Die CP-Querschläger-Kolumne

IT zwischen Nachhaltigkeit und Greenwashing

Kommentar  09.09.2021
Der CP-Querschläger plädiert für eine Ressourcen schonende und klimaneutrale Herstellung von IT-Equipment.
Wann werden wir die Natur mit unserer Technologie versöhnen?
Wann werden wir die Natur mit unserer Technologie versöhnen?
Foto: Willyam Bradberry - shutterstock.com

Wenn es um Umweltschutz, Tierwohl, Klimawandel oder das Öko-Gewissen geht, steht nach guter deutscher Sitte meist der Verbraucher am Pranger. Seine Gier nach immer billiger und noch mehr zwingt die ach so notleidende Industrie zu Überproduktion und Ausbeutung ganzer Erdteile.

Wirklich? Ist Kinderarbeit für die Herstellung oder das "Recycling" von Elektroschrott nötig, wenn für das neueste Smartphone bis zu 2.000 Euro verlangt werden? Sind es nicht die Verbraucher, die für ihren Strom Umweltabgaben zahlen, während Industriestrom subventioniert wird? Wer zahlt die Entsorgung, während Kunststoffproduktion und Bergbau gefördert werden? Die Politik, gefangen in Lobbyismus und Wachstumshörigkeit, schafft lokal wie global mehr Probleme als Lösungen.

Hier und da ein Bäumchen, das reicht nicht

Nun wirbt auch die IT mit "Green", etwa bei der Verpackung oder mit herausgefischtem Ozean-Plastik. Ob der Anteil dieser Kunststoffe allerdings den Promille-Bereich am Produkt erreicht, darf bezweifelt werden. Auch der geringe Trinkwasserverbrauch bei der PC-Herstellung mit rund 20.000 Litern - so viel wie für drei Pfund Rinderhack - ist nicht das Problem, sondern die Entsorgung. Elektroschrott macht rund 70 Prozent des "gefährlichen Mülls" aus, dazu kommt noch das Mikroplastik. Schadstoffe, die in unserem Trinkwasser, der Atemluft oder der Nahrung landen - letztendlich in uns selbst.

Auch daran ist nicht der Verbraucher schuld, sondern löchrige Gesetze, die den Handel von Müll ermöglichen. Dies bewirkt, dass beim IT-Schrott nur die teuersten Edelmetalle professionell recycelt werden, der Rest landet bei den Fischen oder auf den giftigen Müllhalden der ärmeren Welt.

Wie sich die Digitalisierung mitsamt der Cloud insgesamt auf die Umwelt auswirkt, bleibt ebenfalls intransparent. Sicher ist, dass der Hunger der IT nach immer mehr Energie und Material nicht länger aus dem Inneren unseres Planeten gestillt werden darf, sondern regenerativ erzeugt werden muss. Das seit Jahrmillionen gespeicherte CO2 in Öl, Gas und Kohle muss dort bleiben, wo es das Ökosystem in seiner natürlichen Intelligenz verbracht hat - unter der Erde.

Mein Fazit:

Nachhaltigkeit und Recycling bleiben in der ITK schwierig. Den lobenswerten CO2-neutralen Rechenzentren, wie auch den Wind-, Wasser- und Solarenergie-Erzeugern, stehen zweifelhafte Versprechen zur Zukunft entgegen.

Bis demnächst, Euer Querschläger!

Der ChannelPartner-Autor "Querschläger" ist ein Fachhändler aus Rheinland-Pfalz. Alle Kommentare des CP-"Querschlägers" finden Sie im "Querschläger"-Archiv.

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