Eltern in der Pflicht

Kinder im World Wide Web

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Belästigung, Abzocke und Cyber-Mobbing: Kinder wissen oft nicht, welche Gefahren im Internet lauern – viele Eltern leider auch nicht.

Kinder können im Internet viel lernen. Aber es kommt im WWW auch zu Belästigung, Abzocke und Cyber-Mobbing! Kinder wissen oft nicht, welche Gefahren im Internet lauern – viele Eltern leider auch nicht. Trotzdem können Erwachsene mit auftretenden Problemen meist besser umgehen. Deshalb ist es für Kinder wichtig, dass sie von ihren Eltern bei den ersten Gehversuchen im Web begleitet werden. Die Arag-Experten geben Hinweise, worauf bei der "Interneterziehung" geachtet werden sollte.

Genau hinsehen: Jugendschutzprogramme und Internetfilter allein bieten keinen ausreichenden Schutz vor den Gefahren aus dem Web.
Genau hinsehen: Jugendschutzprogramme und Internetfilter allein bieten keinen ausreichenden Schutz vor den Gefahren aus dem Web.
Foto: Luis Louro - Fotolia.com

Erste Schritte

Medienerziehung sollte frühzeitig beginnen, sagen Medienpädagogen. Aber wann ist der perfekte Zeitpunkt für die ersten Schritte im Internet? Kleinkinder mit Tablets und Smartphones zu beschenken ist mit Sicherheit verfrüht: In diesen Entwicklungsstadien sollte der Nachwuchs seine Umwelt mit den fünf Sinnen entdecken. Computer sind dafür weniger geeignet. Kinder sollten auf jeden Fall schon lesen und schreiben können, bevor sie an den Rechner gehen, raten die meisten Pädagogen.

Auf jeden Fall aber sollten Kinder beim ersten Surfen nicht allein vor dem Computer sitzen. Genau wie im richtigen Leben sollten Eltern bei den ersten Schritten im Web dabei sein. Und wenn doch mal ein Klick daneben geht, bleiben Sie besonnen: Wer Laufen lernt, darf auch mal stolpern.

Kinderfreundliche Suchmaschinen

Für Eltern bleibt die Frage, wie die Freiheit im Netz mit dem Schutz von Minderjährigen in Einklang zu bringen ist. Ein Tipp der Arag-Experten: speziell für Kinder entwickelte Suchmaschinen nutzen, die ausschließlich auf kindergerechte Inhalte verweisen, wie etwa fragFINN.de. Oder konventionelle Suchmaschinen wie Bing oder Google mit Filteroptionen versehen.

Allerdings gewähren solche vordefinierten Filter keinen umfassenden Schutz. Außerdem gibt es Jugendschutzprogramme, die bestimmte Seiten blockieren. ARAG Experten warnen jedoch davor, sich davon in Sicherheit wiegen zu lassen, denn mit zunehmendem Alter sind gewiefte junge Nutzer oft in der Lage, solche Barrieren zu umgehen. Das kann dann auch schon mal ein Sport werden.

Eigenverantwortung

Je älter und geschickter Kinder im Umgang mit dem Computer werden, desto mehr Mitverantwortung müssen sie daher als User entwickeln. Eltern und Kinder sollten gemeinsam Möglichkeiten suchen, um herauszufinden: das tut mir gut und das nicht. Das Ziel ist mehr Eigenverantwortung, so dass ein Kind in der Lage ist, sich selbständig für oder gegen bestimmte Inhalte aus dem Netz zu entscheiden. Bis es soweit ist, gibt es ein großes Angebot an Internetseiten, die Eltern und Kindern die Vorzüge und Tücken des Internets erklären.

Rechtliche Grundlagen

Auch das Thema Recht im Internet ist ein neuer Faktor, der die Online-Erziehung heutzutage erschwert, und wo sich viele Eltern nicht auskennen. Die Volkshochschulen haben gemeinsam mit Medienexperten die "Internet-Werkstatt" entwickelt – ein Workshop-Angebot für Erwachsene und Familien, das seit 2011 bundesweit an mehr als 700 Volkshochschulen angeboten wurde. Dabei geht es um Datenschutz, Urheberrechte aber auch um rechtliche Fragen und Internetkompetenz für Eltern.

Tipps für die Praxis

Wer nicht gleich einen Kursus belegen will, sollte aber zumindest ein paar Ratschläge der Arag-Experten befolgen:

  • Erklären Sie Ihrem Kind, was Datenschutz ist: Persönliche Informationen sollen persönlich bleiben. Chats und soziale Netzwerke sind keine Orte für Kinder.

  • Kinder sollten nie unbedacht auf Links oder Buttons klicken: Schärfen Sie Ihrem Kind ein, dass hinter bunten Schaltflächen üble Software lauern kann.

  • Ein Virenscanner ist Pflicht: Zeigen Sie Ihren Kindern, wie man den Virenschutz bedient.

  • Nutzen Sie Filter, die jugendgefährdende Webinhalte automatisch blocken. Diese gibt es kostenlos im Internet.

Fazit

Kinder können vom riesigen Wissensschatz im Netz profitieren – allein die Vorbereitung ist wichtig. Machen Sie deshalb ihre Kinder internetsicher und ihr Netz kindgerecht.

Quelle: www.arag.de

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