Lieferfähigkeit überwiegend vorhanden

Distribution verzeichnet deutliche Nachfrage nach UCC- und Konferenzlösungen

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Während der Konjunkturmotor durch die Corona-Krise ziemlich ins Stottern geraten ist, gibt es Produktsegmente, die stark nachgefragt werden wie UCC- und Konferenzlösungen. Distributoren bestätigen diesen Trend und halten für Händlern vielfältige Unterstützungsangebote bereit.

Wo immer es möglich ist, bleiben Mitarbeiter derzeit zu Hause und arbeiten am heimischen Schreibtisch. Die Corona-Pandemie hat eingefleischten Homeoffice-Skeptikern den Wind aus den Segeln genommen. Nun gibt es vielmehr das Problem, dass viele Unternehmen, Behörden oder Bildungseinrichtungen gar nicht darauf vorbereitet sind, ihre Belegschaft produktiv im Homeoffice arbeiten zu lassen. Es fehlt ihnen an IT-Equipment, Kommunikationslösungen und Tools für den Fernzugriff auf Firmenressourcen.

Die Corona-Krise beschleunigt die Einführung von UCC- und Meeting-Lösungen in Unternehmen.
Die Corona-Krise beschleunigt die Einführung von UCC- und Meeting-Lösungen in Unternehmen.
Foto: Andrey_Popov - shutterstock.com

Viele versuchen jetzt in der Krise gegenzusteuern und die Lücken zu schließen. "In den letzten Wochen haben sich die Anfragen nach UCC, aber auch nach Smart Meeting-Lösungen deutlich erhöht", bestätigt Christian List, Business Unit Manager Maverick bei Tech Data. Bei dem Broadliner sind Homeoffice-Lösungen wie Webcams und Einsteigervideokameras, aber auch Smart Meeting-Lösungen wie Microsoft Teams und Zoom gefragter denn je. "Ungebremst ist die Nachfrage nach Kollaboration-Angeboten wie dem Microsoft Surface Hub", sagt List.

das könnte Sie auch interessieren: Verstärkte Nachfrage nach Homeoffice-Equipment

Bei Ingram Micro verzeichnet man einen deutlichen Anstieg an Anfragen insbesondere im Bereich Modern Workplace. "Im Einzelnen geht es dabei verstärkt um Videokonferenzsysteme wie Webex, Video Collaboration-Lösungen aus der Cloud sowie um die hierfür benötigten Komponenten wie Headsets, Audio- und Videohardware sowie Infrastruktur", vermeldet Thomas Groß, Executive Director Advanced Solutions. Doch auch Security-Erweiterungen, Lizenzen und Firewalls spielen derzeit eine zunehmend wichtige Rolle. In Zusammenhang mit der aktuellen Situation verbuchen die Dornacher zudem stark ansteigende Umsätze in den Bereichen Notebooks und Mobile Devices.

Auch Oliver Hemann, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung bei Michael Telecom, berichtet von "sehr starke Nachfrage" bei Headsets, Webcams, Laptops, Konferenz-Systemen (Video & Audio), Mobile-Lizenzen für TK-Systeme, Netzwerk-Produkte (VPN), UCC-Software. Sehr stark sei aufgrund der Corona-Thematik auch die Nachfrage an People-Counting-Lösungen und Zugangsterminals mit Körpertemperaturmessung. Hier bietet Michael Telecom laut Hemann auch einfache Plug & Play Lösungen für den Handel an. "Es werden aktuell praktische alle Homeoffice Lösungen, Hardwareergänzungen sowie Anbindung, angefragt", fasst Rainer Büter, Leiter Home Communication bei Eno zusammen.

„In den letzten Wochen haben sich die Anfragen nach UCC, aber auch nach Smart Meeting-Lösungen deutlich erhöht“, Christian List, Business Unit Manager Maverick bei Tech Data
„In den letzten Wochen haben sich die Anfragen nach UCC, aber auch nach Smart Meeting-Lösungen deutlich erhöht“, Christian List, Business Unit Manager Maverick bei Tech Data
Foto: Tech Data

Lieferfähigkeit trotz Engpässen gewährleistet

Die hohe Nachfrage gepaart mit Fertigungsengpässen lässt Ware an der einen oder anderen Ecke knapp werden. "Teilweise gibt es immer noch extreme Lieferengpässe bei der Hardware im Bereich A-Brands", bestätigt Eno-Manager Büter. Es gebe aber häufig Alternativen von B-Brands, die technisch einwandfrei funktionieren und verfügbar sind. Hier sei Kreativität in der Beratung gefragt.

Lesetipp: Das sollten Sie bei Videokonferenzen beachten

Oliver Hemann verzeichnet bei Michael Telecom "teilweise Lieferengpässe". Er rechnet damit, dass sich die Warenknappheit in den kommenden Wochen weniger wird. "Aktuell können wir die Nachfrage größtenteils bedienen", erklärt Prokurist von Michael Telecom. Christian List von Tech Data bezeichnet die Lieferfähigkeit als "generell gut". Es könne aber bei einzelnen Produkten zu längeren Lieferzeiten kommen.

„Teilweise gibt es immer noch extreme Lieferengpässe bei der Hardware im Bereich A-Brands. Es gibt aber häufig Alternativen von B-Brands, die technisch einwandfrei funktionieren und verfügbar sind“, Rainer Büter, Leiter Home Communication bei Eno
„Teilweise gibt es immer noch extreme Lieferengpässe bei der Hardware im Bereich A-Brands. Es gibt aber häufig Alternativen von B-Brands, die technisch einwandfrei funktionieren und verfügbar sind“, Rainer Büter, Leiter Home Communication bei Eno
Foto: Eno

Ingram Micro beobachtet den Markt und die Lieferkette in der derzeitigen Situation sehr genau. "Abseits der Lizenzmodelle vieler Cloud Video Collaboration-Anbieter, die unabhängig von Lieferengpässen agieren, können wir generell noch keine Verschlechterung der Lieferfähigkeit feststellen", erklärt Thomas Groß. Bisher seien lediglich Engpässe bei einzelnen Produkten beziehungsweise Artikelnummern aufgetreten. Allerdings führt laut Groß die erhöhte Nachfrage nach adäquaten Devices für den Bereich Home Office und Home Schooling zu Verzögerungen: "Daher kommt es je nach Formfaktor zu unterschiedlich langen Lieferzeiten und teilweise auch Lieferengpässen, wie bei Infrastruktur-Produkten, PCs und Notebooks", so Groß. Er geht aber davon aus, dass die Belieferung sukzessive immer zuverlässiger erfolgen wird, da viele Lieferanten die Produktionskapazitäten wieder hochgefahren haben. "Aufgrund der Lage lässt sich nur schwer vorhersagen, was passieren wird und wir können daher auch nichts ausschließen. Unser Fokus liegt aber weiterhin darauf, den Bedarf unserer Kunden bestmöglich zu decken", betont der Executive Director.

Vielfältige Unterstützungsangebote für Reseller

Neben der Verbesserung der Warenverfügbarkeit und der Sicherstellung der Lieferfähigkeit haben die Distributoren ihre Unterstützungsmaßnahmen an die veränderte Nachfragesituation angepasst. "Von den Produktmanagern werden Angebots-Bundles erstellt, die für bestimmte Usecase eingesetzt werden können. Auch Marketing-Vorlagen für die Kommunikation in allen Kanälen stellen wir zur Verfügung", erläutert Eno-Home-Communication-Spezialist Büter. Für den Versand über den Eno-Shop wird nun häufiger auch die Option "Lieferung an abweichende Lieferadresse" genutzt.

Bei Tech Data werden derzeit ganz aktuell "eine Fülle" von Webinaren rund um UCC und Meeting-Lösungen an. "Wir bieten individuelle Beratung durch unser Collaboration-Team, die im Format von Videokonferenzen statt wie bisher vor Ort stattfinden. Unser Pre- und Post-Sales unterstützt weiterhin stark unsere Vertriebspartner inklusive Remote-Anwenderschulungen durch unseren Technical Sales", berichtet Christian List.

„Es kommen jetzt alle, auch die, die vielleicht bisher gezögert haben, in die Umsetzungsphase und erkennen, dass es nicht nur in Krisenzeiten Vorteile hat, digital zu arbeiten“, Oliver Hemann, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung bei Michael Telecom
„Es kommen jetzt alle, auch die, die vielleicht bisher gezögert haben, in die Umsetzungsphase und erkennen, dass es nicht nur in Krisenzeiten Vorteile hat, digital zu arbeiten“, Oliver Hemann, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung bei Michael Telecom
Foto: Michael Telecom

Ingram Micro unterstützt die Reseller durch Beratung des Endkunden. "In der aktuellen Situation beobachten wir in verstärktem Maße, dass Reseller aufgrund der Anzahl und Komplexität von Anfragen ihre Beratungsfunktion nicht mehr vollumfänglich nachkommen können", erklärt Thomas Groß. Die Ingram-Spezialisten beraten Kunden derzeit intensiv zu individuellen Fragen rund um den "Modern Workplace", von maßgeschneiderten Lösungsszenarien über die Frage, inwieweit bestehende Infrastrukturen und Lizenzen erweitert werden müssen oder wann es sinnvoll ist, auf skalierbare Cloud-Lösungen auszuweichen. Darüber hinaus bietet der Broadliner eine "Vielzahl an Services" wie Webinare zu Cloud Collaboration, technisches Presales Consulting und Begleitung durch den Abwicklungsprozess mit den Herstellern, an.

Zudem ist Ingram bereit, Zahlungsziele zu verlängern und Kreditrahmen auszuweiten. "Was unsere Partner jetzt brauchen, sind strukturelle Maßnahmen, um finanzielle Stabilität und Liquidität zu gewinnen und langfristig handlungsfähig zu bleiben", weiß Groß. Der Broadliner will über individuelle Finanzierungsmodelle seinen Kunden das benötigte Kapital zur Verfügun stellen, um deren Handlungsspielraum zu erweitern, Liquiditätsengpässe abzumildern und auch in Zeiten großer finanzieller Unsicherheit Investitionen zu ermöglichen, über die sie sich mittelfristig Wettbewerbsvorteile sichern können.

Für Sie als PDF: ChannelPartner-Ausgabe "Das Virus und der Channel"

Neben der Unterstützung und Beratung zu Produkten und Lösungen verweist auch Oliver Hemann von Michael Telecom auf die teilewiese angespannte Lage bei Resellern: "Wir reagieren schnell und flexibel, wenn es beispielsweise um verlängerte Zahlungsziele bei Aufträgen geht, um den Kunden bei Liquiditätsengpässen zu helfen. Wir waren vor der Krise der Partner des Handels und leben diese Partnerschaft natürlich auch in dieser Zeit", versichert er. Auch habe man sehr kurzfristig die Roadshow 2020 von einer Präsenzveranstaltung auf Online umgestellt. "Die ersten Termine wurden bereits erfolgreich absolviert. Unsere Akademie bietet schon immer vieles in Webinar-Form an und auch hier haben das das noch weiter ausgebaut", berichtet Hemann. Dabei kann er auch Händler begrüßen, die digitalen Formaten bisher eher skeptisch gegenüber standen: "Es kommen jetzt alle, auch die, die vielleicht bisher gezögert haben, in die Umsetzungsphase und erkennen, dass es nicht nur in Krisenzeiten Vorteile hat, digital zu arbeiten", ergänzt der Manager. Das werde sicherlich auch nach der Krise die allgemeine Arbeits- und Lebenswelt verändern und auch flexibler machen.

Corona-Pandemie verändert Einstellung zu Homeoffice

Dass die Corona-Krise den Umgang mit mobilen Arbeitskonzepten und der Art und Weise der Kommunikation nachhaltig verändern wird, darin sind sich die Distributionsexperten einig. "Vielen Unternehmen wird jetzt bewusst, dass Sie auf viele ungeplante Homeoffice-Arbeitsplätze nicht vorbereitet waren. Ich bin mir sicher, dass das in Zukunft ein Thema bei vielen Firmen sein wird", prognostiziert Hemann. "Es wird der Durchbruch für Homeoffice auf breiter Front sein", glaubt Tech Data-Manager List.

ebenfalls lesenswert: Kostenlose Software in Zeiten der Corona-Krise

"Unternehmen und Manager, die bisher eher skeptisch eingestellt waren, werden feststellen, dass es sehr gut funktioniert, vielleicht sogar besser und effizienter als im Büro, Viele werden auf einen breiteren Einsatz von Collaboration-Produkten in Meeting-Räumen im Büro umstellen. Aber auch Kundentermine als Videokonferenz werden zum Standard werden und viele Geschäftsreisen können dadurch auch langfristig eingespart werden", lautet sein Fazit.

„Durch die aktuelle Situation hat sich schnell herausgestellt, dass das eigene Büro und die auf lokale Bedürfnisse getrimmte Infrastruktur die Achillesferse für die Abwicklung des täglichen Geschäfts darstellt“, Thomas Groß, Executive Director Advanced Solutions, Ingram Micro
„Durch die aktuelle Situation hat sich schnell herausgestellt, dass das eigene Büro und die auf lokale Bedürfnisse getrimmte Infrastruktur die Achillesferse für die Abwicklung des täglichen Geschäfts darstellt“, Thomas Groß, Executive Director Advanced Solutions, Ingram Micro
Foto: Ingram Micro

Bislang wurde häufig das Feedback von Endkunden an Ingram Micro herangetragen, dass das Thema Homeoffice für sie keine Option darstellt. "Durch die aktuelle Situation hat sich schnell herausgestellt, dass das eigene Büro und die auf lokale Bedürfnisse getrimmte Infrastruktur die Achillesferse für die Abwicklung des täglichen Geschäfts darstellt", beschreibt Thomas Groß die Lage.

Bereits jetzt werden die Themen Security und Kommunikation von vielen Verantwortlichen innerhalb und außerhalb des Unternehmens neu bewertet. "Diskrepanzen in der Ausstattung der Arbeitnehmer werden in der aktuellen Situation offensichtlich und wir gehen davon aus, dass Unternehmen sich für zukünftige Homeoffice-Anwendungen wappnen werden", meint er. So erwarten die Dornacher auch nach der Corona-Krise eine gesteigerte Akzeptanz und Nutzung von Homeoffice in Unternehmen und einen Anstieg in den betreffenden Geschäftssektoren.

"Es kommen jetzt alle, auch die, die vielleicht bisher gezögert haben, in die Umsetzungsphase und erkennen, dass es nicht nur in Krisenzeiten Vorteile hat, digital zu arbeiten", ergänzt Oliver Hemann von Michael Telecom. Das werde sicherlich auch nach der Krise die allgemeine Arbeits- und Lebenswelt verändern und auch flexibler machen.

Zur Startseite