"Wir machen kein Projekt ohne unsere Partner"

04.10.2001
Wenn man die vor kurzem veröffentlichten Jahresergebnisse der Dicom Group plc liest, haben diese mit dem altbekannten Distributor Dicom nicht mehr viel zu tun. Zu weit hat sich das Unternehmen inzwischen verzweigt, als dass man es noch als waschechten Disti bezeichnen könnte.

Am 30. Juni ging das Geschäftsjahr der Dicom Group plc zu Ende. Die Ergebnisse, des Unternehmens können sich, trotz der in diesem Jahr angespannten Konjunkturlage, sehen lassen. In den inzwischen vier Geschäftszweigen des Unternehmens wurden ausnahmslos positive Ergebnisse geschrieben, was das Unternehmen auf seine Strategie zurückführt: "Wir sind so erfolgreich, weil wir nicht nur Produkte herstellen", erklärt Christoph Löslein, Executive Director Investor der Dicom Group.

Mit einem Umsatzanstieg um 44 Prozent auf 228,2 Millionen Euro (1999/2000: 158 Millionen) konnte man das Geschäftsjahr 2000/01 abschließen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen auf Firmenwert (Ebitda) stieg um 106 Prozent auf 15,6 Millionen Euro (Vorjahr: 7,6 Millionen). Akquisitionen trugen mit 16 Prozent zum Umsatzwachstum bei. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um 115 Prozent auf 11,3 Millionen Euro (Vorjahr: 5,3 Millionen).

Vier Geschäftsbereiche unter einem Hut

Löslein tut sich selbst ein wenig schwer, Dicom in einem kurzen Wort zu beschreiben: "Wir sind Anbieter im Informations-Erfassungs-Markt", versucht er das Unternehmen zu umschreiben. Gegründet wurde Dicom 1991 in der Schweiz als Distributor für Peripheriegeräte. 1996 folgte die Notierung an der Londoner Börse. Der Gang an die Frankfurter Börse folgte im Januar 2000. Mittlerweile ist Dicom in 23 Ländern weltweit vertreten. "Wir können heute nicht mehr sagen, welche Nationalität wir eigentlich haben", sagt Löslein zur weltweiten Präsenz. Das Ergebnis der Dicom Group plc setzt sich inzwischen aus vier verschiedenen Geschäftsbereichen zusammen.

Der größte Unternehmensbereich ist die Electronic Data and Document Capture (EDC), die ihren Fokus auf das Daten- und Dokumentenmanagement hat. Organisationen mit hohem Daten- und Dokumentenaufkommen wird eine Lösung angeboten, die Kosten für die Geschäftsprozesse deutlich zu reduzieren. EDC erzielte im vergangenen Geschäftsjahr ein fremd-währungsbereinigtes organisches Wachstum von 19 Prozent, wobei die Akquisitionen 37 Prozent zum Umsatz beitrugen. Am Gruppenumsatz war dieser Zweig mit 63 Prozent (Vorjahr: 58 Prozent) be-teiligt.

Positiv entwickelt hat sich auch der Dienstleistungsanteil der EDV. Betrug er im zurückliegenden Jahr noch 38 Prozent, wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits 51 Prozent über Services und eigenentwickelte Produkte erzielt.

Die im Jahr 2000 ebenfalls an Bord geholte Softwareschiene "Kofax Image Products Inc" in Irvine, Kalifornien, konnte die Verkaufszahlen ihrer Produkte "Virtual Rescan" und "Ascent Capture" im Vergleich zum vergangenen Jahr um 55 Prozent verbessern. Dies ist laut Dicom auch auf die Kompatibilität der Produkte in andere Systeme zurückzuführen.

Die europäische Vertriebs- und Serviceorganisation Components & Services (C&S) war trotz der diesjährigen Konjunkturflaute ebenfalls in der Lage, den Serviceumsatz der Gruppe im Vergleich zum vergangenen Jahr um 54 Prozent zu erhöhen. Dies lag laut Firmenangaben sowohl am erweiterten Dienstleistungsangebot als auch an der erhöhten Beteiligung an internationalen Endkundenprojekten.

Die Samsung General Agency (SGA) konnte ihr Wachstum in diesem Geschäftsjahr nicht fortsetzen. Die in Österreich und der Schweiz ansässige Distributionsvertretung des Herstellers trug 37 Prozent (Vorjahr: 40 Prozent) zum Gruppenumsatz bei. Das fremdwährungsbereinigte organisatorische Wachstum betrug hier 29 Prozent. Man spürte allerdings den Rückgang der IT-Investitionen im vergangenen Geschäftsquartal, und "die Margen kamen unter Druck", so Dicom.

Im Laufe des vergangenen Geschäftsjahres hat die Dicom Group mehrere Akquisitionen und In-vestments getätigt. Das wichtigste Investment im Laufe der vergangenen Jahre war laut Unternehmensangaben die Beteiligung an der Cardiff Software Inc. (Cardiff), ein privat gehaltenes Data-Capture-Unternehmen in Kalifornien, USA. Mit insgesamt 14,3 Millionen Dollar hält Dicom einen Anteil von 19 Prozent.

Cardiff erweitert das Angebot der Gruppe um Produkte im Bereich der elektronischen Formularverarbeitung. In Deutschland beteiligte sich Dicom vergangenes Jahr mit 20 Prozent an der Kölner Alos GmbH, die sich im gleichen Marktsegment bewegt. Weiterhin wurden im Laufe des Jahres Beteiligungen an drei in Italien und Istrien ansässigen Servicedienstleistern getätigt.

"Wir werden auch weiterhin gut wachsen", sagt Löslein im Hinblick auf die Zukunft. Immerhin habe man sehr viel in die Weiterentwicklung der Produkte und die Ausbildung der Partner investiert. "Wir machen kein Projekt ohne unsere Partner", unterstreicht Löslein die Ausrichtung des Unternehmens. Der Hersteller lässt sich, mit ganz wenigen Ausnahmen, "nur im Auftrag oder gemeinsam mit einem Partner bei den Endkunden sehen."

www.dicomgroup.com

ComputerPartner Meinung:

Es überrascht, in der aktuellen IT-Investitionsflaute, ein Unternehmen zu sehen, das überproportional zum Markt wächst. Dicom als reiner Distributor hätte diese Zahlen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vorweisen können. Das Unternehmen hat rechtzeitig in neue Geschäftsbereiche investiert und sich damit erfolgreich den Marktgegebenheiten angepasst. (bw)