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Kanzlerin Merkel und der Roboter-Praxischeck

"Was kann der so?"

24.04.2017
Roboter, wohin man blickt - und alle sollen möglichst intelligent sein und künftig zu Helfern des Menschen werden. Schöne neue Welt? Kanzlerin Merkel füllt den Anspruch der Hannover Messe auf ihre ganz eigene Weise mit Leben.
 Angela Merkel auf der Hannover Messe 2017.
Angela Merkel auf der Hannover Messe 2017.
Foto: HANNOVER MESSE

Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt zum Kern der Sache vor: "Was kann der so?", will die CDU-Politikerin bei ihrem traditionellen Rundgang auf der Hannover Messe am Stand des Roboterbauers Kuka wissen und zeigt auf einen Roboterarm. Es ist eine ganze Menge. Und noch viel mehr ist geplant in der vernetzten Industrie - Roboter, die selber lernen und den Menschen bei der Arbeit in der Fabrik helfen, fahrerlose Transportfahrzeuge oder mobile Assistenzroboter. Was davon ist Zukunftsmusik, was in absehbarer Zeit realistisch? Kanzlerin Merkel kommt zu dem Schluss: "Industrie 4.0 ist nicht nur ein Projekt."

Für all zu viele Details bleibt während der Tour allerdings keine Zeit. Los ging es beim diesjährigen Partnerland Polen. Dessen Regierungschefin Beata Szydlo hofft auf "dynamisch" sich entwickelnde Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen. Ohnehin scheint "dynamisch" ihr Lieblingswort zu sein - zumindest in der Übersetzung: Industrie 4.0 sei eine Welt der jungen, kreativen, dynamischen Unternehmen. Szydlo betont, 200 polnische Unternehmen seien auf der Hannover Messe - mehr als je zuvor.

Kanzlerin Merkel hofft ihrerseits auf ein "neues Kapitel in den deutsch-polnischen Beziehungen". Die Messe mache es möglich, Polen von einer anderen Seite kennenzulernen: "Das digitale Polen, das kennen wir noch nicht so gut." Ganz virtuell eröffnen die beiden Politikerinnen die Messe - bei der Berührung einer großen Leinwand öffnet sich ein virtuelles Band. Gut zwei Stunden Zeit nehmen sich Merkel und Szydlo dann für ihre Runde durch die Hallen.

Interessiert und neugierig beäugt die Kanzlerin einen kleinen polnischen Roboter, der Kindern das Programmieren beibringen soll. Geduldig lässt sie sich das Gerät erklären, lacht und fasst den Roboter gespannt an: "Sehr schön", kommentiert sie. Am Stand von Siemens geht der Blick besonders weit in die Zukunft: Vorstandschef Joe Kaeser zeigt den Politikerinnen einen Entwurf der Industrie 5.0 - autonome Roboter, die miteinander kommunizieren, voneinander lernen und sich gegenseitig helfen. 3D-Druck-Technik ist schon integriert. Aber: "Das ist noch Zukunftsmusik", erklärt Kaeser.

Ein originelles Geschenk hat der Siemens-Chef auch für die Kanzlerin: eine kleine Merkel-Figur aus dem 3D-Drucker. Bei den Maßen habe man mit Näherungswerten gearbeitet, ergänzt er hastig. Merkel lacht und beäugt ihr dreidimensionales Ebenbild genau - und etwas skeptisch.

Wo immer Merkel auftaucht, sind nicht nur Fernsehkameras - auch viele Arme von Messe-Besuchern und Ausstellern mit Smartphones recken sich in die Höhe. Beim Automatisierungsspezialisten Lenze nimmt sich die CDU-Politikerin Zeit für einige Fragen an Auszubildende. Ein Selfie ist hier selbstverständlich - rot im Gesicht vor Aufregung machen die Azubis ihre Fotos. Für die Kanzlerin ist der Ausflug in die Welt der Industrie 4.0 ansonsten Routine. Höfliches Händeschütteln, geduldiges Zuhören und angespanntes Lächeln vor einem Pulk von Journalisten aus aller Welt - sie kennt das.

Auf ihrem Rundgang stellt Merkel immer wieder Fragen - nach der Mitarbeiterzahl oder der Produktion in Polen. Bei VW-Konzernchef Matthias Müller ist sie damit an der richtigen Adresse: Der neue Kleintransporter Crafter werde ausschließlich in Polen gebaut. Ab 2018 soll nach VW-Angaben der elektrische Crafter mit 200 Kilometern Reichweite auf den Markt kommen. Für den Baustellenverkehr sei er wegen des hohen Gewichts der Batterie nicht geeignet. Merkel kommentiert: "Dann machen Sie erstmal Zustellverkehr, das ist ja auch schon was."

Und schon zieht der Tross weiter. Beim Hersteller Festo lässt die Kanzlerin ihren Arm von einem dem Oktopus-Tentakel nachempfundenen Roboter greifen - schließlich sollen Mensch und Roboter Hand in Hand arbeiten. Das ist jedenfalls das Credo der Hannover Messe. (Thomas Strünkelnberg, dpa/ib)