Cisco 2024 Global Networking Trends

Das Netzwerk rückt ins Zentrum der Strategie

Michael Cooney ist Senior Editor bei der amerikanischen Schwesterpublikation Network World.
Eine aktuelle Cisco-Studie zeigt auf, wie steigende Cybersecurity-Risiken, unterschiedliche Arbeitslasten und verteilte Infrastrukturen IT-Führungskräfte unter Druck setzen.
Statt einzelner Lösungen soll es künftig eine zentrale, idealerweise KI-unterstützte Plattform für das Multi-Cloud-, Netzwerk- und Security-Management geben.
Statt einzelner Lösungen soll es künftig eine zentrale, idealerweise KI-unterstützte Plattform für das Multi-Cloud-, Netzwerk- und Security-Management geben.
Foto: Gorodenkoff - shutterstock.com

Die Unternehmen von heute brauchen mehr Hilfe bei der Verwaltung und Absicherung ihrer verteilten Netzwerkumgebungen als je zuvor. So lautet das Fazit von Cisco im frisch aufgelegten Global Networking Trends Report (kostenlos gegen Registrierung), für den gemeinsam mit IDC weltweit 2.050 IT-Fachleute aus unterschiedlichen Branchen befragt wurden.

"Netzwerkarchitekturen sind anspruchsvoller, komplexer und über mehr Multi-Clouds und Anbieter verteilt als je zuvor", schreibt Jonathan Davidson, Executive Vice President und General Manager von Cisco Networking, in einem Blog über die Studie. "Außerdem sehen sich die IT-Führungskräfte mit steigenden Cybersecurity-Risiken, einer erhöhten Nachfrage nach neuen Anwendungen und Workloads sowie stark verteilten Belegschaften und Infrastrukturen konfrontiert. Die Verwaltung und Kontrolle solch weit verteilter Systeme ist eine der größten Herausforderungen für Unternehmensnetze", so Davidson.

Von Silos zur zentralen Management-Plattform

Dem Bericht zufolge verwendet derzeit jedes fünfte (21 Prozent) Unternehmen mehrere, separate Managementsysteme für die Verwaltung ihrer Campus-, Zweigstellen-, WAN-, Rechenzentrums- und Multi-Cloud-Domänen, während 39 Prozent eine Plattformarchitektur für einige Netzwerkdomänen nutzen. Der Einsatz einer zentralisierten Netzwerkplattform für neue und zukünftige Umgebungen könnte diese Probleme lösen, so Cisco.

Der Hersteller definiert dabei eine Netzwerkplattform als ein integriertes System, das Software, Richtlinien und offene APIs mit einer intuitiven Benutzeroberfläche, fortschrittlicher Telemetrie und Automatisierung kombiniert. Sie bietet ein zentrales Nutzererlebnis, ein durchgängiges Netzwerkmanagement und ein API-gesteuertes Ökosystem, das den Betrieb vereinfacht und digitale Erlebnisse in einer oder mehreren Netzwerkdomänen ermöglicht.

In dem Bericht heißt es:

"Fast drei Viertel (72 Prozent) der Befragten gehen davon aus, dass sie eine Plattformarchitektur für eine oder mehrere Domänen nutzen werden. Von diesen erwarten 39 Prozent, dass sie die Plattformarchitektur auf alle Netzwerkdomänen ausweiten werden, was die Netzwerkverwaltung erheblich vereinfacht und eine Reihe von geschäftlichen, betrieblichen und technischen Vorteilen ermöglicht - von offenen API-Ökosystemen bis hin zu einer verbesserten funktionsübergreifenden IT-Zusammenarbeit, einfacheren Integrationen und einem reichhaltigen Datenpool. Daten, die aus der Telemetrie über Netzwerkdomänen hinweg gesammelt werden, bieten einen unternehmensweiten Überblick, der genutzt werden kann, um Erkenntnisse aus KI-Analysen zu gewinnen und so die Leistung, Erfahrung, Sicherheit, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit zu verbessern."

Die schwierigere Verwaltung ist aber nur ein Aspekt. Mit der Skalierung der Netzwerke für neue Anwendungen im Rechenzentrum und in der Cloud wächst auch die Bedrohungslandschaft, so Davidson. Dem Bericht zufolge nennen 40 Prozent der IT-Führungskräfte Cybersecurity-Risiken als ihre größte Sorge, die sich in den nächsten 12 Monaten auf die Netzwerkstrategie auswirken wird.

Laut Cisco-Manager Davidson gehen die Studienteilnehmer diese Herausforderung auf verschiedene Weise an: "Erstens, indem sie Netzwerk- und IT-Sicherheitsprozessen, -technologien und -Tools miteinander integrieren, wobei die Hälfte der Befragten dies als wichtigste Investition in die Netzwerksicherheit in den nächsten zwei Jahren ansieht. Zweitens müssen mehr Sicherheits-Tools in die Cloud verlagert werden, um die zunehmend verteilte Infrastruktur und Belegschaft besser zu schützen."

Netzwerk und Security konvergieren

Auf die Frage nach den wichtigsten Prioritäten für die Netzwerksicherheit in den nächsten zwei Jahren gab die Hälfte der Befragten (52 Prozent) an, dass die Integration der Netzwerksicherheit in umfassendere IT-Sicherheitsfunktionen ihre oberste Priorität ist. Zu diesem Zweck planen 76 Prozent dieser Unternehmen, innerhalb dieses Zeitraums eine SASE-Architektur (Secure Access Service Edge) mit der Integration von SD-WAN und Security Service Edge (SSE) Cloud Security einzusetzen, so die Forscher.

Darüber hinaus gaben 44 Prozent der Studienteilnehmer an, dass eine schnellere Identifizierung von Cybersecurity-Bedrohungen und eine schnellere Reaktion darauf der wichtigste Vorteil ist, der von der Konvergenz von Netzwerk- und Sicherheitstechnologien, -prozessen und -Tools erwartet wird. "Die gemeinsame Nutzung von Daten und Telemetrie zwischen Netzwerk- und Security-Bereichen war für 29 Prozent der Befragten der zweitwichtigste Vorteil, gefolgt von einem konsistenten, sicheren Zugang zu Multi-Cloud-Anwendungen von überall her für 27 Prozent der Befragten", heißt es in dem Bericht.

Generell sind Multi-Cloud-Umgebungen weit verbreitet: 92 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie zwei oder mehr Public-Cloud-Anbieter für das Hosting ihrer Arbeitslasten einsetzen, 34 Prozent sogar mehr als vier. Den Forschern zufolge hat dies enorme Konsequenzen für den IT-Betrieb, da jeder Public-Cloud-Anbieter, jedes private Rechenzentrum und jede hybride Cloud-Umgebung unterschiedliche Netzwerk- und Sicherheitsbetriebsmodelle verwendet.

"Die Unternehmen müssen die daraus resultierende Komplexität des Managements mit einer Strategie angehen, die eine bessere Sichtbarkeit und eine einheitlichere Kontrolle der Konnektivität und Sicherheit in unterschiedlichen privaten und öffentlichen Cloud-Umgebungen ermöglicht", so Cisco.

Wie die Umfrage ergab, erwarten 60 Prozent der Unternehmen in zwei Jahren eine integrierte Multi-Cloud-, Netzwerk- und Security-Management-Plattform mit gemeinsamen APIs für sichere Workload-Mobilität, Netzwerk- und Anwendungstransparenz und Richtlinienmanagement. "Darüber hinaus planen Unternehmen, die bei IT-Innovationen führend sind, eine AIOps-gesteuerte Automatisierung, um die Workload-Mobilität mit End-to-End-Transparenz in Multicloud-, Private Cloud- und Edge-Netzwerken zu optimieren", so der Bericht.

KI verspricht Erleichterung

Was das Thema künstliche Intelligenz angeht, besteht das Potenzial, dass KI IT-Teams entlastet, die nicht genügend operative Unterstützung erhalten. "KI verspricht eine dringend notwendige Erleichterung für IT-Organisationen, die mit einem Mangel an Ressourcen und Automatisierung zur Bewältigung grundlegender betrieblicher Aufgaben zu kämpfen haben", erklärt Davidson. "Nur fünf Prozent der Befragten glauben, dass ihre Teams in der Lage sind, die Innovationen zu liefern, die für die Steuerung der Geschäftsstrategie, die Zufriedenheit der Kunden und die Optimierung des Betriebs erforderlich sind."

Laut Studie rechnen 60 Prozent der Befragten innerhalb von zwei Jahren mit einer KI-gestützten, prädiktiven Automatisierung in allen Bereichen, um den Netzwerkbetrieb zu verwalten und zu vereinfachen. So planen 56 Prozent der Studienteilnehmer beispielsweise den Einsatz von Enhanced Ethernet, 59 Prozent wollen innerhalb von zwei Jahren ihren Netzwerkbetrieb im Rechenzentrum mit AIOps vereinfachen.

Darüber hinaus lieferte die Studie noch eine Reihe weiterer interessanter Ergebnisse, etwa:

  • Für 32 Prozent der Unternehmen ist aktuell InfiniBand die Technologie der Wahl, um Hochleistungs-Workloads zu verbinden. In zwei Jahren werden 56 Prozent ein erweitertes Ethernet-Netzwerk der nächsten Generation einsetzen, um KI-Arbeitslasten zu unterstützen.

  • Für 42 Prozent ist derzeit Nachhaltigkeit der wichtigste Bereich, in dem das Netzwerk den digitalen Geschäftserfolg vorantreiben kann. 55 Prozent gehen davon aus, dass die IT-Abteilung in zwei Jahren die Nachhaltigkeitsstrategie ihres Unternehmens anführen wird. Dabei sollen IP-gesteuerte Nachhaltigkeitsinitiativen wie selektive Stromversorgung und die Nutzung von Energiesparmodi die Nachhaltigkeitsziele positiv beeinflussen.

  • 32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aktuell keinen Einblick in ihren IT-bezogenen Energieverbrauch oder ihre Emissionsdaten haben. Allerdings rechnen 60 Prozent damit, dass netzwerkgesteuerte Energiemanagementlösungen in zwei Jahren einen signifikanten, positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeitsstrategie haben werden. (mb)

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