Huawei-KI-Spezialist Michael Lemke

Mit Künstlicher Intelligenz die richtigen Mitarbeiter finden

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Der Fachkräftemangel ist nicht nur in der IT-Branche ein allgegenwärtiges Problem. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) kann Personalverantwortlichen helfen, die richtigen Mitarbeiter zu finden, meint Dr. Michael Lemke, Senior Technology Principal (ICT) bei Huawei.

Viele Branchen suchen händeringend nach Fachkräften. Den entsprechenden Nachwuchs auszubilden, ist natürlich die wichtigste Maßnahme, dem Mangel zu entgegnen. Doch das braucht Zeit und Ressourcen. Um gegenwärtige Lücken in der Belegschaft zu schließen, müssen Personalverantwortliche und HR-Abteilungen viel leisten. Häufig sind sie beim Auffinden, der Identifizierung und der Klassifizierung der richtigen Personen überlastet oder gar überfordert.

„Im Rennen um die besten Talente kommt es auch auf Geschwindigkeit an“, meint Dr. Michael Lemke, Senior Technology Principal (ICT) bei Huawei.
„Im Rennen um die besten Talente kommt es auch auf Geschwindigkeit an“, meint Dr. Michael Lemke, Senior Technology Principal (ICT) bei Huawei.
Foto: Huawei

So rückt der Einsatz von "Künstlicher Intelligenz" (KI) im HR-Prozess in den Mittelpunkt des Interesses: "Sei es im Recruiting oder beim Talent Management, Machine Learning scheint hier ein erfolgversprechender Ansatz zu sein", meint Dr. Michael Lemke, Senior Technology Principal (ICT) bei Huawei. Dafür muss allerdings die passende IT-Infrastruktur vorhanden sein.

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Der Einsatz von KI im Recruiting ist nicht neu: "KI hatte die Aufgabe, Vorurteile in Bezug auf Alter, Geschlecht, Aussehen oder Herkunft zu vermeiden und nüchterne Auswahlverfahren zu ermöglichen", erläutert Lemke. Inzwischen findet aber speziell "Machine Learning" im sogenannten HR-Analytics, einem Teilbereich des Personalmanagements, Anwendung. "Grob gesagt geht es darum, Personalverantwortlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Entwicklungen auf dem Bewerbermarkt möglichst exakt vorhersagen können", erklärt der Huawei-Experte. Je genauer diese Vorhersage ist, desto gezielter kann ein Unternehmen seine Aktivitäten bei der Gewinnung neuer Talente koordinieren.

Talente schlummern auch im eigenen Unternehmen

Doch manchmal ist der Markt für Talenter wie leer gefegt, und selbst mit den ausgeklügeltsten KI- und Machine-Learning-Verfahren kommt keine befriedigende Anzahl an geeigneten Bewerbern zusammen. Doch so manches Talent schlummert auch in der eigenen Firma. "KI kann helfen, innerhalb des Unternehmens genau die Mitarbeiter zu entdecken, die sich schnell und umfassend qualifizieren lassen", ist sich Lemke sicher. Ein weiteres Ziel einer KI-gestützten Talent-Management-Lösung sei es, Kandidaten anhand spezifischer Bewertungsdimensionen, die sie in früheren Beschäftigungen erhalten haben, in passende Jobs zu vermitteln und dadurch für größere Zufriedenheit bei Arbeitnehmern und Unternehmen zu sorgen.

Eines haben die geschilderten Beispiele für den Einsatz von KI im Personalmanagement gemeinsam: Sie entlasten die HR-Verantwortlichen von gleichförmigen und zeitaufwendigen Aufgaben wie beispielsweise dem manuellen Screening von Lebensläufen.

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Glaubt man den Marktforschern, dann steht die nächste Entwicklungsstufe schon bevor: Forrester Research hat im "Predictions Report 2018" vorhergesagt, dass schon 2020 bei globalen Unternehmen 20 Prozent der Kandidaten den Erstkontakt mit Chatbots statt mit menschlichen Recruitern haben werden. Im Nachgang wird dann wieder auf Künstliche Intelligenz zurückgegriffen, um die Zeit vom Erstkontakt bis zur Einstellung ("time to hire") zu verkürzen. Dies ist für Lemke ein wesentlicher Faktor: "Im Rennen um die besten Talente kommt es auch auf Geschwindigkeit an", betont er.

Passende Mitarbeiter gibt es nicht nur extern. Mit Hilfe von KI lassen sich auch Talente innerhalb des eigenen Unternehmens identifizieren.
Passende Mitarbeiter gibt es nicht nur extern. Mit Hilfe von KI lassen sich auch Talente innerhalb des eigenen Unternehmens identifizieren.
Foto: Jirsak - shutterstock.com

KI im Personalwesen ist Bestandteil von Enterprise Intelligence

Dabei steht HR im Unternehmen nicht isoliert da, sondern sollte nach Meinung Lemkes in ein Gesamtkonzept eingebunden sein: "Das ist auch einer der Faktoren, warum das Thema Enterprise Intelligence derzeit immer präsenter wird. Je enger ein Markt sich entwickelt, desto wichtiger wird es für die Unternehmen fundierte strategische Entscheidungen schnell treffen zu können. Das ist nicht nur auf das Personalmanagement beschränkt", präzisiert er. Ziel von Enterprise Intelligence sei es, den Zeitraum zwischen Marktentwicklung und angemessener Reaktion so kurz wie möglich zu halten - durch eine optimale Unternehmenssteuerung über alle Unternehmensfunktionen hinweg.

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Lemke spricht in Bezug auf Enterprise Intelligence von einem "zentralen Thema" der vierten, auf Daten basierenden, industriellen Revolution: "Sie beschleunigt die digitale Transformation und sorgt für eine drastische Umgestaltung der Geschäftsaktivitäten und Wertschöpfungsmodelle von Unternehmen", sagt er. Nach einer Prognose von Huawei Global Industry Vision (GIV) werden die inkrementellen Daten im Jahr 2025 ein Volumen von 180 Zetabyte erreichen, was weit über die menschliche Verarbeitungsfähigkeit hinausgeht. Daten werden so für Unternehmen immer überlebenswichtiger.

"Die Nutzung von KI zur effektiven Datenanalyse, -verarbeitung und zur Entscheidungsfindung steigert die Produktionseffizienz und Intelligenz von Unternehmen", weiß Lemke. Dabei werde der KI bei allen geschäftlichen Aktivitäten eine Schlüsselrolle zufallen: "2025 werden schätzungsweise 86 Prozent der weltweiten Unternehmen KI nutzen", prognostiziert der Huawei-Manager.

Ohne Infrastruktur keine Künstliche Intelligenz

Ohne die entsprechende Infrastruktur sind KI-Projekte jedoch zum Scheitern verurteilt: "Um KI zum Durchbruch zu verhelfen, werden schlagkräftige und vor allem kostengünstige IT-Landschaften benötigt. Dazu gehören leistungsstarke Rechner genauso wie Speicher und Netzwerke", erläutert der Huawei-Manager.

Darüber hinaus können zentrale Entwicklungsplattformen dabei helfen, die Hemmschwelle für die Entwicklung von KI-Anwendungen zu senken und die Zeitspanne für die Markteinführung leistungsstarker Algorithmen zu verkürzen. Auf dem Weg zu einer breiten KI-Nutzung kommt daher der Kooperation von Herstellern, Hochschulen und Anwendern künftig eine große Bedeutung zu.

"Die Anfänge sind gemacht, es liegt aber noch ein Stück Weg vor allen Beteiligten, ehe die Künstliche Intelligenz - nicht nur bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels - ihre volle Kraft entfalten kann", resümiert Lemke.

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