Schlechte Zahlen

Schwere Zeiten für Hewlett-Packard

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Die Geschäftsergebnisse von Hewlett-Packard für das Ende Oktober abgelaufene Geschäftsjahr sowie für das vierte Quartal sind alles andere als rosig: Sowohl Umsatz als auch Gewinn sind erheblich zurück gegangen.
Laut HP-Chefin Meg Whitman kann ihr Unternehmen erst 2016 wieder so schnell wie die US-Wirtschaft wachsen.
Laut HP-Chefin Meg Whitman kann ihr Unternehmen erst 2016 wieder so schnell wie die US-Wirtschaft wachsen.

Die Geschäftsergebnisse von Hewlett-Packard für das Ende Oktober abgelaufene Geschäftsjahr sowie für das vierte Quartal sind alles andere als rosig: Sowohl Umsatz als auch Gewinn sind erheblich zurückgegangen.

Während der IT-Konzern 2011 noch 127 Milliarden Dollar umgesetzt hat, waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr nur noch 120 Milliarden. Dies entspricht einem Rückgang von rund fünf Prozent. Im Q4 ist der Abwärtstrend noch deutlicher: Mit 30 Milliarden wurden sieben Prozent weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum realisiert.

Ein noch vom deutschen Konzernchef Leo Apotheker eingefädelter Zukauf entpuppt sich für Hewlett-Packard dabei als Milliardengrab: Wegen erst jetzt entdeckter "ernsthafter Unregelmäßigkeiten" und "massiver Ungenauigkeiten" in der Bilanzierung des Software-Unternehmens Autonomy schreibt der US-Computerkonzern 8,8 Milliarden US-Dollar in den Wind. Damit löst sich fast der komplette Kaufpreis von damals rund 10 Milliarden Dollar in heiße Luft auf.

Durch die Abschreibung liege der Verlust im vierten Geschäftsquartal (August bis Oktober) bei unterm Strich 6,9 Milliarden Dollar teilt überraschend mit. Üblicherweise legen Firmen von der US-Westküste ihre Bilanzen erst nach Börsenschluss in New York vor und damit nachts deutscher Zeit. Im Vorjahreszeitraum hatte HP auch nur 239 Millionen Dollar verdient. Der Kurs brach vorbörslich um 11 Prozent ein.

Apotheker-Altlasten

Hewlett-Packard hatte den Zukauf von Autonomy im August 2011 verkündet. Der damalige Chef Apotheker wollte die Ausrichtung des Technologie-Urgesteins von Hardware zu Software ändern. Er stieß damit aber bei Aktionären und im eigenen Haus auf wenig Gegenliebe. Der Kurs brach ein. Nur wenige Wochen später wurde Apotheker gefeuert und die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman übernahm im September 2011 das Ruder. Bereits im Vorquartal musste sie unter anderem wegen schwacher PC-Verkäufe einen Verlust von 8,9 Milliarden Dollar verkünden.

Im vierten Quartal hat insbesondere der Umsatz der PC-Sparte gelitten: Hier beträgt der Rückgang 14 Prozent. Ebenfalls 14 Prozent verliert das Software-Business. Auch der Umsatz mit Enterprise Server, Storage und Networking (ESSN) ist um neun Prozentpunkte rückläufig. Die Service-Sparte verliert sechs Prozent. Etwas glimpflicher kommt das Druckergeschäft mit minus fünf Prozent weg. Einzig HP Financial Services steigert sich um ein Prozent.

Meg Whitman erwartet Durststrecke

So stellt sich HP auf eine jahrelange Durststrecke ein. Erst zum Jahr 2016 werde das Unternehmen wieder so schnell wie die US-Wirtschaft wachsen, kündigt Konzernchefin Meg Whitman an. Immerhin soll dann das operative Ergebnis schneller als der Umsatz zulegen und die Rendite in der Spitzengruppe in der Branche liegen.

Der Umbau dauere länger als geplant, räumt Whitman ein. Das Umfeld bleibe weiterhin sehr schwierig. Für das im November beginnende Geschäftsjahr 2013 stellte sie einen Gewinn pro Aktie von 2,10 bis 2,30 Dollar in Aussicht. Wie sehr damit die Erwartungen des Marktes verfehlt werden, zeigt sich bei der um einige Positionen bereinigten Prognose: HP rechnet auf dieser Basis mit 3,40 bis 3,60 Dollar pro Aktie, Analysten rechneten bisher im Schnitt mit 4,16 Dollar. Im nächsten Jahr werde es um "Reparaturen und Wiederaufbau" gehen, stellt Whitman fest. Sie will in den kommenden zwei Jahren 29.000 Arbeitsplätze streichen. (dpa/awe)

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