Audits angekündigt

Lexmark geht gegen Projektbetrüger vor

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Druckerhersteller Lexmark will "rigoros" gegen Händler vorgehen, die Projektkonditionen missbrauchen. Mit europaweiten Kontrollen sollen nun die schwarzen Schafe unter den Resellern herausgefunden werden.
Birgit Houscht, Director Supplies Channel DACH bei Lexmark, will den schwarzen Schafen unter den Resellern auf die Schliche kommen.
Birgit Houscht, Director Supplies Channel DACH bei Lexmark, will den schwarzen Schafen unter den Resellern auf die Schliche kommen.
Foto: Lexmark

Hersteller gewähren Resellern häufig lukrative Einkaufspreise für spezielle Zwecke, wie im Projektgeschäft. Ärgerlich für den Hersteller und für den Mitbewerb, wenn diese Produkte dann zu Dumping-Preisen auf dem freien Markt landen. Die Preispunkte sind nicht mehr haltbar und die Marge sinkt.

Lexmark hat den Projektbetrügern den Kampf angesagt und will Händlern auf die Schliche kommen, die es mit den Projektkonditionen nicht so genau nehmen. Ziel sei es, Vertragsbrüche und betrügerisches Handeln rigoros zu unterbinden und die Integrität des Marktes durch transparente Zulieferketten zu gewährleisten. Der Hersteller führt bereits seit geraumer Zeit entsprechende Prüfungen durch. Nun wurden die Audits erweitert und europäisch formalisiert.

Laut Birgit Houscht, Director Supplies Channel DACH bei Lexmark, gibt es kein konkretes Ereignis für dies Maßnahmen: "Diese Aktivitäten basieren vielmehr auf dem Feedback unserer Partner, die uns - marktübergreifend - auf Projektpreis-Missbrauch hingewiesen haben. Die Channel Audits stellen für Lexmark eine wichtige Säule innerhalb des gesamten Market Integrity Konzepts und unserer Bestrebungen dar, unseren Partnern aktiv ein faires Marktumfeld zu sichern", erläutert die Lexmark-Managerin. Die Überprüfungen sollen möglicht vor Ort beim Händler stattfinden und durch "andere Prozesse wie postalische Audits" ergänzt werden. Zudem kann durch die Erfassung von Seriennummer der Warenfluss verfolgt, und die Quelle verdächtiger Produkte ermittelt werden.

Sanktionen verhängt

Durch das Audit-Programm wurden bereits Projektpreis-Zweckentfremdungen mit unrechtmäßig reduzierten Tonerkassetten sowie illegale Parallelimporten in den europäischen Wirtschaftsraum identifiziert. Laut Lexmark konnte diese Praktiken eindämmt und entsprechende Sanktionen verhängt werden. Dies soll zu Beendigung von Projektpreisvereinbarungen und Händlerverträgen sowie zu Rückforderungen geführt haben. Wie hoch solche Rückforderungen werden können, kann Lexmark-Managerin Houscht pauschal nicht beantworten. "Ein Fachhandelspartner, der unsere Projektpreisvereinbarung missbraucht, muss damit rechnen, dass wir alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, dieses Verhalten zu ahnden. Ein Ausschluss von dem Lexmark-Projektpreisprogramm ist in diesem Fall obligatorisch", erläutert sie die Folgen.

Durch die erweiterten Audits geraten aber auch unschuldige, korrekt arbeitende Händler ins Fadenkreuz. Die Ermittler nehmen mitunter Einblick in interne und geschäftskritische Unterlagen. Dazu kommt, dass Lexmark nicht auf unabhängige Wirtschaftsprüfer zurückgreift, sondern eine eigene Truppe ins Feld schickt. "Im Rahmen eines Audits werden personenbezogene Daten nicht erhoben oder überlassen, da es vornehmlich um die Betrachtung der Lieferkette geht", beschwichtigt Birgit Houscht. Lexmark habe sich zudem zur Einhaltung der Grundsätze der europäischen und schweizerischen Safe-Harbor-Vereinbarungen mit dem US-Handelsministerium verpflichtet. Die Vertraulichkeit sei im Rahmen der vertraglichen Beziehungen grundsätzlich gewährleistet. Somit behandle Lexmark alle sensiblen Bereiche rechtskonform. "Vertraulichkeit und Datenschutz sind wichtige Themen für Lexmark. Wir leben diesen Grundsatz gegenüber unseren Handelspartnern und Kunden", bekräftigt sie.

Hersteller sind nicht zimperlich

Welche Folgen solche Überprüfungen haben können, mussten auch HP-Händler vergangenes Jahr erfahren: Nach den Audits durch KPMG hagelte es empfindliche Strafen. Die Rückforderungen sollen zum Teil sogar in Millionenhöhe gewesen sein.

Nicht immer gehen Hersteller bei diesen Prüfungen korrekt vor und sind in ihren Methoden nicht zimperlich, wie ein Beispiel von Avaya zeigt: Ungeachtet von dem seit Jahren bestehenden Partnervertrag oder den Einkaufsvereinbarungen eines Händlers, der von Avaya direkt beliefert wurde, solle er nun plötzlich sehr sensible Kundendaten zu einem abgeschlossenen Projekt an den Hersteller liefern. "Avaya stellt hier im Nachgang Forderungen, die zwischen uns und dem Hersteller vorher nie vertraglich geregelt wurden", wunderte sich der Partner. Zumal die Weitergabe der geforderten Informationen an einen Dritten teilweise gegen die Verträge verstoße, die zwischen ihm und seinen Kunden geschlossen wurden. Avaya begründet die Aufforderung in seinem Schreiben damit "mögliche Graumarktaktivitäten verhindern" zu wollen.