Erinnern Sie sich noch?

19 IT-Produkte, die nicht aussterben wollen

03.05.2011
Von Ruwen Schwerin

MS-DOS, dBase & Netscape

MS-DOS

MS-DOS
MS-DOS

Was es war: Das Betriebssystem, dass den berühmten ersten IBM-PC seit 1998 ausstattete. Danach viele andere Personal Computer. Schließlich dann einen Großteil der Computer auf diesem Planeten.

Was passierte: Es gibt eine einfache Antwort. Windows 95, die erste Windows-Version die DOS nicht benötigte, machte es DOS überflüssig. Theoretisch, denn es gab viele Computernutzer die DOS und DOS-Anwendungen noch viele Jahre nach dem Erscheinen von Windows 95 weiterbenutzten. Es gibt aber auch eine umsichtigere Antwort: In dem Moment als der Mac die grafische Benutzeroberfläche zu einem Massenprodukt machte, 1985, kam der Anfang vom Ende für das eintönige und restlos textbasierte DOS.

Aktuelle Situation: DOS will nicht sterben. Es gibt tatsächlich noch immer Zeitgenossen, die es benutzen. Nach dem Motto, dass man etwas nicht zu ändern braucht, wenn es nur funktioniert. Letztlich ist DOS auch das Vorbild für FreeDOS, einem Open-Source-Projekt mit einer recht großen Community. Außerdem verkauft Microsoft DOS 6.22 noch immer in Volumen-Lizenzen. Wieso sollte Microsoft das tun, wenn es niemand mehr brauchen würde?

dBASE

dBase
dBase

Was sie war: Die vorherrschende Datenbank-Applikation (Datenbankmanagementsystem, DBMS) für Mikrocomputer seit sie 1980 erschien. Durch sie wurde ein Quasistandard geschaffen, der bis heute wirkt. In der damaligen Zeit war der Name des Herstellerunternehmens Ashton-Tate in der Softwareszene bekannter als Microsoft.

Was passierte: Mit dBASE IV begann der Niedergang von Ashton-Tate. Das erste Release erschien überhastet im Oktober 1988, wies viele Fehler auf und hatte mit Geschwindigkeitsproblemen zu kämpfen. Es wurde nicht schnell genug reagiert. Außerdem wurde viel Zeit und Energie dafür verwendet, mit Klagen gegen Konkurrenten vorzugehen anstatt sich mehr auf die Entwicklung der eigenen Produkte zu konzentrieren. 1991 kaufte Borland Ashton-Tate für 439 Millionen Dollar und übernahm das Sorgenkind dBase ohne an die alten Erfolge anknüpfen zu können. 1992 veröffentliche Microsoft schließlich Access und es wäre zu erwarten gewesen, dass deshalb auch ohne den Misserfolg von dBase IV harte Zeiten angebrochen wären. Immerhin war dBase auf dem Markt lange bevor man den Namen Access auch nur erahnen konnte.

Aktuelle Situation: 1999 wurde dBase wieder verkauft und der neue Eigentümer DataBase Intelligence vermarktet es noch bis heute. (Jetzt nennt es sich dBase Plus, als wenn man dBase IV nicht mehr heraufbeschwören möchte). Die Firmen-Newsgroups sind sehr aktiv und man merkt, dass dBase noch immer von wenigen spezialisierten Unternehmen intensiv genutzt wird. Immerhin.

Netscape

Netscape
Netscape

Was es war: Einst der führende Browser (bekannt als Netscape Navigator) und ein Unternehmen, dass seit 1994 das Internet und die Online-Welt prägend mitgestaltete.

Was passierte: Es war Microsoft. Die Zuständigen entschieden sich dafür, den Browser aus dem eigenen Hause, den Internet Explorer, standardmäßig mit dem bereits so verbreiteten Betriebssystem Windows auszuliefern. Selbstverständlich kostenlos. In kurzer Zeit war die Position von Netscape gebrochen und nur noch sehr wenige Anwender nutzten den Netscape Navigator. Das Unternehmen versuchte sich in anderen Gebieten und wurde 1998 an AOL verkauft. AOL hatte so wenig Interesse an dem gekauften Browser, dass es selbst den Internet Explorer auslieferte. 2007 entschied sich AOL schließlich, den Stecker ganz zu ziehen.

Aktuelle Situation: Wenn Sie ein Optimist sind, konzentrieren Sie sich auf diese Fakten: Firefox, der auf Mozilla-Code basiert, ursprünglich einer Open-Source-Version von Netscape, hat großen Erfolg. Aber der Name Netscape ist nicht mehr das was er mal war, wozu AOL kräftig beigetragen hat. Die Homepage ist mittlerweile eine Variante der AOL-Homepage, nur dass sich im Hintergrund das Netscape-Logo endlos wiederholt. Aber Firefox ist ja erfolgreich …

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