Gefahr durch 5G

Ist es wirklich lebensgefährlich?

27.04.2020
Von  und Simon  Rockman
Birgit Götz hat in den über 30 Jahren bei der PC-WELT überwiegend für die unterschiedlichen Rubriken im Software-Bereich gearbeitet - testend, schreibend, überarbeitend. Heute arbeitet sie für pcwelt.de und betreut vor allem das Experten-Netzwerk.
5G verspricht die schnellste Geschwindigkeit für mobile Daten, die es je gab. Manche Menschen befürchten, dass 5G mit großen Gesundheitsrisiken verbunden ist. Wir entlarven die Mythen.

Viele Menschen haben Angst vor 5G. Das ist nichts Neues. Bei jeder neuen Technologie regt sich auch Widerstand. Der Dampfzug beispielsweise wurde abgelehnt, da man glaubte, der menschliche Körper sei nicht in der Lage, Bewegungen auszuhalten, die schneller als ein Ritt auf einem Pferd sind. Viele setzten sich auch gegen die Wechselstrom-Elektrizität ein.

Geht es um 5G, verbreiten die einen Verschwörungstheorien über Außerirdische, Regierungsverschwörung und Mossad, während andere behaupten, dass 5G dazu führt, dass man unfruchtbar wird und Gehirntumore bekommt.

Foto: Daniel Krason - shutterstock.com

Wir wissen, dass Gefahren im Zusammenhang mit Funkwellen bestehen, weshalb es Sicherheitsgrenzen gibt. Im Allgemeinen werden diese Grenzwerte auf einen winzigen Bruchteil der gezeigten Signalstärke eingestellt, die sich auswirkt. Und alle Geräte, seien es Basisstationen oder Mobiltelefone, laufen mit sehr viel geringerer Leistung als durch Grenzwerte festgelegt.

Dies geschieht nicht aus großer Sorge um die Strahlung, sondern weil die Batterie eines Smartphones umso länger hält, je weniger Strom es verbraucht. Es gibt Ausnahmen: Ein kürzlich durchgeführter, seriöser Test ergab, dass ein iPhone 11 Pro mehr als die doppelte Menge der erlaubten Leistung abgibt. Aber auch das sollte kein Grund zur Besorgnis sein.

Die Angst vor 5G ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass wir als Menschen Risiken sehr schlecht einschätzen können. Wenn Sie in den Urlaub fahren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bei der Autofahrt zum Flughafen verletzt werden, viel größer als auf dem Flug selber.

Wir schließen die Gefahr des Vertrauten aus und verstärken die des Unbekannten.

Aber bei 5G scheint es ein viel größeres Maß an Besorgnis zu geben.

Was sagt die Wissenschaft über 5G?

Es gibt mehr als 24.000 Arbeiten über die Auswirkungen von Funkwellen. Skeptiker werden sagen: "Warum so viele, wenn keine Gefahr besteht", während die Befürworter sagen: "So viele Abhandlungen und kein schlagender Beweis dagegen".

Diese Sicht beruht nicht auf dem Ignorieren von Fakten, sondern daher, dass man viel Zeit damit verbracht hat, sich mit der Forschung zu befassen und mit Experten aus den Gebieten Biologie und Epidemiologie zu sprechen.

Man kann das Gesamtbild betrachten und einen Rückgang der Insektenpopulationen und eine Verringerung der männlichen Fruchtbarkeit feststellen, was zeitgleich mit der zunehmenden Nutzung der Mobilfunktechnologie geschieht.

Korrelation ist jedoch keine Kausalität, und ohne die Verwendung von Mobilfunk und den Effekt isolieren zu können, können wir nicht davon ausgehen, dass nicht etwas anderes vor sich geht. Natürlich können wir Zellen in einer Petrischale Funkwellen aussetzen und sehen, was passiert. Das, was in einer Petrischale passiert, ist jedoch kein nützliches Spiegelbild dessen, was in der realen Welt geschieht. Denn es ignoriert das gesamte System und einen Organismus mit all seinen Mechanismen, die sich entwickelt haben, um mit negativen Auswirkungen umzugehen.

Was wir bräuchten, wäre eine repräsentative Gruppe von Menschen, die der 5G-Strahlung ausgesetzt ist, und eine zweite Gruppe ohne. Beide Gruppen sollten ein ähnliches Leben führen. Danach könnte man eine statistisch aussagekräftige Liste der gesundheitlichen Unterschiede zwischen beiden Gruppen erstellen.

Dies bezeichnet man als Kohortenstudie, und es gibt auch einige davon. Inzwischen findet man jedoch kaum noch Menschen, die kein Mobiltelefon benutzen. Das bedeutet, dass es keine Kontrollgruppe gibt, und das wertet die Forschung stark ab. Eine solche epidemiologische Beobachtungsforschung ist ein Minenfeld unbekannter Unbekannter. Wir sehen vielleicht, dass etwas passiert, aber es ist unmöglich, festzustellen, warum oder oft sogar was passiert.

Ist 5G gefährlich?

Beide Seiten picken sich die Informationen heraus, die ihre Argumentation untermauern. Während also die 5G-Branche sagen wird, dass alle für die Einführung verwendeten Frequenzen bekannt sind, werden die Protestierenden sagen, dass bei diesen Frequenzen keine Tests mit 5G durchgeführt wurden. Und beide haben Recht.

Die Industrie teilt das von 5G genutzte Funknetz in den Nieder-, Mittel- und Hochfrequenzbereich ein, also unter 1 GHz, 1 bis 6 GHz und über 6 GHz (typischerweise 20 bis 30 GHz. Obwohl diese mit der 5G-Codierung, bezeichnet als "New Radio", nicht ausführlich an Menschen und Tieren getestet wurden, wissen wir viel über die Auswirkungen dieser Frequenzen.

Niederfrequenz ist das, was wir seit den 1980er Jahren für Mobiltelefone nutzen. Wenn man bedenkt, dass mehr Menschen auf der Welt ein Mobiltelefon als eine Zahnbürste besitzen, dann wüssten wir sicher schon längst darüber Bescheid, wenn hiervon eine Gefahr ausginge.

Im Mittelfrequenzbereich finden wir die Mehrheit der Mobilfunksignale, ab 3G. Auch diese sind seit Jahrzehnten in Gebrauch und werden auch von WiFi genutzt. 5G verwendet diese Frequenzen bei viel geringerer Leistung.

Der Hochfrequenzbereich ist auch als Millimeterwelle bekannt, und hier liegt der Schwerpunkt der Proteste. Es gibt bereits viele Erfahrungen mit diesen hohen Frequenzen, denn sie werden für die Punkt-zu-Punkt-Kommunikation verwendet - beispielsweise zur Verbindung externer Fernsehsendungen mit der Basis, zur Verbindung von Menschen mit dem Internet in ländlichen Gebieten und für die Satellitenkommunikation. Verwendet werden Satellitenschüsseln, die das Signal in einem engen Strahl von einem Punkt zum anderen halten, so dass eine Gefahr für die Menschen minimal ist.

Wir haben zwar nicht dieselben epidemiologischen Informationen wie zu anderen Frequenzen. Was wir aber wissen, ist, dass diese Hochfrequenzen kaum genutzt werden. Es fehlt also der Zusammenhang, wie sie sich auf Vögel und Insekten auswirken sollen.

Wir wissen auch, dass die Signale schwach sind. Sie kommen gerade durch Glas, durchdringen keine Wände und haben es schwer mit der Haut, weil Wasser ein guter Isolator ist. Die Physik, die Millimeterwellen mit Hirntumoren in Verbindung bringen würde, ist also eine Herausforderung.

Werden Sie an 5G sterben? Dafür gibt es keine Beweise.

Können wir sagen, dass es Schaden verursacht? Nicht auf dem derzeitigen Niveau.

Können wir sagen, dass es zu 100 Prozent sicher ist? Nicht mit völliger Sicherheit, denn es könnte etwas geben, das wir noch nicht entdeckt haben.

Blicken wir auf Asbest und Rauchen zurück, gab es durchaus Anzeichen, Beweise, bei denen man misstrauisch werden sollte. Bei 5G gibt es keine solchen Anzeichen.

Wenn also gerade ein 5G-Mast in der Nähe Ihres Hauses aufgestellt wurde oder Sie den Kauf eines 5G-Telefons in Erwägung ziehen: Die Risiken sind nicht annähernd so schlimm, wie viele Gegner behaupten.

(PC-Welt)

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