SAP-Partner ziehen an einem Strang bei Business-One-Installation

17.07.2003
"Business One", die SAP-Software für kleine und mittelständische Unternehmen, lässt sich schnell installieren, doch das Customizing gestaltet sich noch schwierig. ComputerPartner zeigt anhand der Projekterfahrungen der SAP-Channel-Partner Waiblinger Softwarehaus und Weber Datentechnik, wie sich die Probleme knacken lassen.

Der erste Präsentationstermin fand am 3. Januar 2003 statt. Am 7. Februar startete das Fertigungsunternehmen KHW den Echtzeitbetrieb des ERP-Pakets "Business One (B1)". KHW steht für Komponenten, Herstellung und Weiterverarbeitung. KHW sind aber auch die Anfangsbuchstaben des Namens von Unternehmensgründer Karl-Heinz Weinzierl. Eine Zeitschriftenanzeige für die KMU-Lösung der Walldorfer weckte die Aufmerksamkeit des Jungunternehmer. Danach ging es schnell. "Ich wusste ziemlich genau, was ich wollte; welche Geschäftsprozesse unser künftiges Anwendungsgesamtsystem unterstützen musste, aber auch wie groß der Kostenrahmen sein durfte", erklärt Weinzierl.

Datenübernahme aus R/3 lief problemlos

Der kontaktierte SAP-Partner Waiblinger Softwarehaus GmbH (WHS) stellte Weinzierl eine Gesamtlösung zum Festpreis vor, in der die Zusatzlösung für Fertigungsfirmen "Be.as" von Weber Datentechnik, einem Entwicklungshaus für Business One, in-tegriert wurde. Die Vertragsunterzeichnung fand bereits zwei Wochen später statt. Für die Einführung blieben den SAP-Partnern dann noch rund 14 Tage Zeit.

Die von Weinzierl gestellten Anforderungen hatten die Systemhäuser bereits bei der Präsentation aufgenommen und glichen sie mit den Funktionen von Business One ab. Beispielsweise gibt Weinzierl Kundenaufträge ein, daraus generiert B1 Fertigungsaufträge einschließlich Materialdispositionen, Stücklisten, Arbeitspapiere und Produktionstermine und erstellt Lieferscheine. Mit dem ERP-Paket verbucht Weinzierl auch seine Aufträge, wickelt Materialbestellungen ab, führt die Fertigungssteuerung und -kontrolle durch und ermittelt Materialbestände und Lagerwerte. Eine Gewinn- und Verlustrechnung (G+V) informiert den Chef über die wirtschaftliche Situation seines Unternehmens.

Die in einem "R/3"-System von SAP angelegten Artikeldaten seines alten Arbeitgebers übernahm Weinzierl. Das Systemhaus bekam die relevanten Rohdaten in einer Excel-Tabelle und übernahm sie von dort über eine Schnittstelle in B1. "Das ging problemlos", berichtet Heinz Hau-ser, Business-One-Kundenbetreuer beim Waiblinger Softwarehaus.

Formulareinrichtung bereitet Schwierigkeiten

Die Artikel mit dem Formulargenerator von B1 aufzubereiten gestaltete sich dagegen schwieriger für den IT-Dienstleister. Einer Variablen, die aus mehreren Zeilen besteht, konnte nur eine bestimmte Größe zugeordnet werden. "Das ist ein großer Nachteil", moniert Hannes Tieze, Programmierer beim Waiblinger Softwarehaus Die Beschreibungen für Erzeugnisse aus dem Hause Weinzierl benötigen unterschiedliche Zeilenlängen, beispielsweise für das Produkt "A" drei Zeilen und für das Produkt "B" 15 Zeilen. Mit dem verfügbaren Formulargenerator von B1 könnten Programmierer aber nur eine Zeilenanzahl definieren - also entweder 3 oder 15. Damit bei einem 15-zeiligen Artikel alle Angaben gedruckt werden, musste das Systemhaus der Software dafür auch 15 Zeilen vorgeben. Das hat bei dreizeiligen Artikel zur Folge, dass der Platz für zwölf Zeilen auf dem ausgedruckten Formular leer bleibt. "Im Extremfall haben Sie dann den Adresskopf und einen Artikel auf der ersten Seite, der Rest bleibt leer", erklärt Hauser. Damit Weinzierl sein Unternehmen starten konnte, legte das Waiblinger Softwarehaus die Formulare zunächst mit B1 an. Doch das konnte keine dauerhaft akzeptable Lösung sein.

Crystal-Report überbrückt B1-Mängel

Deshalb löste der SAP-Partner das Problem mit dem Report-Generator des Herstellers Crystal. "Report" ist als Stand-alone-Produkt oder als Bestandteil von "Visual Studio" von Microsoft erhältlich. Die Report-Software erzeugt ein RPT-File, das von dem in Crystal enthaltenen Exe-Programm in der Anwendungssoftware interpretiert wird. Die RPT-Datei enthält also quasi einen Zwischencode, in dem der Inhalt des Reports dargestellt wird. Beispielsweise ist dort in der Datei "Auftrag" beschrieben, an welcher Stelle das Feld Kundennummer gedruckt werden soll. Um ein Auftragsformular zu drucken, ruft der Anwender den in dem Menüpunkt "Externe Programme" von B1 festgelegten Exe-Code auf und gibt das RPT-File als Parameter an. "So lässt sich der Druck aus B1 heraus starten", erklärt Tieze.

Trotz der Benutzer- und Programmierfreundlichkeit von Crystal Report hätte der Programmierer diese Funktionalität lieber in der SAP-Software integriert gesehen. Der Report-Generator von B1 sei dagegen schwerfällig. Würden Entscheidungsfelder gebraucht - zum Beispiel ein Feld soll gedruckt werden oder nicht -, dann benötige B1 drei bis vier blinde Felder, um dies zu realisieren. "Das ist sehr umständlich", kritisiert Tieze. Mit Crystal Report sei das sehr viel einfacher. Dort könne er zum Beispiel direkt definieren, dass ein gefülltes Feld gedruckt wird und ein leeres nicht.

Tiefe Add-on-Integration erst nach SDK-Freigabe

Die Zusatzlösung für den Fertigungsbereich Be.as hat der SAP-Channelpartner Weber Datentechnik mit dem Software Developer Kit (SDK) für das KMU-Paket entwickelt. Das Add-on ermöglicht es, die vom Kunden Weinzierl in Business One erfassten Kundenaufträge den Fertigungsaufträgen gegenüberzustellen. "Das Unternehmen kann so Unterdeckungen bei den Enderzeugnissen erkennen", erklärt Jochen Clemens, Geschäftsführer bei Weber Datentechnik.

Über eine Stücklistenauflösung ermittelt Be.as eine Bestellvorschlagsliste. Die Software liest die Daten aus Business One heraus und zeigt sie an, schreibt aber Informationen nur im Artikelstamm wieder zurück, weil dort die Bestände aktualisiert werden müssen. "Wir verhalten uns vorsichtig", betont Clemens. Wenn das SDK offiziell freigeben sei, dann werde die Integration in B1 vertieft.

www.waiblingersh.de

www.weber-datentechnik.de

www.sap.de

www.crystaldecisions.de

ComputerPartner-Meinung

Das Waiblinger Softwarehaus führte Business One in Rekordzeit ein. Das spricht für das Systemhaus, aber auch für die Software. Gegen das Anwendungspaket in der aktuellen Version sprechen allerdings funktionale Mängel wie die beim Formulargenerator. In dem ab August verfügbaren Release 6.2 müssen die Walldorfer beweisen, dass sie willens und fähig sind, die Kinderkrankheiten auszuräumen. (hei)

Solution Snapshot

Kunde: KHW Komponenten Herstellung und WeiterverarbeitungKirchstraße 47, 70794 Filderstadt-Plattenhart, Karl-Heinz Weinzierl

Problemstellung: Neugründung eines Fertigungsunternehmens im Januar 2003, kurzfristiger Einsatz des ERP-Systems SAP "Business One" mit erweitertem Fertigungsmodul "Be.as" der Firma Weber Datentechnik, Übernahme der vorhandenen Artikeldaten aus SAP/R3-System

Lösung: Client/Server, SAP Business One/Be.as, Datenbank Microsoft SQL-Server

VAR: Waiblinger Softwarehaus GmbH, Mayenner Str. 12-14, 71332 Waiblingen Projektverantwortliche: Jürgen Braun, Heinz Hauser

Subunternehmer: Weber Datentechnik GmbH, Scharnhorststraße 21, 75177 Pforzheim Projektverantwortliche: Jochen Clemens, Rainer Vischer

vorhandene Soft- und Hardware: Software: Windows 2000/Windows XP, Hardware, ein Server, vier Clients

implementierte/installierte Software: SAP Business One und Fertigungsmodul Be.as

Kontaktaufnahme: durch Karl-Heinz Weinzierl Mitte Dezember 2002

Verhandlungsdauer: 14 Tage

größte Herausfoderung: kurzfristige Entscheidung des Anwenders, kurzfristige Installation und Integration des Fertigungsmoduls Be.as

unerwartete Schwierigkeiten: Erstellung der Verkaufs- und Einkaufbelege mit dem Formulargenerator von SAP Business One

Länger in Anspruch genommen als vorausgesehen hat: Anpassung vorher genannter Belege

Implementierungsdauer: 14 Tage

aufgewendete Mannstunden (VAR): drei Mannmonate

Kostenumfang des Projekts: ohne Hardware zirka 30.000 Euro

Verhältnis Software/Dienstleistung: 17.000/13.000 Euro

Service- und Wartungsverträge: ja, First Level Support durch Waiblinger Softwarehaus. Vertragslaufzeit: 1 Jahr

Benefit für Kunden: Mit Beginn der Produktion ein lauffähiges integriertes System zur Verfügung zu haben, sehr kurze Einführungszeit, geplanter Kostenrahmen wurde eingehalten

Benefit für VAR: Referenzkunde, Folgegeschäfte in dieser Branche mit SAP Business One und Be.as