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Oracle präsentierte Internet-PC-Prototyp

15.03.1996
MÜNCHEN: Der amerikanische Datenbankspezialist Oracle sucht sein Heil im Internet: Er will ein Internet-Terminal auf den Markt bringen, das unter 300 Dollar kosten soll. Dieses Terminal, Network Computer (NC) genannt, verzichtet auf interne Speicherbauteile und holt sich die Programme, die es braucht, aus dem Netz. Hat der NC eine Chance?Ende November letzten Jahres geriet der Stein ins Rollen. Der oberste IBM-Chef Louis Gerstner ließ sich auf der Comdex in Las Vegas dazu hinreißen, in die Zukunft des PCs zu schauen. Und was sah er dort? Er erblickte einen zweigeteilten Markt.

MÜNCHEN: Der amerikanische Datenbankspezialist Oracle sucht sein Heil im Internet: Er will ein Internet-Terminal auf den Markt bringen, das unter 300 Dollar kosten soll. Dieses Terminal, Network Computer (NC) genannt, verzichtet auf interne Speicherbauteile und holt sich die Programme, die es braucht, aus dem Netz. Hat der NC eine Chance?Ende November letzten Jahres geriet der Stein ins Rollen. Der oberste IBM-Chef Louis Gerstner ließ sich auf der Comdex in Las Vegas dazu hinreißen, in die Zukunft des PCs zu schauen. Und was sah er dort? Er erblickte einen zweigeteilten Markt.

Auf der einen Seite befinden sich die herkömmlichen Personalcomputer, erweitert um diversen Multimedia-Schnickschnack wie Lautsprecher, Soundkarte, MPEG-Board, Mikrofon und Kamera. Diese PCs dienen als High-end-Kommunikations- und Arbeitswerkzeug und steuern gleichzeitig eine ganze Reihe von Funktionen im Haushalt. Die Preisregion, in der diese Rechner liegen sollen, fängt bei 1.500 Dollar an und ist nach oben offen. "Das", so Gerstner, "ist zu teuer für den Normalverbraucher.

Andererseits will keiner am Informationhighway vorbeileben. Was wir brauchen, ist ein einfaches Terminal, mit dem man sich Zugang zu den Online-Diensten und zum World Wide Web verschaffen kann und das weniger als 500 Dollar kostet." Womit er die zweite Seite des geteilten Marktes beschrieb.

Oracle-Boss Larry Ellison stimmte am darauffolgenden Tag in das Konzert mit ein: "Wir werden im nächsten Jahr einen NC auf den Markt bringen", gab er sich angriffslustig. Drei Monate später präsentierte er bereits den ersten Prototyp.

Insgesamt gibt es bereits vier verschiedene Prototypen eines NC.

Verschiedene Ansätze werden verfolgt

Den Anfang machte im Januar ein amerikanisches Unternehmen namens ViewCall. Auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas, der Messe, nach deren Vorbild die Deutsche Messegesellschaft in Hannover die CeBIT-Home konzipierte, zeigte das Unternehmen den Webster.

Es handelt sich hierbei letztlich um eine Set-Top-Box, also ein Gerät, das an den Fernseher angeschlossen wird. Die Steuerung des Webster erfolgt per Fernbedienung. Einziges funktionales Ziel dieses Geräts ist Surfen im Internet. Der vorraussichtliche Marktpreis liegt bei 300 Dollar.

Über ähnliche Lösungsansätze denken derzeit auch namhafte Hersteller aus der Unterhaltungselektronik nach.

Sony plant beispielsweise, eine multifunktionale Wohnzimmerkonsole auf den Markt zu bringen. Dieses Gerät, das aus Spielekonsolen weiterentwickelt wird, soll erstens als universeller CD-Player im Wohnzimmer dienen, zweitens Videospiele ermöglichen und drittens den Web-Zugang realisieren. Analog zu dieser Idee hat Apple seine Universalkonsole Pippin entwickelt. Die Kombination aus Apples QuickTime-Technologie und dem Power-Prozessor als Hardwareplatttform erscheint vielversprechend.

Den ersten echten NC präsentierte Sun Anfang Februar. Das Gerät ist mit 16 MB RAM-Speicher ausgestattet, verzichtet sowohl auf Festplatte wie auf Diskettenlaufwerk und besitzt genau eine serielle und eine parallele Schnittstelle. Im Herzen des Systems pulsiert allerdings ein SPARC-Risc-Prozessor.

Das ist der Leistung zwar förderlich, dem Preis dagegen äußerst abträglich. Fazit: Der Sun-NC war nicht mehr als ein Marketinggag. Eine Produktion für 500 Dollar erscheint unmöglich.

Der Oracle-NC

Am 27. Februar 1996 war es dann schließlich soweit. Oracle-Boss Ellison enthüllte auf der Oracle Developers Conference in San Francisco den ersten echten NC. Ausgestattet mit dem 75-MHz-Pentium von Intel, acht MB DRAM und einem PCCard-Slot (früher PCMCIA), läßt sich dieser Rechner für 295 Dollar assemblieren. Der Zielpreis 500 Dollar kann mit einem preiswerten Monitor erreicht werden. Die PCCard-Technik gewährleistet die Modularität des Systems. An den Slot lassen sich Modems für Analogleitungen und ISDN anschließen, Speicherbausteine implementieren und auch Peripheriekomponenten in das System einbinden. Ellison begleitete sein jüngstes Baby mit markigen Worten: "Im Jahr 2000 werden weltweit mehr NCs verkauft werden als PCs." Der offizielle Verkauf wird voraussichtlich im September beginnen. Fünf Varianten sind geplant: der Basis-NC für Unternehmen, der Laptop-NC, eine Set-Top-Box, ein Telefon-NC und ein Internet-NC.

Der große Vorteil dieser Technologie liegt in der Software. Es gibt keine Pull-down-Menüs oder überlappende Fenster mehr. Alles ähnelt vielmehr der Oberfläche auf einer CD-ROM. Der Seitenhieb auf Microsoft war bei den Ausführungen des Oracle-Chefs nicht zu überhören.

Eine Herausforderung für Microsoft

Vordergründig spielt Microsoft in diesem Bühnenstück keine Rolle, und das verleitet viele dazu zu hoffen, das Internet würde die Vorherrschaft von MS brechen.

Allerdings agiert die Gates-Company bereits massiv als Kulissenschieber im Web. Ein Großteil der neuinstallierten Web-Server läuft unter Windows NT, und auch zahlreiche Unternehmen benutzen NT für ihre Hausnetze.

Anders sieht das beim User aus. Die Software-Techniken, die die NC-Idee ermöglichten, heißen Client-Server-Computing und Objektorientierung. Während das Client-Server-Computing für eine optimale Abstimmung zwischen Netzwerkrechner und Terminal zuständig ist, sorgt die Objektorientierung für möglichst kleine Datenpakete, die zu übertragen sind, damit der Transport nicht zu lange

dauert.

Herausforderung für Microsoft

Die herausragende Innovation in diesem Bereich heißt Java. Diese von Sun entwickelte Programmiersprache erzeugt winzige Programme, die zum Beispiel an Dokumente einfach angehängt werden können. Java greift immer wieder auf die gleichen Programmteile, sogenannte Klassen zurück, die wie in einem Baukasten angeordnet sind. Auf dem User-PC kommt nur das an, was der User braucht.

Hier entsteht tatsächlich eine neue Herausforderung für Microsoft. Eine Legion von Programmierern weltweit hat sich die Entwicklerwerkzeuge von der Sun-Homepage auf den eigenen PC geladen und programmiert mehr oder weniger gute Anwendungen.

Das beschränkt sich längst nicht mehr auf kleine Animationen oder Nachrichtenticker, sondern hier geht es inzwischen um alle Bereiche der Softwareprogrammierung. Oracle selbst ist nach eigenen Angaben dabei, eine Office-Suite zu entwickeln, die auf Java basiert. Die anvisierte Größe des Programms liegt bei 200 KB.

Der NC und der Handel

Mancher Händler, der in den letzten Jahren vom Preiskampf gebeutelt wurde, schlägt bei Preisen zwischen 300 und 500 Dollar die Hände über dem Kopf zusammen, weil er weitere Margenverluste befürchtet. Das muß nicht sein. Zunächst visiert die Industrie einen sehr breiten Massenmarkt an. Sollte dieser erreicht werden, sprechen wir von Stückzahlen, die bisher nur in der Unterhaltungsindustrie realisiert werden.

Skepsis muß überwunden werden

In diesem Markt ist die PC-Erfahrung im Durchschnitt um ein Vielfaches niedriger als im heutigen PC-Markt. Damit steigt proportional der Erklärungs- und auch der Dienstleistungsbedarf. Die richtige Rechnerkonfiguration für die individuellen Ansprüche muß schließlich gefunden werden. Des weiteren nehmen mehr Kunden Reparatur und Wartung in Anspruch. Und drittens kann der NC Marktbarrieren und Skepsis beim Endkunden überwinden und somit eine Aufreißerfunktion erfüllen. Kunden, die bisher Angst vor Computern haben, begeben sich mit Sicherheit zuerst in die Obhut eines Fachhändlers, bevor sie sich in anonyme Cash-Carry-Märkte stürzen. (pu)