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Weiterbildung und Skills

Mitarbeiter ignorieren digitalen Change

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Eine Mehrheit der Mitarbeiter sieht keine Notwendigkeit, eine Weiterqualifizierung mitzumachen. Digitalisierung betrifft immer nur die anderen. Und Unternehmen versäumen es, ein Pool mit flexiblen Mitarbeitern aufzubauen. Deloitte untersucht, wie sich Führungskräfte und Belegschaft auf die Zukunft der Arbeit einstellen müssen.
 
  • In den vergangenen fünf Jahren haben erst 38 Prozent der Mitarbeiter die Erfahrung gemacht, dass Robotics und Automation Teile ihrer Arbeit übernommen haben
  • Unabhängig vom Alter gilt Training on the job als die Methode, nach der Erwerbstätige am liebsten lernen
  • "Portfolio Career" nennt sich der Mix aus Festanstellung, mal in Teil- und mal in Vollzeit, und Phasen freiberuflichen Arbeitens, der Unternehmen künftig einen flexiblen Talent-Pool bieten wird

Erwerbstätigen ist klar, dass sich die Anforderungen im Job grundsätzlich ändern - aber sie beziehen das nicht auf sich selbst und qualifizieren sich daher nicht weiter. Unternehmen müssen einen Pool an externen Arbeitskräften aufbauen, gehen das aber nicht konsequent an. So lässt sich die Studie "Voice of the workforce in europe" von Deloitte zusammenfassen.

Die Grundlagen-Skills in puncto IT stimmen bei 57 der Befragten nach eigener Einschätzung.
Die Grundlagen-Skills in puncto IT stimmen bei 57 der Befragten nach eigener Einschätzung.
Foto: Deloitte

Zwei Megatrends prägen die Entwicklung, nämlich die Überalterung der Gesellschaft und der technologische Wandel hin zu Künstlicher Intelligenz (KI), Robotics und Automatisierung. Den rund 15.000 Studienteilnehmern aus zehn europäischen Ländern scheinen die Konsequenzen dessen noch nicht voll bewusst zu sein.

In Bezug auf den technologischen Change heißt das: In den vergangenen fünf Jahren haben erst 38 Prozent der Mitarbeiter die Erfahrung gemacht, dass Robotics und Automation Teile ihrer Arbeit übernommen haben. In der aktuellen Umfrage erklären denn auch 74 Prozent der Studienteilnehmer, in ihrem eigenen Arbeitsumfeld werde es in den kommenden zehn Jahren, wenn überhaupt, nur langsam kleine Veränderungen geben.

Welche Skills Mitarbeiter für wichtig halten

Deloitte hat erfragt, welche Skills Mitarbeiter als wichtig erachten und wie kompetent sie sich darin fühlen. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich "bewandert" in Basic-IT und Teamwork Skills (je 57 Prozent der Nennungen) sowie im Problem-Lösen (52 Prozent). Dahinter rangieren kommunikative Skills (48 Prozent) und Lernfähigkeit (41 Prozent). Am unteren Ende der Skala liegen technisches Wissen (28 Prozent), Fremdsprachen (23 Prozent) und fortgeschrittene IT-Kenntnisse (21 Prozent).

Wer sich bisher nicht um die eigene Weiterqualifizierung gekümmert hat, begründet das mit der fehlenden Notwendigkeit (57 Prozent) oder mit fehlender Zeit (21 Prozent). Deloitte hat an dieser Stelle genauer nachgehakt. Es zeigt sich, dass die Studienteilnehmer mit dem Lernen folgende Schwierigkeiten haben: Niemand sagt ihnen, was sie lernen sollen, das Arbeitsumfeld unterstützt sie nicht oder sie kommen mit der angebotenen Lehrmethode nicht zurecht. Weitere Probleme: die Themen, in denen sie sich fortbilden sollen, interessieren sie nicht oder sie lernen an sich ungern. Mancher will auch nicht zugeben, dass er Wissenslücken hat.

Training on the job und in kleinen Gruppen lernen

Auf die Frage, nach welcher Methode sie am liebsten lernen, nennen die Studienteilnehmer zwei Spitzenreiter: das Training on the job (je nach Alter der Befragten zwischen 77 und 79 Prozent Zustimmung) und das Bearbeiten neuer Aufgaben in kleinen Gruppen (68 bis 70 Prozent).

Am liebsten lernen Erwerbstätige beim Training on the job, da unterscheiden sich Ältere nicht von Jüngeren.
Am liebsten lernen Erwerbstätige beim Training on the job, da unterscheiden sich Ältere nicht von Jüngeren.
Foto: Deloitte

Bei den weiteren Lern-Möglichkeiten zeigen sich teilweise erhebliche Abweichungen zwischen den Altersgruppen. Präsenz-Kurse und Seminare schätzen 66 Prozent der unter 35-Jährigen, aber nur 56 Prozent der Generation 55 Plus. Es folgen Job-Rotation (54 Prozent/40 Prozent), offene Online-Kurse (50 Prozent/28 Prozent), Bücher und anderer Lesestoff (45 Prozent/35 Prozent) sowie Online-Videos (46 Prozent/26 Prozent) und Lern-Apps auf dem Handheld (43 Prozent/21 Prozent).

Ein weiterer Aspekt der Studie bezieht sich auf die Motivation der Belegschaft. Deloitte appelliert an Entscheider, das Potenzial älterer Arbeitnehmer nicht zu unterschätzen. Sie seien heute gesünder als Gleichaltrige in früheren Zeiten. Vor allem sind sie bereit, beispielsweise auch nach Erreichen des Rentenalters noch zeitweise zu arbeiten, ob in Teil- oder Vollzeit.

Portfolio Career wird zunehmen

Damit könnten Unternehmen einen Pool an flexibleren Mitarbeitern aufbauen. Deloitte rechnet aber auch damit, dass jüngere Erwerbstätige während ihres Arbeitslebens flexibler sein werden, das heißt, dass sie mal freiberuflich, mal fest in Teilzeit und mal fest in Vollzeit tätig sein werden. Deloitte nennt das "Portfolio career".

Was Mitarbeitern bei der Arbeit wichtig ist

Bei der Frage, was sich Erwerbstätige wünschen, liegen noch immer ein sicherer Arbeitsplatz und das gute Gehalt vorne. Deloitte hat auch nach den immateriellen Faktoren gefragt. Hier zeigen sich wiederum altersspezifische Unterschiede: Insbesondere den Älteren ist es wichtig, im Job als vertrauenswürdiger Kollege zu gelten. Außerdem wollen sie, dass Kompetenzen klar zugeordnet sind, und, dass sie mit einer kompetenten Führungskraft zusammenarbeiten. Jüngeren sind Entwicklungsmöglichkeiten wichtiger.

Nicht zuletzt wendet sich Deloitte auch an die Entscheidungsträger in der Politik. Wenn Unternehmen künftig mehr mit Externen arbeiten, und wenn Erwerbstätige "unregelmäßigere" Berufswege verfolgen als traditionell gewohnt, brauchen Unternehmen und Einzelne die richtigen Strukturen dafür. Das heißt: Sozialversicherungen und Rentensysteme müssen verändert werden.