Oracle lockt Bestandskunden

Support-Rabatt für Cloud-User

Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Mit einem ungewöhnlichen finanziellen Anreizsystem will Oracle seine Cloud attraktiver machen. Wer Ressourcen in der Oracle Cloud Infrastructure kauft, bekommt einen Nachlass auf die Wartungsgebühren seiner On-premises-Software.
Oracle verspricht einen Rabatt von 25 Prozent auf die Wartung, in bestimmten Fällen können es sogar 33 Prozent werden.
Oracle verspricht einen Rabatt von 25 Prozent auf die Wartung, in bestimmten Fällen können es sogar 33 Prozent werden.
Foto: Goritza - shutterstock.com

Mit einem Prämien-Programm lockt Oracle seine Kunden in die Cloud. Im Rahmen der Oracle Support Rewards soll die Klientel einen Nachlass auf ihre Wartungsgebühren für On-premises-Software erhalten, wenn sie im Gegenzug Workloads in die Oracle Cloud Infrastructure (OCI) verlagern. Für jeden Dollar, der in OCI Universal Credits investiert wird, gibt es eine Support-Prämie von 25 Cent. Kunden mit einem Unlimited License Agreement (ULA) sollen sogar einen Bonus von 33 Cent bekommen. Ein ULA-Kunde mit einer Support-Rechnung von 500.000 Dollar könnte diese komplett auf null setzen, wenn er für 1,5 Millionen Dollar Ressourcen in der Oracle-Cloud buchen würde, rechnen die Verantwortlichen des Datenbankspezialisten vor.

"OCI ist der am schnellsten wachsende Geschäftsbereich von Oracle", sagte Larry Ellison, Gründer, Chairman und Chief Technical Officer (CTO) von Oracle. Der Manager hob die Generation 2 der eigenen Cloud-Infrastruktur hervor und betonte, diese könne die anspruchsvollsten geschäftskritischen Workloads schneller, zuverlässiger und sicherer ausführen als Oracles eigenen On-premises-Systeme. "Wir wollen mehr Kunden in die Lage versetzen, die Vorteile unserer Gen 2 Oracle Cloud Infrastructure zu nutzen", warb Ellison. "Mit den Oracle Support Rewards können Kunden auf einfache Weise ihre Ausgaben für Software-Support reduzieren und gleichzeitig die Geschwindigkeit ihrer Cloud-Einführung erhöhen."

Stefanie Kemp, Country Managerin von Oracle Deutschland, betont, dass in allen Unternehmen der Wechsel in die Cloud vorangetrieben werden müsse - auch damit sich digitale Innovationen leichter umsetzen ließen. Dafür fehle den Betrieben jedoch oft das Budget - "eine beträchtliche Herausforderung, gerade in Zeiten dünner Personaldecken und eng getakteter Projektlaufzeiten". Das Oracle Support Rewards-Programm solle helfen, die Migration in die Cloud zu beschleunigen und die Kosten für den Softwarelizenz-Support zu verringern. "Das Prinzip hinter dem Programm ähnelt den Bonuskonzepten für Vielflieger."

Damit die Kunden den Überblick über ihre Cloud-Buchungen und die damit zusammenhängenden Prämien behielten, will Oracle im Herbst ein Update seiner OCI-Konsole herausbringen. Dort sollen die Support Rewards jeden Monat automatisch hinzugefügt werden. Anwender könnten sich diese Prämien jederzeit auf ihre Wartungsgebühren anrechnen lassen. Oracle zufolge gibt es kein Limit für die Anzahl der Oracle Support Rewards, die ein Kunde sammeln kann. Sie müssen allerdings innerhalb von zwölf Monaten verbraucht werden.

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Wer das Oracle Support Rewards Program in Anspruch nehmen möchte, sollte allerdings auf die Details achten. Die Prämien erhalten nur Kunden, die Annual Universal Credits für die Oracle-Cloud kaufen und nutzen. Dabei handelt es sich um eine Art Cloud-Guthaben, das Anwender im Voraus bezahlen müssen. Dieses gilt für 12 Monate und muss auch in diesem Zeitrahmen aufgebraucht werden. Monatlich werden die genutzten Cloud-Leistungen von den gebuchten Annual Universal Credits abgebucht. Nicht genutzte Credits verfallen.

Oracle bietet darüber hinaus mit Pay as you Go (PayG) eine nutzungsbasierte Preisoption für seine Cloud. Hier werden die Gebühren jeden Monat nachträglich für die tatsächlich genutzte Cloud-Leistung in Rechnung gestellt. Es gibt keine Vorabverpflichtung und keine Mindestlaufzeit. Der Haken: PayG-Kunden sind zum derzeitigen Stand nicht berechtigt, das Support-Rewards-Programm in Anspruch zu nehmen.

Den Nachlass auf die On-premises-Wartungsgebühren gewährt Oracle zudem nur auf seine Infrastruktur-Software, also auf Datenbank- und Middleware-Lizenzen. Business-Anwendungen wie beispielsweise das übernommene Peoplesoft-ERP bleiben außen vor. Prämien gibt es außerdem nur für die Nutzung von Oracles Infrastructure as a Service (IaaS) und Platform as a Service (PaaS). Dienste von Drittanbietern wie VMware oder Microsoft beziehungsweise aus dem Oracle Cloud Marketplace werden nicht für den Wartungsnachlass angerechnet. Auch für die Nutzung von Oracles eigenen Software-as-a-Service (SaaS-)Angeboten gibt es keine Prämienpunkte.

"Geht's Larry gut?"

Trotz der Einschränkungen ist der Schritt bemerkenswert und vor allem ungewöhnlich. Insidern zufolge seien intern - sicherlich nicht ganz ernst gemeint - Fragen aufgekommen, ob bei Larry alles in Ordnung sei. "Viele Leute in unserem Geschäft veröffentlichen keine Preise und keine Rabattstufen. Das ist etwas, was Sie mit Ihrem Verkäufer aushandeln", sagte Ellison anlässlich der Vorstellung der Support Rewards. "Wir gehen weg davon: Wir senken die Preise und veröffentlichten Preislisten sowie Standard-Volumenrabatte." CIOs verlangten, dass Rabatte transparent sind, so dass sie wissen, was sie verhandeln, sagte der Oracle-Gründer.

Oracle versucht, sich für die Cloud-Ära neu zu erfinden, urteilt indes Roy Illsley, Chefanalyst bei Omdia. "Oracle hat sich angeschaut, was seine Kunden sagen und auf eine sehr Oracle-untypische Weise reagiert. Diese Kredite sind großzügig", sagte er. Aus Sicht von Dave McCarthy, Research Vice President für Cloud- und Edge-Infrastrukturdienste bei IDC, hat Oracle seine Komfortzone verlassen. Der Konzern habe erkannt, dass er anders denken muss als seine Cloud-Wettbewerber, um die Akzeptanz von OCI zu beschleunigen. Oracle liege bei den Cloud-Marktanteilen weit zurück, unternehme aber die richtigen Schritte, um wahrgenommen zu werden, so McCarthy. "Sie werden aggressiver, zielen auf Allzweck-Workloads ab und schöpfen sogar einige Cloud-native Workloads von den großen Drei ab."

Gartner zufolge ist der weltweite Markt für Infrastruktur-as-a-Service (IaaS) 2020 um über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 64,3 Milliarden Dollar gewachsen. 2019 waren es noch 45,7 Milliarden Dollar. Amazon bleibt mit großem Vorsprung und einem Marktanteil von fast 41 Prozent Spitzenreiter im IaaS-Markt, gefolgt von Microsoft (19,7 Prozent), Alibaba (9,5 Prozent), Google (6,1 Prozent) und Huawei (4,2 Prozent). Gemeinsam kontrollieren die Top five rund vier Fünftel des weltweiten IaaS-Marktes. Oracle rangiert als ein Anbieter unter vielen im Feld des restlichen Fünftels.

Oracle hat Nachholbedarf

Oracle hat den Eintritt ins Cloud-Zeitalter lange verschlafen und muss jetzt aufholen. Ob der Fokus auf klassische IaaS- und PaaS-Dienste der Richtige ist, ist jedoch fraglich. "Die Zeiten, in denen CIOs in Cloud-IaaS und Platform as a Service (PaaS) investiert haben, sind längst vorbei", sagte Gartner-Analyst Sid Nag. Der Cloud-Markt werde zwar weiter wachsen. Echte Chance für die Anbieter ergäben sich jedoch vor allem in Cloud-nahen Technologiemärkten wie Edge, 5G und KI. "CIOs wollen in Technologien investieren, die ihre komplexen und neu entstehenden Anwendungsfälle adressieren."

Björn Bröhl, Vorstandsvorsitzender der DOAG, begrüßt den finanziellen Cloud-Anreiz, mahnt aber auch mehr Qualität im Support an.
Björn Bröhl, Vorstandsvorsitzender der DOAG, begrüßt den finanziellen Cloud-Anreiz, mahnt aber auch mehr Qualität im Support an.
Foto: DOAG

Zumindest könnte das Support Rewards Program aber die Einstiegshürden in die Oracle-Cloud senken. "Das Oracle Support Rewards Program ist ein guter, für Oracle sehr ungewöhnlicher, finanzieller Anreiz zur Reduzierung der Supportkosten für On-Premises-Kunden, wenn sie ihre Workloads in die Oracle-Cloud bringen", konstatierte Björn Bröhl, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Oracle Anwendergruppe (DOAG). Aber, so schränkt der Anwendervertreter ein, neben dem Anreiz zur Nutzung von Oracle Cloud Services wünschten sich die Anwender seit langem einen qualitativ besseren Support. "Es bleibt fraglich, ob Oracle dies gewährleisten kann, wenn die Einnahmen dafür reduziert werden."

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