Virtuelle Maschinen

Was Windows Virtual Desktop bringt

Daniel Vollmer ist Managing Director & Chief Architect bei der AppSphere AG.
Mit Windows Virtual Desktop läutet Microsoft eine neue Ära in Sachen Virtualisierungs-Services ein. Vor allem für die Admins verspricht der Azure Service Entlastung.

Remote-Zugriff auf Windows-Anwendungen aus dem Home Office, von unterwegs oder als zentral bereitgestellte Plattform für entfernte Standorte – das ist längst Alltag in deutschen Unternehmen. Mit der immer stärkeren Nutzung von SaaS-Anwendungen aus der Cloud, nicht zuletzt durch Office 365, verliert diese Art der Anwendungsbereitstellung in letzter Zeit jedoch zunehmend an Bedeutung. Der Handlungsdruck durch ein vermeintlich absehbares Support-Ende von Office 365 ProPlus auf Windows-Servern mit Remote Desktop Services ist zwar mittlerweile gewichen.

Mit dem Windows Virtual Desktop ist nun auch Microsoft in das Geschäft mit virtuellen Desktops aus der Cloud eingestiegen.
Mit dem Windows Virtual Desktop ist nun auch Microsoft in das Geschäft mit virtuellen Desktops aus der Cloud eingestiegen.
Foto: Dzianis Rakhuba - shutterstock.com

Doch immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine zentral gehostete Remote-Desktop-Lösung auf Azure nicht nur Vorteile bei der Verwaltung bringt, sondern auch bei den Kosten mit lokal bereitgestellten RDS-Umgebungen konkurrieren kann. Mit den nun in Microsoft Azure bereitstehenden Windows Virtual Desktop Services bringt Microsoft einen würdigen Nachfolger für die Desktop- und Anwendungs-Virtualisierung. Doch was ist das Besondere an dieser neuen Remote-Lösung?

Windows Virtual Desktop (WVD) ermöglicht es, alle Apps und Desktops der verschiedenen Betriebssysteme in einer einzigen, leicht verständlichen Oberfläche zusammenzufassen. Für Admins bedeutet das eine enorme Arbeitserleichterung bei der Verwaltung. Doch dabei belässt es WVD nicht.

Windows Virtual Desktop mit Office 365 ProPlus Support

Für Unternehmen, die einen Vorteil aus der Remote-Bereitstellung von Anwendungen schöpfen, wird Window Virtual Desktop im Grunde künftig unausweichlich, denn es ist das einzige System, das die Virtualisierung von Office 365 ProPlus auch nach 2025 unterstützt. Der Betrieb von Office 365 ProPlus wird heute zwar auch auf Windows Server 2016 und 2019 unterstützt - das Ende ist jedoch absehbar.

Microsoft setzt in Zukunft verstärkt auf Windows Server ohne eigene Benutzeroberfläche. Das ist sinnvoll und notwendig, da eine Administrationsoberfläche nicht zwingend auf dem Server selbst laufen muss. Mit den Microsoft Remote Server Administration Tools (RSAT) kann die Verwaltung von jedem Arbeitsplatz aus erfolgen. Mit dem künftigen Wegfall einer Windows Shell werden aber auch die Remote Desktop Services (RDS) unter Windows Server ein Ende finden. Deswegen sind Unternehmen gefordert, sich auf jeden Fall mit Windows Virtual Desktop zu beschäftigen.

Hier ist ebenfalls bereits ein professionelles User Management integriert. Somit sind Office 365 ProPlus ebenso wie andere Anwendungen wie Teams und OneDrive for Business auf einem Multiuser-System lauffähig. Das Besondere hierbei ist, dass dieses Multiuser-System auf Windows 10 basiert, das – im Gegensatz zu Windows Server – von vorneherein auf die Anzeige von Anwendungen für den Endbenutzer optimiert ist. Auch damit wird bei IT-Verantwortlichen und -Administratoren Planungssicherheit hinsichtlich ihrer heutigen Citrix- beziehungsweise Remote-Desktop-Services-Plattformen erreicht.

Virtuelle Maschinen aus der Cloud

Der Windows Virtual Desktop Service wird aus der Cloud bezogen und ausgeführt. Für Unternehmen bringt das Vorteile bezüglich der Skalierbarkeit und klar kalkulierbarer Kosten – ein sich verändernder Unternehmensbedarf, egal ob nach oben oder nach unten, kann schnell und einfach angepasst werden. Zudem zahlt man nur den tatsächlichen Verbrauch von Computerressourcen. Die Anschaffung eigener Hardware gehört der Vergangenheit an.

Das Management virtueller Desktop-Infrastrukturen soll sich mit WVD vereinfachen, versprechen die Microsoft-Verantwortlichen.
Das Management virtueller Desktop-Infrastrukturen soll sich mit WVD vereinfachen, versprechen die Microsoft-Verantwortlichen.
Foto: AppSphere AG

Zudem spielt das Azure Active Directory (AD), das Office 365-Kunden sowieso schon im Einsatz haben, eine zentrale Rolle, denn es ist eine zentrale Voraussetzung von WVD. Das ergibt gleich aus mehreren Gründen Sinn. So lässt sich die Authentifizierung direkt in Azure AD abwickeln. Außerdem verbleibt die Verwaltung der Nutzer an einer zentralen Stelle. In Azure AD wird auch die WVD-Verwaltung angedockt, mit der dann die virtuellen Computer sowie die Bereitstellung und Migration von neuen und alten Apps schnell gemanagt wird.

Nicht zu vergessen hierbei ist auch die Nutzung von Microsofts FSlogix-Komponenten. FSlogix, das 2018 von Microsoft übernommen wurde, bietet umfangreiche Möglichkeiten, um Anwendungen und Zugriff in WVD-Umgebungen zu verwalten:

  • Profile Container (Auslagern der Benutzerprofile in VHDX-Dateien im Netzwerk),

  • App Attach (Auslagern von Anwendungen auf VHDX-Dateien mit transparenter Einbindung in das lokale Betriebssystem) und

  • App Masking (Zugriffskontrolle für Anwendungen).

FSlogix ist ohne Zusatzkosten in Windows 10 Enterprise, Office 365 Business und weiteren Produkten von Microsoft enthalten.

Windows Virtual Desktop - Win10 ist multisessionfähig

Die WVD Edition von Windows 10 ist das erste Windows-Client-Betriebssystem, das komplett multisessionfähig ist. Anwender müssen keinen Bruch mehr hinnehmen, wenn es gilt, zwischen einem lokalen Client- und Serverbetriebssystem zu unterscheiden. Außerdem entfallen verschiedene Einschränkungen, die sich durch den Betrieb eines Server-Betriebssystems für den Endanwender ergeben.

Die Windows Server-Betriebssysteme waren ursprünglich nicht für die Darstellung einer großen Zahl von Vordergrundanwendungen gedacht, sondern für die effiziente Ausführung von Hintergrundanwendungen. Das Ansprechverhalten in klassischen RDS-Umgebungen ist folgerichtig anders als in einer Multisession-Variante des Workstation-Betriebssystems von Microsoft. Admins sind in der Lage, Ressourcen für mehrere Sitzungen zusammenzufassen, die Anzahl virtueller Computer und somit auch den Aufwand zu reduzieren.

Dei Bereitstellung virtueller Desktops soll mit Hilfe von Windows Virtual Desktop einfacher und schneller funktionieren.
Dei Bereitstellung virtueller Desktops soll mit Hilfe von Windows Virtual Desktop einfacher und schneller funktionieren.
Foto: AppSphere AG

Darüber hinaus können Anwender mit jedem Endgerät auf den WVD zugreifen. Beim Zugriff über ein Apple iPad wird sogar eine Mausbedienung unterstützt.

Windows Desktop as a Service meets Citrix

Citrix hat sich als größter ValueAdd-Anbieter für Remote Desktop Services entsprechend positioniert und bietet Zusatzdienste für Windows Virtual Desktop an. Die bislang von Citrix offerierten Cloud-Services wurden anfänglich zwar nur zögerlich angenommen, da das Preismodell und die damit verbundenen Vorteile gegenüber der klassischen Nutzung keinen ausreichenden Mehrwert für den Großteil der Kunden aufwies. Ursprünglich sah es deshalb so aus, als ob Citrix vorläufig keine Erweiterungen oder einen eigenen Protokollaufsatz für Windows Virtual Desktop plante.

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Dies hat sich jedoch geändert: Citrix bietet neben der transparenten und gleichberechtigten Integration mit Citrix Workspace zusammen mit den eigenen Cloud- und On-Premises-Lösungen oder klassischen Cloud-Diensten eine Erweiterung von Windows Virtual Desktop um das Citrix HDX-Protokoll an. Damit werden eine ähnlich effiziente Verwaltung und Zugriffe wie bei klassischen Citrix App- und Desktop-Virtualization-Lösungen) erreicht. WVD kann folglich mit denselben Mitteln wie XenApp/XenDesktop verwaltet werden, was gerade für hybride Umgebungen mit lokalen RDS-Lösungen eine große Arbeitserleichterung ist. Die Zusatzkomponente Citrix XenApp/XenDesktop ist zwar technisch nicht mehr notwendig, bietet aber immer noch einen Mehrwert. (ba/fm)