Der CP-Querschläger

Festplattenknappheit – unvermeidliches Schicksal?

ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil von ChannelPartner. Regelmäßig berichtet unser Autor über das, was einem kleinen Reseller in der großen ITK-Landschaft widerfährt. Manchmal überspitzt, aber immer auf den Punkt gebracht. Der Querschläger lebt und arbeitet als Fachhändler in Rheinland-Pfalz.
Wohin Profitmaximierung auf Kosten von Qualität führt, erklärt der CP-Querschläger.

Passend zur CP-Umfrage "Alle reden von einer Verknappung bei den Festplatten. Was bedeutet das für Sie?" (--> Umfrageergebnis ansehen) hat sich auch unser "schreibender Fachhändler", der "CP-Querschläger", seine Gedanken gemacht:

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"Jetzt ist die Gelegenheit, Lagerbestände von sonst nahezu unverkäuflichen Laufwerken bestmöglich zu verhökern."
"Jetzt ist die Gelegenheit, Lagerbestände von sonst nahezu unverkäuflichen Laufwerken bestmöglich zu verhökern."
Foto: Kai Niemeyer pixelio.de

Um Preise hochzutreiben, wurden schon Kriege angezettelt. Ob Öl, Gas oder Festplatten: Wenn es sich rentiert, ist es den Spekulanten völlig egal, wer für den Profit den Kopf hinhält.

Während es in den 90er-Jahren die Eisberge waren, die die Containerschiffe mit Röhrenbildschirmen zwischen Taiwan und Rotterdam blockierten, sind heute Havarien, Hochwasser oder Erdbeben schuld. Manchmal auch der Zoll – einverstanden. Alles ein wenig dramatischer, professioneller aufgemacht und auf RTL2-Niveau sogar glaubwürdig. Einerseits.

Andererseits sind Festplatten verfügbar. Zwar sauteuer, aber allein die Tatsache, dass es sie zu Tausenden gibt (Stand: 13.11.), ist ein Indiz für Spekulationsgeschäfte. Die globale Sucht, in Billigstlohnländern und potenziellen Katastrophengebieten Profitmaximierung auf Kosten von Qualität, Umwelt und Menschenwürde zu betreiben, ist mindestens so sehr zu verurteilen wie das Wetten von Spekulanten auf Nahrungsmittel oder Pleitestaaten.

Es ist erschreckend, was sich hinter der Hochglanzfassade von Weltkonzernen verbirgt. Hungerlöhne, sklavereiähnliche Zustände und Arbeitsmethoden, die bereits Todesopfer forderten, sind nur die Spitze dessen, was an die Öffentlichkeit dringt. Das Verbringen von Quecksilber und anderen hochgiftigen Substanzen in Flüsse und ins Erdreich, die Kontaminierung von Mensch und Tier – alles nehmen wir scheinbar gerne in Kauf, wenn es ein paar Euro billiger geht.

Jetzt schlägt die Umwelt zurück, da kann es halt auch mal ein bisschen teurer werden. Die Hochwasser und Stürme hierzulande werden sich auch noch entwickeln – garantiert! Immerhin ist jetzt die Gelegenheit, Lagerbestände von kleineren und sonst nahezu unverkäuflichen Laufwerken bestmöglich zu verhökern. Raus damit!

SATA2 will ohnehin bald keiner mehr. Die nahe Zukunft heißt SSD und SATA3-Schnittstelle. Also, neue Fabrik – neues Glück? Vielleicht bald in Afrika!

Mein Fazit: Bei den momentanen Preisen hätte das Festplattenwerk in Mainz nicht schließen müssen. Made in Germany hat immer noch Vorteile.
Bis demnächst, Euer Querschläger!
(Der ChannelPartner-Autor "Querschläger" ist ein Fachhändler aus Rheinland-Pfalz.)

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