Digitale Städte

Keine Smart City ohne Safe-City-Konzept

Dr. Uwe Heckert ist Deutschlandchef bei dem IT-Dienstleister Unisys. Zuvor war er mehr als 15 Jahre im Bereich Business Consulting und IT Services tätig. Den Doktorgrad erlangte er im Bereich Wirtschaftsinformatik. Gleichzeitig ist er auch Diplom-Kaufmann. Der Autor hat in der Vergangenheit zu den Themengebieten Knowledge Management und Industrialisierung von ITK-Services publiziert.

Was haben Köln, Hamburg, Amsterdam und Los Angeles gemeinsam? Alle vier wollen sich zu Smart Cities entwickeln. Aber ist das Konzept auch sicher genug?
Eine automatisierte "smarte" Stadt, die uns allen das Leben erleichtert, ist aus vielerlei Sicht ein erstrebenswertes Projekt. Damit es langfristig erfolgreich ist, müssen die Verantwortlichen allerdings auch über ein Safe-City-Konzept nachdenken.
Eine automatisierte "smarte" Stadt, die uns allen das Leben erleichtert, ist aus vielerlei Sicht ein erstrebenswertes Projekt. Damit es langfristig erfolgreich ist, müssen die Verantwortlichen allerdings auch über ein Safe-City-Konzept nachdenken.
Foto: metamorworks - shutterstock.com

Der Begriff "Smart City" ist mittlerweile nahezu allgegenwärtig. Fast jede größere Kommune hat heutzutage mindestens die Grundlage für eine stadtweite Vernetzung geschaffen. Glasfasernetze, zahlreiche Sensoren, geplante Car2X-Kommunikation und das kommende 5G-Funknetz sorgen dafür, dass die datenbasierte Gemeinde längst nicht mehr im Reich der Science Fiction verortet ist.

Stattdessen helfen beispielsweise App-gesteuerte Carsharing-Modelle, die Anzahl der Autos in den Städten zu reduzieren und digitale Mietangebote für Fahrräder zeigen Bewohnern Alternativen zum Auto auf und können so helfen, CO2-Emissionen zu verringern. Mit einem intelligenten Wassersystem kann die Kommune die zur Verfügung gestellte Wassermenge und ihren Verbrauch genau überwachen. Lecks und Verstopfungen werden so schnell sichtbar und können behoben werden. Das spart Ressourcen und gestaltet das Leben in der Stadt auf Dauer nachhaltiger.

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Doch auch wenn sich aus Smart-City-Konzepten zahlreiche Vorteile ergeben, bieten die neuen Technologien auch Angriffsfläche für Cyber-Kriminelle. Hacker könnten sich die Kontrolle über kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel das Verkehrsnetz verschaffen oder die Stromversorgung und die digitale Infrastruktur von Krankenhäusern lahmlegen. Als Folge brechen vielleicht auf breiter Basis Panik und Chaos aus.

Daher sollten die Verantwortlichen das Thema Sicherheit möglichst früh in ihre Planung miteinbeziehen und von Anfang an umfassende „Safe City“-Konzepte entwickeln. Denn erfolgreich sind Smart Cities erst dann, wenn die Systeme weitgehend störungsfrei funktionieren und die Bürger sich in der Anwendung damit sicher fühlen. Derzeit besteht hier noch Nachholbedarf.

Erwartungshaltung an die Smart City

Um langfristig eine Safe City zu gestalten, sollten die Behörden zunächst adäquate Kanäle für die Kommunikation bereitstellen – selbst in Smart Cities verfügen beispielsweise noch nicht alle Polizeidienststellen über Anbindungen an die digitalen Medien. Hier wartet noch viel Arbeit auf die Städte und Gemeinden.

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Auch Befürchtungen, dass digitale Meldungen an die Polizei nicht beim richtigen Empfänger ankommen, müssen ebenso wie Bedenken in Bezug auf Datenschutz und -speicherung oder das Thema Privatsphäre beachtet werden. Das sind ebenfalls potenzielle Hindernisse auf dem Weg zur Safe City. Doch Technologien wie die sogenannte „Gunfire Detection“ in den USA zeigen, dass Überwachungssysteme definitiv ihre Berechtigung haben. So konnte beispielsweise in einzelnen Bezirken von Chicago nach Einführung der auditiven Überwachung die Zahl der Schießereien um 39 Prozent und die der Morde um 33 Prozent gesenkt werden.

So wird aus der Smart City eine Safe City

Im Folgenden werden einige wichtige Punkte zusammengefasst, die dazu beitragen können, dass Smart Cities tatsächlich „safe“ werden:

1. Kommunikation hat immer zwei Seiten

Die digitale Kommunikation funktioniert – wie der Austausch über andere Kanäle auch – am besten in zwei Richtungen. Durch gemeinsame Interaktion stärkt und verbessert sich die Bindung zwischen Behörden und Bürgern. Gerade eine Stadtverwaltung sollte dabei alle Kommunikationswege im Blick behalten, egal ob Social Media, SMS oder digitale File-Server.

2. Der aktive Bürger

Bei der Aufklärung von Verbrechen und zur Verhinderung von Unfällen sollten die Behörden sinnvollerweise die Bürger über ein möglichst breites Angebot an sozialen und digitalen Medien einbinden, um den Weg zu einer sichereren Gesellschaft einzuschlagen. Denn so ist es für Verbrecher schwieriger, anonym in der Menge unterzutauchen und die Bevölkerung trägt dazu bei, sich selbst zu schützen.

3. Schutz der Bürger vs. Wahrung der Privatsphäre

Spätestens seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sind die Menschen für das Thema Datenschutz deutlich sensibilisierter als vorher. Umso wichtiger für das Sicherheitsgefühl der Bürger ist es, dass Behörden und Einsatzkräfte im Rahmen von Smart-City-Konzepten den Datenschutz beachten. Nur so entwickeln die Menschen Vertrauen in die Technik.

Im Bereich der Daten ist die Abwägung der beiden Güter „Schutz der Bürger“ und „Wahrung der Privatsphäre“ ein Drahtseilakt. Hilfreich ist, wenn alle Seiten genau wissen, was erlaubt ist, was nicht und welche Strafen gegebenenfalls folgen. Ebenso wichtig: Wenn die Behörden Daten sammeln, müssen sie den Zweck und die Grenzen klar kommunizieren.

4. Erfolg kommt aus Zusammenarbeit

Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Umsetzung eines Smart-City-Konzeptes ist die enge und kontinuierliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Bürgern, Behörden, Einsatzkräften und der Industrie. Nur wenn die Datensicherheitsmaßnahmen technologisch auf dem neuesten Stand sind, Bürger die Kommunikation aktiv mitgestalten und so ihre lokalen Behörden unterstützen und diese wiederum umfassend über ihr Tun informieren, funktioniert das Konzept.

Fazit

Eine automatisierte Stadt, die uns allen das Leben erleichtert, ist nicht nur aus ökologischer Sicht ein erstrebenswertes Projekt, sondern erhöht auch die Lebensqualität. Damit das aber auch langfristig der Fall ist, müssen die Verantwortlichen auch ein Safe-City-Konzept in ihre Planungen einbeziehen, denn Sicherheit erhöht den Wohlfühlfaktor für die Bürger. So kann sich durch digitale Kommunikationsmittel die Reaktionszeit von Behörden und Einsatzkräften deutlich verkürzen und die Bürger tragen selbst zum sicheren Leben in der Gemeinschaft und dem Funktionieren ihrer Smart City bei.