Letzte Integrated Systems Europe in Amsterdam

ISE zwischen Virusangst und Umzugskartons

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Die Integrated Systems Europe (ISE) in Amsterdam ist Geschichte. Die AV-Messe zieht nach Barcelona um. Zum Abschied verhagelte das Coronavirus auch noch die Besucherbilanz.

Jahrelang konnte die ISE in Amsterdam neue Besucher- und Austellerrekorde vermelden. Da schließlich das Messegelände aus allen Nähten platzte und sogar eine komplette Zelthalle aufgebaut werden musste, entschlossen sich die Veranstalter, mit der Integrated Systems Europe nach Barcelona umzuziehen. So fand 2020 die letzte Amsterdamer ISE statt, bevor der Tross in die katalanische Metropole weiterzieht.

Getrübt wurde die Abschiedsveranstaltung in Amsterdam durch die Angst vor dem Coronavirus. Die Verantwortlichen hatten trotz gewisser Infektionsrisiken bei Großveranstaltungen beschlossen, die Messe durchzuführen. Das schlug sich deutlich in den Besucherzahlen nieder: Mit etwa 116.000 gezählten Eintritten, die auf das Konto von gut 52.000 registrierten Besuchern gingen, kamen über ein Drittel weniger Teilnehmer als im Vorjahr zu der Fachmesse für professionelle Audio- und Video-Systemintegration.

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Doch nicht nur Besucher blieben der AV-Schau fern. Auch der eine oder andere Aussteller sagte kurzfristig den Messeauftritt ab. So waren auf der großen, eigentlich für LG reservierten Standfläche in Halle 12 nur Food Trucks aufgestellt. Die meisten Aussteller zogen aber ihr Messeprogramm durch, teilweise allerdings mit reduziertem Personal. So hatte Samsung den Stand zwar aufgebaut, doch die deutschen Ansprechpartner blieben zuhause. "Bei uns sind die asiatischen Kollegen nicht gekommen", erzählt Holger Graeff, General Manager EMEA beim Projektoren- und Display-Anbieter Vivitek.

Ein Fist Bump hat laut Wikipedia ein geringeres Übertragungsrisiko für Infektionen als ein klassischer Handschlag.
Ein Fist Bump hat laut Wikipedia ein geringeres Übertragungsrisiko für Infektionen als ein klassischer Handschlag.

Bei den anwesenden Ausstellern war das Echo gemischt. "Für uns ist die ISE eine gute Gelegenheit, Lösungen und Technologie öffentlich vorzustellen", erklärt Jens Zechmeister, Head of Sales Pro AV bei Kindermann. Für ihn ist es wichtig, die Messe als Plattform zu nutzen, um Feedback von den Partnern einzuholen, das Netzwerk zu pflegen und neue Kundengruppen zu erschließen. "Natürlich haben auch wir massive Auswirkungen durch den Coronavirus zu verzeichnen", berichtet Zechmeister. So habe rund die Hälfte der erwarteten deutschen Systemintegratoren abgesagt. Die Quote bei den internationalen Partnern sei hingegen wesentlich geringer gewesen.

Umzug von Amsterdam nach Barcelona

Raed Kaplan, Channel Director IT Western Europe beim Signage- und Collaboration-Spezialisten Barco, zieht aber insgesamt ein positives Fazit: "Wir haben im Vorfeld der Messe aufgrund des Coronaviruses einige Absagen bereits vereinbarter Termine verzeichnen müssen, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum", bestätigt er. Obwohl insgesamt weniger Besucher zur ISE gekommen sind, konnte man aber am Barco-Stand einen klaren Zuwachs verzeichnen und laut Kaplan auch mehr Leads generieren. "Wir sind daher mit dem Messeverlauf sehr zufrieden", meint der Barco-Channel-Director.

Auch der bevorstehende Umzug nach Barcelona wird bei den Ausstellern nach wie vor heiß diskutiert. Viele befürchten, dass Besucher, die bisher aus den an die Niederlande angrenzenden deutschen Bundesländern gekommen waren, künftig wegbleiben werden. "Zumindest das Wetter wird hoffentlich besser sein", meint ein Besucher. "Wir wären lieber hiergeblieben", gibt Marcus-Michael Müller, Manager Unified Communications Pro Audio Division bei Yamaha, unumwunden zu. Müller und sein Team nutzen die letzte ISE in Amsterdam, um die noch junge, durch die Übernahme von Revolabs gegründete UCC-Sparte des japanischen Unternehmens vorzustellen.

Die ISE 2021 wird vom 2. bis 5. Februar in Barcelona stattfinden.
Die ISE 2021 wird vom 2. bis 5. Februar in Barcelona stattfinden.

Zwischen Virenangst und Umzugsvorbereitungen geriet fast ins Hintertreffen, dass die ISE nach wie vor jede Menge für den IT-Kanal zu bieten hat. Jeder Reseller, der sich mit professionellen Display- und Signage-Technologien, UCC- und Konferenztechnik, Education-Lösungen oder auch Home Automation beschäftigt, findet hier die richtigen Anbieter und Lösungen in einer Bandbreite, die kaum eine andere europäische Messe bieten kann. Das wird sich auch mit dem Umzug nach Barcelona nicht ändern. Der Termin für die ISE 2021 in steht übrigens schon fest: Sie wird vom 2. bis 5. Februar 2021 in der katalanischen Metropole stattfinden.