Computop-Gründer Ralf Gladis

"Das Bargeld wird verschwinden"

Heinrich Vaske ist Editorial Director a.D. von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO.
Deutsche Banken haben den E-Commerce nicht verstanden und mit der Auslagerung des Zahlungsverkehrs an spezialisierte Dienstleister einen großen Fehler gemacht, sagt Ralf Gladis, Mitgründer und CEO des Bamberger Payment Service Providers Computop. In diesem Business gewinne, wer den Kunden Komfort bieten könne.
 
  • Mit der Auslagerung des Zahlungsverkehrs haben die Banken sich um die Chance gebracht, mehr über Handelskunden zu erfahren
  • Es geht im Payment-Business nicht so sehr um um Sicherheit und Datenschutz wie um Komfort für die Kunden
  • Die Deutschen halten nur deshalb am Bargeld fest, weil die Banken ihnen hierzulande keine guten Alternativen bieten

Es war kein gutes Zeugnis, das Gladis den deutschen Banken ausstellte. Dabei hatte sich der Fintech-Gründer in die Höhle des Löwen begeben: Er sprach auf dem Bankenforum der Versicherungsgruppe "Die Bayerische", die diese Veranstaltung für Unternehmen der Kreditwirtschaft erstmals ausrichtete.

Alle reden beim mobilen Zahlen über Sicherheit und Datenschutz. Tatsächlich interessiert die meisten Konsumenten aber vor allem eines: Komfort. Das zumindest glaubt Ralf Gladis, Gründer und CEO des weltweit aktiven Payment-Dienstleisters Computop aus Bamberg.
Alle reden beim mobilen Zahlen über Sicherheit und Datenschutz. Tatsächlich interessiert die meisten Konsumenten aber vor allem eines: Komfort. Das zumindest glaubt Ralf Gladis, Gründer und CEO des weltweit aktiven Payment-Dienstleisters Computop aus Bamberg.
Foto: dennizn - shutterstock.com

"Die deutschen Banken haben jahrzehntelang das Thema E-Commerce vernachlässigt", bilanzierte der Computop-CEO und -Mitgründer. "Als ich vor zehn Jahren mit dem Geschäftsführer einer deutschen Bank sprach, bekam ich zu hören: 'E-Commerce, das ist so ein kleiner Markt, da können wir nicht so viel Geld investieren.' - Entschuldigung, aber dieser Geschäftsführer hatte nun wirklich keinen Weitblick", kritisierte Gladis.

Auslagerung des Geschäfts mit Kartenzahlungen war ein Fehler

Auf der Grundlage solch konservativen Denkens habe die deutsche Kreditwirtschaft den Fehler gemacht, das Zahlungsgeschäft im Kartenverkehr komplett an sogenannte Acquirer auszulagern - an Unternehmen wie Concardis, Elavon oder Wirecard also, die mit den Händlern Kreditkartenakzeptanz-Verträge unterzeichnen und ihnen so die Möglichkeit einräumen, Bezahlvorgänge via VISA-, MasterCard- oder American-Express-Karten abzuwickeln. Ausgerechnet in Zeiten, in denen der Internet-Handel aufblühte und Online- sowie mobiler Zahlungsverkehr auch über NFC-fähige Smartphones und Karten Fuß fasste, habe sich die Finanzwirtschaft entschieden, den Zahlungsverkehr Dritten zu überlassen.

"Die Banken verstehen nicht, wie ein Prozess von der Kasse oder dem POS-Terminal über das ERP-System bis hin zur Auslieferung und Zahlung auf den unterschiedlichen Kontinenten funktioniert", sagte Gladis. Damit hätten sie nicht nur Raum für Payment-Dienstleister geschaffen, sondern sich auch den Angriffen der großen Internet-Gesellschaften ausgesetzt. Amazon, Google, Alibaba und Paypal könnten ausgehend vom Zahlungsverkehr ihren Footprint im Bankengeschäft vergrößern.

Paypal nimmt sich immer mehr vom Kuchen

"Paypal hat zuerst den Zahlungsverkehr übernommen, jetzt finanzieren sie auch Einzelhändler", nannte Gladis ein Beispiel dafür, wie sich der Zahlungsdienstleister immer mehr vom Kuchen nimmt. Das sei nachvollziehbar, denn Paypal wisse eine Menge über den Handel. In manchen Branchen liefen über 30 Prozent aller Online-Zahlungen über Paypal. "Die kennen ihre Kunden so gut, dass sie sehr fundiert Finanzierungsentscheidungen treffen und damit den Banken das Geschäft wegnehmen können."

Gladis zeigte am Beispiel des Computop-Kunden SIXT wie komplex die globale Payment-Abwicklung geworden sei. Anhand einer Weltkarte verdeutlichte er, in wie vielen Ländern rund um den Globus der Autovermieter einen reibungslosen Zahlungsverkehr benötige. "Das kann im Moment keiner abbilden, auch wir konnten es nicht und mussten uns erst darauf vorbereiten", erklärte der Bamberger. In nahezu jedem Land sei SIXT mit unterschiedlichen Zahlungsverfahren konfrontiert. Globale Lösungen gebe es so gut wie gar nicht.

Während die großen Internet-Konzerne hier mit ihrer globalen Reichweite einen strategischen Vorteil hätten, müssten Anbieter wie Computop die Zusammenarbeit mit Dritten suchen. "Wir lösen dieses Problem im Falle SIXT, indem wir mit weltweit 70 Acquiring-Banken und vielen anderen Partnern zusammenarbeiten." Für den Erfolg in diesem Geschäft, seien Kooperationen in alle Richtungen überlebenswichtig.

Warum hielt Gladis, der Computop 1997 gründete und mit Niederlassungen in New York, Shanghai und London zu einem der führenden Payment-Dienstleister ausbaute, diesen Weckruf im Kreise der Banker für nötig? Weil aus seiner Sicht die Finanzinstitute nicht nur zu langsam und zu wenig international ausgerichtet sind, sondern auch strategisch die falschen Prioritäten setzen.

Entscheidend ist der Komfort für den Kunden

"Sicher, wenn man auf Umfragen hört, dann scheinen den Kunden Themen wie Sicherheit oder Datenschutz dramatisch wichtig zu sein", sagte Gladis. "De facto spielen sie aber eine untergeordnete Rolle, solange der Komfort stimmt." Am Ende wolle der Kunde sein Handy aus der Tasche nehmen, einen Button drücken und dann mit dem Produkt den Laden wieder verlassen. "Komfort ist der Treiber im Zahlungsverkehr." Weder der Payment-Dienstleister noch die Banken entschieden über die Zukunft des Zahlungsverkehrs, sondern allein die Kunden. "Wer das nicht versteht, bekommt ein Problem."

Computop zählt Unternehmen wie C&A, SIXT, OTTO, Fossil, Rewe und viele andere zu seinen Kunden. "Wir helfen 15.000 Händlern rund um den Globus an ihr Geld zu kommen", so der Gründer. Das Transaktionsvolumen, das über die Zahlungsplattform der Bamberger abgewickelt werde, belaufe sich auf 31 Milliarden Dollar jährlich. Man verstehe sich als technisch orientierter Zahlungsdienstleister, nicht als Finanzdienstleister. "Was die Konsumenten wollen, können wir in unseren Daten sehen. Per Nahfunk mit dem Mobiltelefon zu zahlen, ist angekommen, NFC ist akzeptiert."

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