Siemens: KPMG findet auch zweifelhafte Geschäfte in der Mobilfunksparte

29.01.2007
Nach der Com-Sparte könnte nun auch die Mobilfunksparte (ICM) mit dubiosen Verträgen und nicht ausgewiesenen Zahlungen agiert haben.

Es lag angesichts der zum Teil identischen Kunden auf der Hand: Die Schmiergeldaffäre zieht bei dem Münchener Konzern Siemens weitere Kreise. Nach der Com-Sparte könnte nun auch die Mobilfunksparte (ICM) mit dubiosen Verträgen und nicht ausgewiesenen Zahlungen agiert haben. Die beiden Abteilungen, die einst getrennt als "ICM" (Information and Communications Mobile) und "ICN" (Information and Communications Network) firmierten, wurden im Oktober 2004 zur "Com" zusammengelegt.

Wirtschaftsprüfer KPMG, so berichtet der "Spiegel", habe in einem vertraulichen Bericht handfeste Hinweise dafür gefunden, dass auch die Mobilfunksparte über Jahre hinweg mit dubiosen Beraterverträgen agierte.

In dem Bericht vom 9. November 2006 listet die KPMG minutiös aus ihrer Sicht dubiose Zahlungen an externe Berater des Kommunikationsbereichs (Com) auf. Nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer bestehe der Verdacht, Siemens könnte sich dadurch bei Aufträgen im Ausland einen Vorteil verschafft haben. Weder der Wirtschaftsprüfer noch Siemens wollten den Bericht kommentieren.

So flossen rund 1,7 Millionen Euro zwischen dem 27. Oktober 2005 und dem 24. Februar 2006 aus ICM-Kassen an die (am 29.05.2006 liqidierte) Schweizer Siemens-Tochter Intercom Telecommunication Systems. Diese Firma werde verdächtigt, als "Waschmaschine" für Schmiergeldzahlungen fungiert zu haben.

Des Weiteren wurden dem Bericht zufolge für Beraterverträge mehrere Millionen an Firmen in China gezahlt, die Empfänger oder Leistungen seien jedoch nicht zu identifizieren. Die Beraterverträge sollen weit in die achtziger Jahre zurückreichen.

Dass das System der schwarzen Kassen keineswegs auf die Com-Abteilung beschränkt war, zeigt der Bericht anhand des Geschäftsbereichs Anlagenbau auf. Auch hier habe Siemens Beraterhonorare an zwei Briefkastenfirmen in Liechtenstein gezahlt. Zudem ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Manager der Abteilung Kraftwerkstechnik.

Insgesamt listet die KPMG über zirka 20 Empfänger von Zahlungen auf; explizit werden die Länder China, Indonesien, Arabische Emirate, Sudan und die Türkei genannt.

Angesichts dieses Berichtes steht fest: Die Krisenmanager bei Siemens haben auch diese Woche viel zu tun. (wl)

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