Sybase: Miese in den USA, Profite in Deutschland

03.06.1998

DÜSSELDORF: Sybase Inc. in den USA muß hohe Verluste wegstecken und entläßt weltweit rund ein Zehntel seiner Belegschaft. In der Düsseldorfer Niederlassung des Softwareherstellers nimmt man's gelassen: Hier gibt's keine Probleme.

Sybase-Geschäftsführer Dr. Jürgen Müller könnte sich eigentlich entspannt zurücklehnen: Das Geschäftsjahr 1997 verlief erfolgreich, das Unternehmen konnte "signifikanten Gewinn" erwirtschaften. Die Zusammenarbeit mit den Vertriebspartnern wie Actebis, ADN und Ingram läuft dem Vernehmen nach problemlos. Auch im Großkundengeschäft, das Sybase direkt bedient, war 1997 alles eitel Sonnenschein. "Wir waren besonders erfolgreich in den Branchen Finanzdienstleistungen und Telekommunikation", vermeldet Müller stolz. "In diesen Bereichen konnten wir Großaufträge gewinnen, zum Beispiel Deutsche Telekom, Mannesmann Mobilfunk, Commerzbank und WestLB." Der Anbieter von Lösungen für Data Warehouse, Mobile Computing und Internet-Solutions will deshalb auch im laufenden Geschäftsjahr seine Schwerpunkte beibehalten. Dazu benötigt er seinen Mitarbeiterstamm von rund 132 Leuten in der Düsseldorfer Zentrale und den Niederlassungen in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und München.

Deshalb sorgten Verlautbarungen aus der US-Presse für einige Unruhe bei den Partnern der Düsseldorfer: Aufgrund eines Nettoverlustes von immerhin 55,4 Millionen Dollar wolle Sybase Inc. weltweit 600 Mitarbeiter entlassen. Michael Jordan, Leiter Marketing und Kommunikation bei Sybase, korrigiert die Aussage. Die Zahlen träfen zwar zu - sowohl die Verlusthöhe als auch die Anzahl der Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen. Aber: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", versichert er gegenüber ComputerPartner. "Die Verlustzahlen aus den USA basieren auf einer bösen Überraschung aus Fernost. Eigentlich hatten wir einen Gewinn erwartet, doch gab es durch Buchungsmißverständnisse in der Zentrale in Japan unvorhergesehenerweise Verluste. Und was die Entlassungen betrifft: Sie sind Teil von internationalen Umstrukturierungsmaßnahmen und waren schon lange geplant."

Auch in Europa flatterte einigen Angestellten die Kündigung ins Haus. In Deutschland ist noch nicht ganz klar, wer gehen muß. "Drei Leute", heißt es aus dem Unternehmen. Man hoffe allerdings, so ein Unternehmenssprecher, daß keine Entlassung ausgesprochen werden müsse, sondern daß sich durch Pensionierung oder Kündigung der Mitarbeiterstamm von selber reguliere. (du)

Sybase-Geschäftsführer Dr. Jürgen Müller hat in Deutschland einen guten Job gemacht.