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Wertschöpfung mit Fitness-Trackern und Smartwatches

Mit Wearables Umsatz generieren

Marc Hirtz ist Geschäftsführer von Pitney Bowes und Vice President Continental Europe / Software Business. In dieser Rolle verantwortet er das Geschäft mit Customer Engagement, Location Intelligence und Customer Information Management-Lösungen in Westeuropa. Zuvor prägte er in unterschiedlichen Positionen die Unternehmensstrategie diverser Technologieunternehmen. Privat ist der Familienvater passionierter Segler, Surfer und Motorradfahrer.
Die Nachfrage nach Wearables wie Fitness-Tracker und Smartwatches ist groß, viele Geräte wandern aber schnell in die Schublade. Mithilfe intelligenter Datendienste lässt sich die Akzeptanz verbessern und die Wertschöpung steigern.

Wenn Sie einer der Millionen Menschen sind, die in Besitz eines Fitness-Trackers oder einer Smartwatch sind - Hand aufs Herz - nutzen Sie Ihr Gerät noch? Vermutlich ist es nicht um Ihr Handgelenk geschnallt, sondern ruht sanft zwischen Batterien, Schlüsseln und Glühbirnen in einer Kramschublade. In diesem Fall sind Sie nicht alleine: Laut einer Gartner-Studie geben 30 Prozent der Nutzer ihren Fitness-Tracker sowie 29 Prozent ihre Smartwatch schnell auf.

Unterschätzte Gadgets: Fitness-Tracker und Smartwatches können durch die von ihnen erfasssten Daten zur Goldgrube werden.
Unterschätzte Gadgets: Fitness-Tracker und Smartwatches können durch die von ihnen erfasssten Daten zur Goldgrube werden.
Foto: dolphfyn - shutterstock.com

Diese Zahlen sind überraschend hoch in Anbetracht zahlreicher Prognosen, die Wearables als "das nächste große Ding" betiteln. Woran liegt das? Verlieren wir das Interesse, funktionieren die Geräte nicht wie sie sollen oder sind sie im Alltag einfach untauglich? Was auch immer die Gründe sein mögen - im Vergleich zur Nutzungsrate ist die Abbruchrate relativ hoch. Und laut Angela McIntyre, Research Director bei Gartner, ist "der hohe Anteil von Anwendern, die ihre Geräte nicht mehr nutzen ein ernsthaftes Problem für die Branche."

Wearables in Form bringen - mit Daten

Der Großteil der Nutzer von Wearables besitzt auch ein Smartphone - und da liegt die Krux. Die Funktion der Wearables sollte einen klaren Mehrwert gegenüber den typischen Funktionen eines Smartphones bieten. Aber was kann ein Wearable, was ein Smartphone nicht kann? Wenn ein oder zwei Apps von der Laufstrecke bis zur Flüssigkeitsversorgung alles nachverfolgen können - warum sollte ich noch ein weiteres Gerät mit mir herumtragen?

Die Antwort findet sich in den Daten. Betrachten wir einmal Fitnessdaten als Beispiel: Die Menge der Informationen, die ein Wearable sammelt, ist beachtlich: Wie trainiert man, mit wem, wann, wo, wie intensiv, mit welchen Ergebnissen, mit welchem Ziel?

Wenn Unternehmen auch nur einen Teil dieser Daten gezielt und sicher verwenden würden, könnten sie dem ganzen Markt zu neuem Schwung verhelfen, denn diese Daten könnten vermarktet und gewinnbringend eingesetzt werden. Entscheidend für den Verbraucher ist dabei, dass ihnen hochpersonalisierte Angebote bereitgestellt werden können.

Die vom Anwender generierten Daten sind nur der Anfang: Wenn sie in Kontext gebracht werden, etwa mit Erkenntnissen zu Beziehungen und Standort, dann bietet das völlig neue Umsatzmöglichkeiten. Fitnessinformationen könnten beispielsweise auf folgende Fragen hin untersucht werden:

  • Bevorzugt der Anwender es, drinnen oder draußen zu trainieren?

  • Bei welchem Wetter trainiert der Anwender am liebsten?

  • Welche Kleidung trägt er oder sie dabei am liebsten?

  • Wer aus der Umgebung teilt seine Trainingsgewohnheiten?

  • Mit welcher Ernährung erzielen Anwender die besten Ergebnisse?

  • Wie oft aktualisieren sie ihre Geräte - und weshalb?

  • Welche Werbeanzeigen liegen auf ihrer Fitness-Route?

  • Welche In-App-Käufe interessieren sie voraussichtlich am meisten?

Personal Coach am Handgelenk

So werden aus Rohdaten Erkenntnis gewonnen und das Wearable zu einer mächtigen Plattform: Der Anwender erhält ein Gerät, das neue Möglichkeiten bietet, kooperativer ist und sich insgesamt mehr mit den Bedürfnissen des Trägers auseinandersetzt. Aus Ernährungsinformationen, Geschmacksvorlieben und Nährwertdaten wird ein Profil erstellt, das dem Anwender personalisierte Rezepte und Einkaufslisten zur Verfügung stellt.

Motivierende Nachrichten können automatisiert gesendet werden, wenn die Person sie am wahrscheinlichsten benötigt. Über standortbasierte Benachrichtigungen werden lokale Gruppen in der Nähe erreicht, beispielsweise Lauftreffs, die einen Läufer am Ende seines Trainingsprogramms noch einmal motivieren können.

Einem Nutzer können Sonderangebote zu Sportmode auf sein Gerät gesendet werden, basierend auf seinen bevorzugten Sportarten. Schon bald werden die Wearable-Muffel weniger und die Nutzerakzeptanz wird steigen. Die Geräte werden sich zu einem virtuellen Personal Trainer und Lifestyle-Guru entwickeln. Sie werden - wie das Smartphone mittlerweile - zu einer Erweiterung der eigenen Person. Und für Unternehmen ein Zugang zu neuen Einnahmequellen.

Goldgräberstimmung unter Infonomics-Experten

Gartner nennt diesen Ansatz "Infonomics". Die Analysten schätzen, dass bis 2021 Wertschöpfung oder Umsatzgenerierung die Top-Priorität von 80 Prozent der erfolgreichen Chief Data Officers sein werden - eine Steigerung um 30 Prozentpunkte im Vergleich zu 2016.

Jetzt müssen sich nur noch die Anwender dazu bereit erklären, ihre Daten weiterzugeben. Und trotz einer skeptischen Grundstimmung hierzulande stehen die Zeichen dafür gar nicht schlecht. Denn anhand dieser Wearable-Daten können Unternehmen für beide Seiten einen Mehrwert generieren - eine Hand wäscht die andere.

An diesem Punkt müssen Unternehmen schließlich schnell handeln und diese Goldgrube an Informationen optimal im Sinne des Kunden ausschöpfen. Ansonsten könnte es ihnen ergehen wie alten Wearables und sie werden - sinnbildlich - in die Schublade gepackt und vergessen. (haf)