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Watt auf die Ohren

Apples OverEar-Kopfhörer: So muss er werden

16.04.2018
Von Leif Johnson und
Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Nach AirPods und HomePod braucht es noch einen OverEar-Kopfhörer für den Dreiklang. Apple soll daran arbeiten. So sollten die Lauscher werden, um Gewinn zu bringen.
Beats klingen gut, Apple sollten besser klingen und mehr Nutzen bringen.
Beats klingen gut, Apple sollten besser klingen und mehr Nutzen bringen.
Foto: Apple

Bisher ist es ja nur ein Gerücht, dass Apple im vierten Quartal eigene Noise-Cancelling-Over-Ear-Kopfhörer herausbringen will. Gleichwohl ist die Quelle dafür ein in der Regel gut informierter Analyst: Ming-Chi Kuo von KGI Securities. Warum Apple aber in Konkurrenz zu seiner eigenen Tochter Beats treten sollte, ist auf den ersten Blick nicht so leicht ersichtlich. Doch scheint die Übernahme von 2014 vor allem ihren Zweck beim Aufbau von Apple Music erfüllt zu haben, das mittlerweile 38 Millionen Abonnenten zählt – die in Schwierigkeiten geratene Kopfhörersparte ist von nachrangiger Wichtigkeit.

So könnte also ein Apple-Over-Ear nach AirPods und HomePod eine weitere Klangwelt eröffnen. Unsere Kollegen der Macworld und wir formulieren daher fünf Wünsche an einen derartigen Kopfhörer. Denn was uns gefällt, sollten auch andere Musikfreunde mögen ;-)

1. Ein bisschen mehr Eleganz, bitte

Beats-Kopfhörer fallen auf und das sollen sie auch. Wuchtig, großes Logo auf den Muscheln, bunte Farben. Gewissermaßen schreit ein jeder Beats-Kopfhörer eine Botschaft heraus: oh"ICH BIN LAUT! ICH BIN BASS!" – ohne dass die Umstehenden tatsächlich von Lärm belästigt werden, die Abschirmung nach außen ist recht gut. Die Zielgruppe ist nun einmal eine jüngere und die Musik, für die Beats am besten geeignet sind, eben Hip-Hop. Allein das hält viele Apple-Kunden davon ab, sich einen Beats anzuschaffen und sie greifen zu anderen Marken.

Ein Apple-Kopfhörer sollte also weit dezenter und eleganter gestaltet sein und bei einigen Beats-Modellen ist das bereits der Fall. Das Logo darf gerne gut zu sehen sein, aber nicht einmal das hätte Apple nötig, um seine Musikhardware als solche aus Cupertino kenntlich zu machen. Der Apfel prangt am HomePod beispielsweise auch an der Stellfläche, die man nur selten zu Gesicht bekommt. Vermutlich würde das iPod-Weiß schon reichen, um einen Apple-Kopfhörer als einen solchen kenntlich zu machen, doch hat Jony Ive gewiss noch zahlreiche andere Ideen für eine unverwechselbare Signatur.

Das geht schon mal in die richtige Richtung, aber da geht noch mehr
Das geht schon mal in die richtige Richtung, aber da geht noch mehr
Foto: Apple

Wir suchen die Channel-freundlichsten Hersteller und Distributoren

Apple-Geräte sollen zu einer Vielzahl von Kunden und ihren Stilen passen, zur Jeans ebenso wie zum Business-Anzug. Nun sind die Gestaltungsmöglichkeiten für einen OverEar-Kopfhörer natürlich ein wenig eingeschränkt. Was beim Design aber keineswegs vernachlässigt werden darf, ist der Tragekomfort. Ein noch so schöner und spektakulärer Kopfhörer wird nicht getragen, wenn er auf den Scheitel oder die Ohren drückt und es unter ihm heiß wird, auch dann, wenn nicht gerade die Red Hot Chili Peppers laufen. Wie es nicht geht, zeigen etwa die Beats Solo3, die recht unbequem sind. Apple kann das besser – wir sind gespannt.

2. Hilfreiche Funktionen und ein Kabel

Die AirPods haben nicht nur einen feinen Klang, sondern bringen auch recht hilfreiche Funktionen mit. Das beginnt beim schnellen Pairing, alle anderen Ohrhörer brauchen länger, um sich per Bluetooth mit dem iPhone oder iPad zu verbinden. Sehr schön ist auch, dass die Musik anhält, wenn man eines der Pods aus dem Ohr nimmt. Eine derartige Stop-Funktion haben wir aber auch bei zahlreichen OverEar-Kopfhörern anderer Herstellers schon erfahren, Apple wird hier wohl kaum nachstehen. An sinnvollen Features gibt es noch mehr, so könnte der Apple-Kopfhörer auch das Noise Cancelling ausschalten oder sogar die Umgebungsgeräusche durchlassen, wenn man eine einfache Geste nutzt, etwa die Hand auf eine der Muscheln zu legen. Diesen Modus nennt etwa Sony für seine WH1000XM2 "Quick Attention". Aber wozu hat Apple denn Siri, wenn man den Sprachassistenten nicht auch zur Steuerung der Hardware nutzen kann? Siri könnte etwa den Grad der Geräuschunterdrückung regeln, warum sollte man dann Apple-OverEar-Träger nicht gleich ansprechen mit "Hey Siri, lass' mich dir was sagen!" Kopfhörer mit Muscheln bieten aber auch die Möglichkeit, Lautstärke und anderes mit Wischgesten zu steuern, das geht bei AirPods natürlich nicht, bei OverEars schon. Bewegliche Teile braucht es nicht, nur eine berührungsempfindliche Oberfläche. Akkulaufzeiten sind bei großen Lauschern auch weniger ein Problem als bei den sehr kompakten AirPods. Was wir uns hier auch wünschen, aber vermutlich nicht erfüllt bekommen: Eine Buchse für den Anschluss eines Kabels. Kann ja auch eines für Lightning sein, das könnte ja auch noch einen Vorverstärker und Signalprozessor eingebaut haben. Apple will aber eher völlig weg vom Thema Audiokabel, fürchten wir.

3. So faltbar wie nur möglich

Das Beispiel AirPods lehrt, dass man von Apple ungewöhnliches Design bekommt, ja, ein solches, das keinem bestehenden Produkt ähnelt. Die Uniform der Stormtrooper in "Star Wars" haben Jony Ive inspiriert, wir sind gespannt, welches Design diesmal als Vorbild steht. Aber auch hier gilt: Der Nutzen muss im Vordergrund stehen. Denn wo nutzen die Leute ihre ANC-Kopfhörer (Active Noise Cancelling)? Sicher nicht im Tonstudio, weil dort geht nichts außer Kabel. Und auch kaum im Wohnzimmer, da steht ja der HomePod. Dafür aber unterwegs, auf Flug- und Bahnreisen, in der U-Bahn, auf dem Bürgersteig und vielleicht auch zeitweise im Büro, wenn die Kollegen mal wieder laut sind. Also muss ein solcher Kopfhörer auch transportabel sein, am besten gelänge das, könnte man ihn auf eine kompakte Größe für das Außenfach des Rucksacks oder der Aktentasche zusammenfalten. Eine gute Vorarbeit hat Bose mit dem Quiet Comfort 35 geleistet, den wir auch schon im Test hatten. Aber es geht noch besser. Gewiss hat sich Jony Ive aber mit Origami befasst.

Kompakter Bose Quiet Comfort, es geht aber sicher noch komfortabler
Kompakter Bose Quiet Comfort, es geht aber sicher noch komfortabler

4. Überlegener Sound

An sich sollte der Punkt klar sein: Wenn der Apple-OverEar nicht überragend klingt, braucht Apple den Kopfhörer gar nicht erst zu bauen. Mit den AirPods und dem HomePod hat Apple bereits seine Soundexpertise bewiesen. Erstere sind von Anfang an ein Kassenschlager gewesen, der Lautsprecher für das Wohnzimmer tut sich noch etwas schwer. Das liegt aber nicht an seinen Klangeigenschaften, sondern am Nutzen oder Nichtnutzen, den Siri derzeit bietet. Praktisch alle Rezensenten sind sich sicher: Der Sound ist für einen Lautsprecher dieser Bauart überragend, zumindest für die meisten Genres und Einsatzzwecke. Die Anforderung an den hypothetischen Kopfhörer ist also klar, geht aber noch weiter, denn auch das Noise-Cancelling sollte so gut sein wie bei keinem vergleichbaren Produkt. Apple sollte dazu in der Lage sein, die Latte höher zu legen. Denn auch der HomePod vermisst mit seinen zwischen sieben Tweetern angebrachten sechs Mikrophonen den Raum so intensiv, dass er die Ausgabe diesen anpassen kann. Acitve Noise Cancelling versucht ja auch genau das: Ausmessen der akustischen Umgebung und Produzieren von Gegenschall, der eben genau diesen Lärm schluckt beziehungsweise annihiliert. Das geht aber zulasten der Musik. Apples Ingenieure werden hier genau austarieren müssen, wie viel Gegenschall erforderlich ist und wo es zu viel wird. Wunderdinge kann man sich von ANC gleichwohl nicht erwarten, die Technik funktioniert vor allem bei niedrigen Frequenzen. Aber es ist schon mal ein Gewinn, wenn die Bahn, das Flugzeug oder die Fabrik nicht mehr durch ihr Brummen stören.

5. Eine Frage des Preises

Apple kann nicht billig, will das auch nicht. Doch bei einem Produkt wie Kopfhörern, die sich voneinander meist nur in Nuancen unterscheiden, ist der Preis ein wichtiges Kriterium. Immerhin wird ein Apple-OverEar sich nicht mit Lauschern vom Grabbeltisch im Elektromarkt messen, sondern mit den Produkten von Bose oder Sony. Ein Preis von um die 350 Euro sollte durchaus konkurrenzfähig sein, der HomePod steht auf einem ähnlichen Niveau. (Macwelt)