ebenfalls neu ist der Verkaufsservice eBay Komfort, der es Privatverkäufern erleichtern soll, Artikel professionell über den Online-Marktplatz verkaufen zu lassen. Die Abwicklung wird dabei von den Recommerce-Spezialisten Flip4New und Mädchenflohmarkt übernommen. Auch hier zeigt sich die Idee, die klassische eBay-Mischung aus Privatverkäufern und Profis mit den gewachsenen E-Commerce-Ansprüchen in Einklang zu bringen.

eBay Kleinanzeigen als Richtungsweiser

Es ist davon auszugehen, dass auch der neue Deutschland-Chef Stefan Wenzel diese Strategie fortführt. Als bisheriger Geschäftsführer von Brands4Friends verfügt Wenzel über fundierte Erfahrung mit dem eBay-Geschäftsbereich, der in Sachen professionelles Verkaufen und Händler-/Herstellerkooperationen am weitesten fortgeschritten ist. "Es geht darum, unseren Kunden überzeugende Leistungen zu bieten - Käufern mit einem breiten und einzigartigen Sortiment zu überzeugen und Verkäufern leistungsfähige Schnittstellen für erfolgreichen Handel zur Verfügung zu stellen", erklärte der frischgebackene Landes-Chef zum Antritt.

Die Deutschland-Zentrale von eBay in Dreilinden vor den Toren von Berlin
Die Deutschland-Zentrale von eBay in Dreilinden vor den Toren von Berlin
Foto: eBay Germany

Dafür, dass Wenzel die Privatverkäufer nicht aus den Augen verliert, sorgt aber schon die Entwicklung in einem weiteren Geschäftsbereich, den Beobachter von eBay gerne aus den Augen verlieren - dem Kleinanzeigengeschäft. Mit 186 Millionen Dollar trug das Segment zwar noch recht wenig zum Umsatz von eBay im letzten Quartal bei, doch sind die Wachstumsraten in dem Bereich außergewöhnlich hoch. Um ganze 17 Prozent legten die "Classifieds" in den ersten drei Monaten des Jahres zu - maßgeblich angetrieben von eBay Kleinanzeigen in Deutschland und Großbritannien. Privatverkäufer sind also weiterhin eine wesentliche Klientel für eBay und diese mit den Profi-Sellern im Einklang zu bringen und ein übergreifendes, hochwertiges Einkaufserlebnis zu bieten, dürfte auch für Stefan Wenzel oberste Priorität einnehmen. (mh)

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