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Google bläst zur Jagd auf AWS und Microsoft

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Container erleichtern die Cloud-Migration

Lange Zeit musste Googles Cloud-Sparte mit dem Vorwurf leben, sich nicht ausreichend um die Belange der klassischen Unternehmens-IT zu kümmern. Dass der Konzern verstärkt auch an diesem Thema arbeitet, machte Urs Hölzle, Senior Vice President Technical Infrastructure bei Google Cloud, deutlich. Die größte Herausforderung in Cloud-Projekten bestehe darin, vorhandene IT-Systeme im Unternehmen mit der Cloud zu verbinden, so der Manager. Diese Aufgabe werde schwieriger, wenn mehrere Cloud-Provider im Boot sind. Genau das sei inzwischen die Realität: "Acht von zehn Unternehmen haben eine Multi-Cloud-Umgebung." In der Praxis führe das zu einem hohen Administrationsaufwand. Mit der Anzahl der Cloud-Provider wüchsen auch die Probleme in Bereichen wie Monitoring, Debugging oder Integration.

Das Container-Orchestrierungssystem Kubernetes hat sich auf breiter Front durchgesetzt, sagt Urs Hölzle, Senior Vice President Technical Infrastructure bei Google Cloud. Google biete künftig auch eine On-Premise-Variante seiner Kubernetes Engine an.
Das Container-Orchestrierungssystem Kubernetes hat sich auf breiter Front durchgesetzt, sagt Urs Hölzle, Senior Vice President Technical Infrastructure bei Google Cloud. Google biete künftig auch eine On-Premise-Variante seiner Kubernetes Engine an.
Foto: Google

Wie können IT-Verantwortliche gegensteuern? - Für Hölzle liegt die Lösung in Software-Containern: "Sie helfen Unternehmen, ihre Anwendungen in vielen verschiedenen Umgebungen zu betreiben." Für das Management von Containern habe sich das einst von Google entwickelte Open-Source-System Kubernetes auf breiter Front durchgesetzt. Rund 75 Prozent der Unternehmen weltweit nutzten heute die Container-Orchestrierungs-Software, die Google in Form seiner "Kubernetes Engine" als Service aus seiner Cloud heraus anbietet.

Kubernetes im eigenen Rechenzentrum

Um besser auf Kundenbedürfnisse einzugehen, habe Google nun den nächsten Schritt getan, berichtete der Manager. Kubernetes werde künftig auch in einer On-Premises-Variante zur Verfügung stehen: "Sie können Kubernetes im eigenen Rechenzentrum nutzen, mit dem gleichen Funktionsumfang und dem gleichen Look and Feel wie das Cloud-Pendant."

Um Administrationsprobleme zu entschärfen, habe Google Kubernetes zudem um die Open-Source-Plattform "Istio" erweitert. Unternehmen sollen damit verteilte Software-Services einfacher implementieren, verwalten und überwachen können, unabhängig davon, ob diese in der Cloud oder on-premise laufen. Istio baue dazu eine Art Wrapper um die implementierten Container, erklärte Hölzle.

Google Cloud Services Platform vereinfacht die Administration

In der neuen "Cloud Services Platform" kombiniert Google Kubernetes und Istio und ergänzt das System um weitere Services. Laut Hölzle hat der Internet-Konzern dafür eine eigene Management Engine entwickelt, die als Closed-Source-System nicht frei verfügbar ist. Google will damit Umsätze generieren. Die Vorteile für Unternehmen: Sie bräuchten nur noch ein einziges Administrations-Team für On-Premise- und Cloud-Container. Google bezeichnet das neue Angebot denn auch als "hybride" Cloud-Software, die vor allem zum Modernisieren von Anwendungen entwickelt worden sei. Sie erlaube es Unternehmen, sowohl lokal als auch in der Cloud einheitliche und automatisierte Prozesse einzuführen. Die Administration und Governance großer und komplexer IT-Umgebungen lasse sich damit spürbar vereinfachen.

"Mit Kubernetes und Istio könnte am Ende eine Art Open-Source-Standard für unterschiedliche Cloud-Plattformen und On-Premise-Installationen entstehen", erklärte Hölzle im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Ob die Cloud-Rivalen vom Schlage AWS oder Microsoft daran wirklich ein Interesse haben, bleibt abzuwarten.

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