Wachsender Bedarf fordert und fördert den Channel

Edge - vom Nischenthema zur Zukunft der Datenverarbeitung

Joachim Fischer ist Sales Director EMEA bei Vertiv.
Internet of Things (IoT), Smart Cities, Video-Streaming, Mobilfunk – wer diese Begriffe hört, denkt vermutlich nicht zwangsläufig an Edge Computing. Doch genau diese Bereiche umfasst das aktuell stark wachsende Dynamic Edge. Aber wie wirkt sich die Zunahme von Edge-Computing auf den Channel aus? Und wie können Value Added Distributoren (VAD) von dieser Entwicklung profitieren?
Wie wirkt sich die Zunahme von Edge-Computing auf den Channel aus?
Wie wirkt sich die Zunahme von Edge-Computing auf den Channel aus?
Foto: Wright Studio - shutterstock.com

Edge Computing bezeichnet eine dezentrale Datenverarbeitung, die direkt am Rand des Netzwerks, dem sogenannten Edge, stattfindet. Die Daten, um die es hier geht, werden also direkt in der Netzwerkperipherie generiert und verarbeitet. Aber was bedeutet das in der Praxis?

Tatsächlich verbirgt sich hinter dem lokalen Serverschrank in der mittelständischen Werbeagentur genauso Edge Computing wie dem vernetzten Kühlschrank oder dem Parkleitsystem als Handy-App einer Smart City. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Edge-Typen, die jeweils vollkommen unterschiedliche Einsatzbereiche definieren:

  • Legacy Edge bezeichnet die lokale Datenverarbeitung von Unternehmen in Niederlassungen. Dazu zählen beispielsweise einzelne Server und kleine Rechenzentren, deren Rechenleistung lediglich vor Ort genutzt wird. Entsprechende Lösungen wandern zunehmend in die Cloud oder werden von Colocation-Services abgelöst. Hier existiert ein nicht zu unterschätzendes Marktpotenzial.

  • Geographic Edge: Darunter versteht man unter anderem die sogenannten Content Delivery Networks (CDN) oder Cloud Services. Diese werden meist in Colocation-Rechenzentren gehostet und befinden sich üblicherweise nahe an den Orten, wo die Daten benötigt werden - also häufig in der Nähe großer Städte.

  • Dynamic Edge: Dazu zählen IoT-Geräte genauso wie die einzelnen Sensoren innerhalb einer Smart City, aber beispielsweise auch Wearables. Aufgrund der aktuellen technologischen Entwicklung ist in diesem Bereich mit dem größten Wachstumspotenzial zu rechnen.

Märkte erschließen, Digitalisierung vorantreiben

Doch wie kann gerade der IT-Channel dabei helfen, diesen wachsenden Bedarf zu stillen, und selbst davon zu profitieren? Der Bedarf nach Edge-Computing ist eindeutig vorhanden. So hat eine 2019 durchgeführte Befragung unter mehr als 800 IT-Fachleuten ergeben, dass 53 Prozent der Teilnehmer innerhalb der nächsten fünf Jahre mindestens eine Verdopplung des Edge-Marktes erwarten - 20 Prozent gehen sogar von 400 Prozent und mehr aus. Dieses Wachstum wird angetrieben durch neue Technologien und Anwendungen, die Rechenleistung nahe am Verbraucher benötigen. Dazu gehören beispielsweise Video-, Musik- und Computerspiele-Streaming oder auch die wachsende Anzahl an Sensoren für Smart Cities und autonomes Fahren sowie der aktuell laufende Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes.

Channel als Wegbereiter der Digitalisierung

Die steigende Nachfrage nach Technologien für den Netzwerkrand kann nur erfüllt werden, wenn Edge-Computing-Anbieter und Channel-Vertriebspartner Hand in Hand arbeiten. Denn wenn sich der Workload an den Netzwerkrand verlagert - also dahin, wo die Rechenleistung benötigt wird - steigt zum einen die Nachfrage nach Colocation-Angeboten, zum anderen auch der Bedarf nach eigenen Edge-Lösungen in Unternehmen.

Unternehmen investieren aktuell massiv in die Bereitstellung von Rechenkapazität am Edge, um sich gegenüber dem Wettbewerb zu behaupten und gleichzeitig die Digitalisierung voranzutreiben. Dabei müssen wesentliche Teile dieser Digitalisierung in der direkten Nähe zu den Anwendern stattfinden, also abseits der zentralen Rechenzentren geographisch weit verteilt - auf unterschiedliche Länder oder teilweise sogar auf zig Standorte innerhalb einer einzigen Stadt oder eines Landes. Dabei funktionieren die Edge-Einheiten im Idealfall wie Mini-Rechenzentren und müssen von Fachpersonal implementiert und remote administriert werden.

Hier kommt der IT-Channel ins Spiel. Denn Setup und Administration können die Unternehmen nur in den allerwenigsten Fällen selbst am Edge übernehmen, da sie meist vor Ort kein IT-Fachpersonal vorhalten können. Die Vertriebspartner haben also die Möglichkeit, ihr Knowhow und ihre Expertise hier gewinnbringend einzubringen und somit einen zusätzlichen Mehrwert zu bieten. Gerade Value-Added-Distributoren (VAds) können hier einen entscheidenden Teil dazu beitragen, die Digitalisierung mit voranzutreiben. Vertriebspartner, die noch über kein dediziertes Service-Teamverfügen, haben die Möglichkeit, ihr Geschäft hier auszubauen und sich weg vom reinen Reseller hin zum Full-Service-Anbieter und vollwertigen Partner der Hersteller zu entwickeln - mit steigenden Umsatzmöglichkeiten.

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