Great Place to Work

Iteratec-Team sammelt 400 Urlaubstage im Solidaritätsfond

Karriere und Management in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit über 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Stefan Rauch, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Iteratec, informiert im monatlichen Videocall über die wirtschaftliche Situation. Freie Tage und Urlaubsspenden helfen bei gesteigerter Belastung im Homeoffice.

93 ITK-Unternehmen hat Great Place to Work in diesem Jahr als beste Arbeitgeber ausgezeichnet. So viele wie nie zuvor. Der Münchner IT-Dienstleister Iteratec mit über 380 Beschäftigten ist eines von ihnen.

Im Interview verrät Geschäftsführer Stefan Rauch, wie er und sein Team das Arbeiten in der Pandemie so organisiert, dass Härten abgefedert werden und alle trotz Distanz enger zusammenrücken konnten.
Im Interview verrät Geschäftsführer Stefan Rauch, wie er und sein Team das Arbeiten in der Pandemie so organisiert, dass Härten abgefedert werden und alle trotz Distanz enger zusammenrücken konnten.
Foto: Iteratec

Wie haben sich die Arbeitsbedingungen bei iteratec verändert?

Stefan Rauch: Zunächst haben wir allen Kolleginnen und Kollegen ab März 2020 eindringlich nahegelegt, nur noch von zu Hause zu arbeiten. Um ihnen zumindest annähernd normale Arbeitsbedingungen bereitzustellen, haben wir bei Bedarf Bürostühle, Monitore, Docking Stations etc. nach Hause geliefert. Seitdem arbeitet ein Großteil der Belegschaft remote, unsere Offices sind zu etwa zehn bis zwanzig Prozent belegt. In regelmäßigen Umfragen versuchen wir herauszufinden, welche Wünsche und Anforderungen unsere Kolleginnen und Kollegen an ihren Arbeitsplatz im Büro oder auch zu Hause in Zukunft haben und denken so auch bereits an die Zeit nach Corona.

Ausgleich im Homeoffice durch gemeinsame virtuelle Kaffeepausen

Wie organisieren Sie die Arbeit für diejenigen, die ins Office kommen?

Rauch: Wir erlauben es in Einklang mit den empfohlenen Hygieneregeln, weiter freiwillig in die Offices zu kommen. Uns ist bewusst, dass es viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, die etwa in einer WG wohnen, wo ihnen lediglich zehn bis 15 Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen, oder aber in einer Wohnung mit zwei oder drei Kindern im Homeschooling leben. In Anbetracht dieser Umstände, kann es für viele eine große Hilfe darstellen, ein oder zwei Tage pro Woche vor Ort in den Büros zu arbeiten. Um das möglichst einfach und vor allem sicher zu ermöglichen, haben wir mit "Towelly" eine Webapplikation entwickelt, über die man - in Anlehnung an das berühmte deutsche Handtuch auf der Liege - einen Arbeitsplatz für die Dauer ihrer Anwesenheit im Büro "reservieren" können.

Wie erhalten Sie Ihre Arbeits- und Teamkultur?

Rauch: Wir verfügten bereits vor der Pandemie über eine sehr gute Infrastruktur. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind es gewohnt, in Chats und Videokonferenzen standortübergreifend beziehungsweise mit den Kunden zusammenzuarbeiten. So konnten wir auch nach Ausbruch der Pandemie virtuell in Kontakt bleiben. Natürlich ist der ungezwungene Austausch in einer rein digitalen Arbeitsumgebung eingeschränkt. Dadurch ist es auch für Führungskräfte schwieriger, Stimmungen, Sorgen und Bedürfnisse zu erkennen. Wir versuchen das mit vielen zusätzlichen Angeboten auszugleichen. So gibt es organisierte Spieleabende, virtuelle Kaffeepausen, Sport- und Gymnastik-Pausen sowie Schulungen und vieles mehr.

Wie gehen Sie als Geschäftsführer mit der veränderten Situation um?

Rauch: Aus der Geschäftsleitung heraus versuchen wir möglichen Sorgen und Ängsten rund um die wirtschaftliche Situation und den Arbeitsplatz bewusst zu begegnen. Dafür haben wir ein monatliches Update per Videocall für alle ins Leben gerufen, in dem wir vollkommen transparent einen Überblick über die aktuellen Unternehmenskennzahlen und die Situation an den Standorten geben. Zudem haben wir Anfang März 2021 drei zusätzliche "Innovation Freitage" für März, April und Mai beschlossen. Das sind Tage, an denen wir nicht für unsere Kunden arbeiten, sondern alle einfach mal das machen können, worauf sie Lust haben. Das kann auch ein Tag "in der Hängematte" sein. Wir sehen das zum einen als ein großes Dankeschön an alle, zum anderen aber auch als einen Aufruf, immer auf sich zu achten und nicht zu "überpacen".

Wie reagierte das Iteratec-Team auf die gestiegenen Belastungen durch Homeoffice und Homeschooling?

Rauch: Gleichzeitig entwickelte sich aus dem Team heraus eine unglaubliche Solidarität. So entstand im April 2020 auf Initiative einzelner die Idee einer Urlaubsspende zugunsten von Kolleginnen und Kollegen, die wegen der zusätzlichen Betreuung ihrer Kinder einfach weniger arbeiten konnten. In dem eigens dafür gegründeten "Iteratec-Solidaritätsfonds" kamen auf diese Weise bereits über 400 gespendete Urlaubstage zusammen.

Auch künftig remote und hybrid arbeiten

Was wird aus den Zeiten der Pandemie bleiben?

Rauch: Bleiben wird unsere einzigartige Unternehmenskultur, mit Kolleginnen und Kollegen, die einander auch unter schwierigen Bedingungen vertrauen, einander helfen und gemeinsam etwas bewegen wollen. Es hat sich gerade im Jahr 2020 gezeigt, dass auch unser herausragendes Verhältnis zu unseren Kunden stabil bleibt beziehungsweise teilweise noch enger wird.

Positiv ändert sich für uns, dass wir eine noch bessere Vernetzung über unsere Standorte erreicht haben, da wir Teams nun auch regional stärker mischen. Aber auch unsere Büroräume und Arbeitsweisen werden sich definitiv ändern. Unsere Umfragen zeigen deutlich, dass sich unsere Kolleginnen und Kollegen über die Corona-Zeit hinaus einen größeren Anteil an remote Arbeit wünschen, aber gleichzeitig die meisten von ihnen auch weiter gerne an einigen Tagen in der Woche ins Büro kommen wollen.

Wie wird sich das Arbeiten nach Corona gestalten?

Rauch: Es wird viele hybride Meetings geben - auch im Kundenkontext. Dafür müssen wir in unseren Büroräumen künftig Möglichkeiten schaffen. Möglicherweise bewegen wir uns dabei neben klassischen Meeting-Räumen stärker in verschiedenen "Zonen", die individuell gestaltet sind und Raum für unterschiedliche Nutzungssituationen bieten: etwa eine offene Umgebung für bewussten Austausch und lautes Arbeiten, eine Bibliothek für stilles Arbeiten oder Räume für Projektteams, in denen nur Gespräche zum Projekt erlaubt sind. Wir werden das wie gewohnt mit unserem Team gemeinsam iterativ entwickeln und sehen der Zukunft deshalb entspannt und mit einer gewissen Vorfreude entgegen.

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