Schlechtes Zeugnis für Schulen

Beim Homeschooling sitzengeblieben

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Wären die Schulen hierzulande Schüler, dann wäre die Versetzung akut gefährdet: In einer aktuellen Umfrage bewerten Eltern bei den Fähigkeiten zum „Homeschooling“ nur die Note „mangelhaft“.

Wie schlecht Schulen bei Digitalisierung und IT-Ausstattung sind, hat die die Corona-Pandemie in aller Deutlichkeit zu Tage gebracht. Nach nun über einem halben Jahr nach den ersten Schulschließungen hat sich nach Meinung der Eltern nicht viel verbessert.

Die Corona-Pandemie hat die Defizite der Schulen bei der Digitalisierung schonungslos offengelegt.
Die Corona-Pandemie hat die Defizite der Schulen bei der Digitalisierung schonungslos offengelegt.
Foto: Halfpoint - shutterstock.com

Laut einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist sehr skeptisch, dass der Unterricht digital aus der Ferne stattfinden kann und gibt den Schulen hierfür eine Vier-Minus. Damit wäre die Versetzung gerade noch mit Ach und Krach geschafft. Die drekt betroffene Eltern schulpflichtiger Kinder bewerten dies indes noch schlechter: Sie den Schulen die Note "mangelhaft" für ihre Fähigkeit, im Falle erneuter Schulschließungen den Unterricht aufrechterhalten zu können. Damit wäre im Schulalltag die Versetzung zumindest akut gefährdet.

Für Bitkom-Präsident Achim Berg haben die Schulden damit massiv Vertrauen verspielt, weil Unterricht zu oft ersatzlos gestrichen wurde und viele Schulen nicht in der Lage waren, die ihnen anvertrauten Schüler auch nur ansatzweise zu betreuen. Doch auch der Verwaltungsapparat kommt nicht gut weg: "Die massiven Verunsicherungen durch Behörden und Datenschutzbeauftragte haben dann auch noch die digitalen Vorreiter unter den Schulen und Lehrkräften ausgebremst. Corona ist der Startschuss für die Digitalisierung der Schulen. Jetzt heißt es, die Digitalisierung der Schulen von Null auf Hundert zu beschleunigen und das von jetzt auf gleich", fordert der Bitkom-Chef.

Probleme bei der Digitalisierung schonungslos offengelegt

Nach Einschätzung von Eltern wie auch der Gesamtbevölkerung ist an den meisten Schulen der Wechsel ins virtuelle Klassenzimmer nicht geglückt. Als gerade noch "ausreichend" wird der Stand der digitalen Bildung in Deutschland bewertet, etwa wenn es um Geräteausstattung, Internetanbindung und digitale Unterrichtsinhalte der Schulen geht. In ihrem Urteil sind sich Bürger und Eltern einig: Auf der Schulnotenskala von 1 "sehr gut" bis 6 "ungenügend" vergeben sie für die Digitalisierung der Schulen im Durchschnitt einstimmig eine 4,2. Die Corona-Krise hat den Digitalisierungsdruck auf die Schulen massiv erhöht. Neun von zehn Bürgern sind der Ansicht, dass die Pandemie die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen schonungslos offengelegt hat. Etwa ebenso viele fordern, dass alle Schulen in die Lage versetzt werden sollten, noch in diesem Schuljahr per Homeschooling zu unterrichten.

Kommentar: Ein Lehrer ist kein Administrator

Auch nach der Pandemie sollte nach Meinung von etwa der Hälfte der Befragten Unterricht teilweise digital per Homeschooling stattfinden. Bei der Beurteilung wie aktuell mit der Situation verfahren werden sollte, gehen aber die Urteile von Eltern im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung auseinander. Während nur jeder Fünfte mit schulpflichtigen Kindern eine komplette Schließung der Schulen befürwortet, sind es bei der Gesamtbevölkerung fast ein Drittel.

Föderalismus hemmt Digitalisierung

Drei Viertel sehen vor allem im Bildungsföderalismus das größte Hemmnis bei der Digitalisierung der Schulen. Dass ausschließlich der Bund statt der Bundesländer für Bildungspolitik verantwortlich sein sollte, befürworten 71 Prozent der Bürger und 79 Prozent der Eltern. Gut zwei Drittel der Bürger halten es für nicht mehr zeitgemäß, dass jedes Bundesland ein eigenes Bildungssystem hat.

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Um die Missstände zu beheben, müssen die Ausstattung verbessert, die Lehrpläne modernisiert und Lehrer weitergebildet werden. So liegt bei den Befragten die Verbesserung der Ausstattung ganz vorne im Ranking der erforderlichen Maßnahmen. Bei der Qualifizierung der Lehrkräfte sollten nach Ansicht einer großen Mehrheit digitale Medien in die Ausbildung integriert werden und regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen und Kompetenzen stattfinden. Auch die Inhalte und Formate im Unterricht sollten erneuert werden, meinen die meisten. Das betrifft die Anpassung der Lehrpläne an die Möglichkeiten der Digitalisierung und den Einsatz digitaler Lerninhalte wie etwa Lern-Apps oder interaktiver Arbeitsmaterialien im Unterricht.

Dass es vor allem hierzulande schlecht um die Digitalisierung der Schulen steht zeigt eine Umfrage des IT-Unternehmens Citrix unter Eltern in Deutschland, Australien, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko und Singapur landet Deutschland auf einem blamablen letzten Platz. Danach lief nur bei jedem zehnten Schüler in Deutschland der Wechsel zum Online-Unterricht reibungslos. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der Bitkom-Umfrage.

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