Eset warnt vor Fake-Webseiten

Betrug mit digitalen Vignetten und Plaketten

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
Immer mehr Länder bieten Vignetten und Plaketten, die als Nachweis für bezahlte Maut dienen, auch oder sogar ausschließlich digital an. Das nutzen Betrüger verstärkt aus.
Der Aufkleber auf der Windschutzscheibe als Nachweis für bezahlte Mautgebühren hat in vielen Ländern ausgedient. Immer öfter werden Vignetten nur noch digital angeboten. Betrüger versuchen das auszunutzen.
Der Aufkleber auf der Windschutzscheibe als Nachweis für bezahlte Mautgebühren hat in vielen Ländern ausgedient. Immer öfter werden Vignetten nur noch digital angeboten. Betrüger versuchen das auszunutzen.
Foto: Ajdin Kamber - shutterstock.com

Vignetten an die Windschutzscheibe zu kleben, war in der Vergangenheit oft ein wichtiger Teil der Urlaubsvorbereitungen. Heute kann das in vielen Ländern digital erledigt werden. Allerdings bietet das Kriminellen die Chance, Reisende mit Fake-Webseiten zu betrügen. IT-Security-Anbieter Eset nimmt eine aktuelle Betrugsmasche mit französischen Umweltplaketten zum Anlass, um in diesem Bereich grundsätzlich zur Vorsicht zu raten.

Digitalvignetten werden inzwischen etwa für Slowenien, Tschechien, Österreich und Ungarn angeboten. Dabei wird das Kennzeichen online registriert. Eine Vignette auf der Windschutzscheibe aufzukleben, ist nicht mehr erforderlich. Dieses Verfahren hat allerdings Betrüger und Abzocker auf den Plan gerufen. Beim Kauf im Internet sollte daher sorgfältig geprüft werden, wo die Vignette erworben wird.

Überteuerte Angebote für digitale Vignetten für Österreich

"Aktuelle Fälle berichten von Shops, die neben der Vignette die Registrierung des Kennzeichens als Dienstleistung verkaufen. Das Gefährliche ist, dass diese Shops nicht illegal sind und bei Suchmaschinen weit oben in den Ergebnissen angezeigt werden", teilt Eset jetzt mit.

Ähnlich hatte sich im Dezember 202 bereits der österreichische Verkehrsclub ÖAMTC zu Wort gemeldet. "Zunächst ist festzuhalten, dass diese Portale nicht illegal sind. Allerdings verkaufen sie die Vignetten im Grunde nicht direkt, sondern bieten vor allem die Registrierung des Kennzeichens an – natürlich gegen Entgelt. Damit kann eine Vignette über ein solches Portal fast 70 Prozent mehr kosten als bei einem offiziellen Anbieter", warnte ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka damals.

"Aber auch Fake-Webseiten lassen sich zum Teil sehr leicht erstellen, wie das Beispiel der Umweltplakette in Frankreich zeigt", warnt Eset jetzt zusätzlich. Ein aktuelles Beispiel für solch eine Fake-Webseite hat Eset bei der in Frankreich in bestimmten Regionen benötigen Umweltplakette ("Certificat qualité de l'air" / Crit'Air) gefunden.

Betrug mit Vignetten in Frankreich und Tschechien

Die Plakette ist über eine offizielle Webseite erhältlich. Bei der Suche im Internet werden jedoch auch mehrere andere Seiten angezeigt, die sie ebenfalls anbieten. Das Problem ist auch den Behörden bekannt: Sie warnen vor Zwischenhändlern und betrügerischen Webseiten und empfehlen darauf zu achten, dass die URL der Webseite auf ".gouv.fr" endet

"Eine Webseite zu fälschen, ist nicht schwer. Gerade in Bezug auf die französische Umweltplakette gibt es mehrere Berichte über Betrugsfälle. Erst recht, wenn die Webseite lediglich in der Landessprache verfasst ist, tun sich ausländische Urlauber bei der Prüfung auf Echtheit schwer", erklärt Eset. Reisende sollten daher nur bei den offiziellen Stellen eine Vignette oder Plakette kaufen.

Das Problem ist jedoch längst nicht auf Frankreich beschränkt. Ende 2021 hatte das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bereits eine Warnung tschechischer Behörden aufgegriffen, wonach es bei der seit Anfang 2021 in Tschechien geltenden elektronische Vignette für Pkw bis 3,5 Tonnen wiederholt zu Betrugsfällen kam. Das Ministerium empfahl zudem, die elektronische Vignette möglichst vor Antritt der Reise nach Tschechien im offiziellen E-Shop auf der Website www.edalnice.cz zu kaufen

Seriöse Anbieter digitaler Vignetten

Wird eine digitale Vignette - egal für welches Land sie erworben wurde - nicht richtig angemeldet, besteht die Gefahr, dass es nach der Nutzung der mautpflichtigen Straßen zu einer nachträglichen und deutlich höheren Zahlungsaufforderung kommt, warnt Eset. "Gerade bei zwielichtigen Shops, wo Autofahrer möglicherweise gar keine Kaufquittung erhalten, ist Vorsicht geboten."

Der Hersteller rät daher dazu, Vignetten nur in offiziellen Shops oder über die Verkehrsclubs zu kaufen. In Deutschland bietet digitale Vignetten etwa der ADAC in seinem Online-Shop an. Der AvD verweist auf seiner Webseite auf den Partner Tolltickets.

Für Österreich bieten die digitale Vignette auch der ÖAMTC sowie der dortige Autobahnbetreiber ASFINAG an. Bei letzterem müssen Verbraucher wegen des Rücktrittsrechts bei Online-Käufen sie aber mindestens 18 Tage vorher erwerben. Unternehmerinnen und Unternehmern, für die das Rücktrittsrecht nicht gilt, können die digitale Vignette nach dem Online-Kauf sofort nutzen.

Eine Übersicht, in welchen Ländern auf Autobahnen, für Umweltzonen oder in bestimmten Städten Mautgebühren anfallen, hat der ADAC auf seiner Webseite zusammengestellt.

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