Inkompatible Entwicklungen

Android droht Versions-Chaos

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Weil Entwickler und Hersteller Veränderungen am Code nicht der Open-Source-Community bereitstellen müssen, droht eine Fragmentierung der Android-Plattform.

Von wenigstens acht bis neun Herstellern soll es noch in diesem Jahr an die 20 neue Android-Smartphones geben. Allerdings droht dabei die Entwicklung inkompatibler Varianten, also eine Fragmentierung. Dass Änderungen am Code nicht allgemein verfügbar gemacht werden müssen, "erlaubt Unternehmen, wertvolles geistiges Eigentum in ihre Android-Designs einfließen zu lassen, ohne dieses geistige Eigentum mit den anderen OHA-Mitgliedern teilen zu müssen", erklärt Chris Schreck, Analyst bei IMS Research. Dadurch könnten verschiedene Versionen der Plattform parallel existieren. "Die vielen OEMs, die Android-basierte Geräte angekündigt haben, haben einen Anreiz, ihr Produkt von der Konkurrenz abzuheben", sagt der Analyst. Genau das könnte letztendlich zu verschiedenen Plattform-Varianten führen.

Obwohl die Perspektiven für Android grundsätzlich gut sind - IMS Research erwartet, dass 2014 mehr als 43 Mio. Android-Geräte ausgeliefert werden - droht also Gefahr für Googles Plattform. Eine Fragmentierung würde zu Kompatibilitätsproblemen für Android-Applikationen führen, sodass die Kosten für die Weiterentwicklung letztendlich den einzelnen OEMs und Betreibern zufallen statt der OHA als Einheit, warnt IMS Research. Google und die OHA müssten das Fragmentierungs-Problem daher lösen, damit Android wirklich den prognostizierten Erfolg haben kann - denn erhöhte Entwicklungskosten würden den Wettbewerb mit anderen Open-Source-Plattformen erschweren.

Sollte Android tatsächlich Fragmentierungs-Probleme bekommen, könnte ein potenzieller Nutznießer die LiMo Foundation sein. Sie hat gestern, Dienstag, die Fertigstellung der Spezifikationen für den zweiten Release der Linux-basierten LiMo-Plattform bekannt gegeben. Er umfasst unter anderem die Unterstützung der Spezifikation BONDI, eine Entwicklung der Open Mobile Terminal Platform. Die Spezifikation ist explizit dazu gedacht, die Interoperabilität von Webanwendungen und Widgets zu fördern. Schon der erste Release der Limo-Plattform hatte es laut LiMo Foundation auf über 30 Smartphone-Modelle unter anderem von Motorola, Panasonic und NEC gebracht - zumindest in dieser Hinsicht hat die Android-Alternative also schon jetzt die Nase vorn. (pte/haf)