Der versüßte Abschied

Abfindung und Steuer bei Kündigung

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
So mancher Chef erklärt sich zur Zahlung einer Abfindung bereit, um eine schnelle Einigung mit dem ausscheidenden Mitarbeiter zu erzielen. Aber was gilt es dabei zu beachten, um keinen Ärger mit dem Finanzamt zu bekommen?

Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, erhoffen sich meist eine finanziell Entschädigung in Form einer Abfindung. Eine Klage auf eine solche einmalige Geldleistung ist jedoch in vielen Fällen ausgeschlossen. Anders sieht es bei einer Kündigungsschutzklage aus. Viele Chefs sind unter bestimmten Voraussetzungen zur Zahlung einer Abfindung bereit. Welche Gründe haben sie dafür, müssen Sie Ihre Abfindung versteuern, was ist die Fünftelregelung und brauchen Sie einen Fachanwalt oder nicht? Wer sich eine Abfindung erhofft, hat in der Regel viele offene Fragen.

Die Höhe der Abfindung hängt von vielen Faktoren ab. Die zu zahlende Steuer kann die Freude aber nachhaltig trüben.
Die Höhe der Abfindung hängt von vielen Faktoren ab. Die zu zahlende Steuer kann die Freude aber nachhaltig trüben.
Foto: Dean Drobot - shutterstock.com

Abfindungen versteuern oder nicht?

Nachdem es Ihnen gelungen ist, eine Abfindung auszuhandeln, stellt sich die Frage, wie darauf das Finanzamt reagiert? Bereits 2006 wurde der früher geltende Steuerfreibetrag für Abfindungen abgeschafft. Das bedeutet, dass Ihre Abfindung in voller Höhe der Lohnsteuerpflicht unterliegt. Das ist die schlechte Nachricht. Es gibt auch auch eine gute Nachricht: Als außerordentliche Einkünfte werden Abfindungen im Vergleich zum gewöhnlichen Arbeitsverdienst steuerlich besonders behandelt (§ 34 EStG). Das führt uns zur sogenannten Fünftelregelung. Sie wird auch Fünftelungsmethode genannt.

Was ist die Fünftelregelung bei Abfindungen?

Wie funktioniert die Fünftelregelung? Eigentlich ist es gar nicht so schwer, sie zu verstehen. Zunächst errechnen Sie oder Ihr Steuerberater die Lohn- oder Einkommenssteuer für das reguläre Jahreseinkommen. Dann addieren Sie ein Fünftel der Abfindung zum Einkommen hinzu und ermitteln wiederum die Einkommenssteuer. Die Differenz zwischen den beiden Einkommenssteuersummen verfünffachen Sie nun. Dieser Posten rechnen Sie zuletzt der Steuerlast hinzu, die sich ohne Ihre Abfindung ergeben würde.

Die Fünftelregelung zahlt sich insbesondere vor allem für Arbeitnehmer mit eher niedrigerem Einkommen aus. Wer allerdings zu den Top-Verdienern zählt, profitiert dagegen weniger oder sogar gar nicht von ihr.

Mindert meine Abfindung das Arbeitslosengeld, das mir zusteht?

In der Regel ist das nicht der Fall. Und zwar hängt das nicht davon ab, wie hoch Ihre Abfindung ausgefallen ist. Die Abfindung hat Auswirkungen auf Ihren Anspruch auf das Arbeitslosengeld (im Gegensatz zum Arbeitslosengeld II). Es gibt aber eine Ausnahme, die zur Anrechnung der Abfindung auf Ihr Arbeitslosengeld führen kann. Nämlich dann, wenn Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber bei einem Abfindungsvergleich - etwa im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens - auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses geeinigt haben und dadurch die für Sie geltende Kündigungsfrist verkürzt wurde.

Auf der anderen Seite bedeitet das jedoch nicht, dass Sie insgesamt weniger Geld von der Arbeitsagentur erhalten. Auch bei einer Sperrzeit ist das nicht der Fall. Die Zahlung der Ihnen zustehenden Bezüge setzt dann einfach zu einem späteren Zeitpunkt ein.

Vorsicht ist aber bei Aufhebungs- und Abwicklungsverträgen geboten. Eine Unterschrift unter einen solchen Vertrag kann sich nachteilig auf Ihre Ansprüche auf das Arbeitslosengeld auswirken. Da die ganze Materie sehr kompliziert ist, sollten Sie sich fachkundige Hilfe holen. Fragen Sie einen Fachanwalt für Arbeitsrecht bevor Sie einen solchen Vertrag unterschreiben.

Die Höhe der Abfindung nach einer Kündigung hat keine direkten Auswirkung auf die Höhe des Arbeitslosengeldes.
Die Höhe der Abfindung nach einer Kündigung hat keine direkten Auswirkung auf die Höhe des Arbeitslosengeldes.
Foto: Gunnar Pippel - shutterstock.com

Wovon hängt die Höhe der Abfindung ab?

Ein weiteres wichtiges Thema ist natürlich oft die Höhe der Abfindung. Die geleistete Summe ist meist reine Verhandlungssache. Es gibt keine Ansprüche auf bestimmte Summen. Die Höhe hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Da wären zum Beispiel:

• Die Dauer Ihrer Betriebszugehörigkeit: je länger Sie dabei waren, desto besser.

• Wie sehen die Rechtslage und die Sachlage aus? Hier ist wieder ein Fachanwalt sehr hilfreich. Falls Sie Mitglied in einer Gewerkschaft sind, sollten Sie sich dort Hilfe holen.

• Kommt es zu einer Kündigungsschutzklage und wie verläuft das Gerichtsverfahren? Je länger ein Prozess dauert, desto höher ist das Kostenrisiko für Ihren ehemaligen Chef. Er wird also meist ein Interesse daran haben, das Verfahren abzukürzen.

• Die meisten Arbeitgeber wollen die frei gewordene Stelle zudem meist wieder schnell neu besetzen können.

• Nicht zuletzt haben auch die Auswirkungen des Job-Verlustes auf den Arbeitnehmer eine Auswirkung auf die zu erwartende Höhe der Abfindung.

Je höher Ihre Chancen sind, dass ein etwaiger Kündigungsschutzprozess zu Ihren Gunsten entschieden wird, desto höher ist in der Regel die erzielbare Abfindung. Bestehen dagegen eher geringe Zweifel an der Wirksamkeit der Kündigung, dürfte die angebotene Summe niedriger ausfallen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die ordentliche oder außerordentliche Kündigung keine inhaltlichen und formalen Fehler aufweist. Ob sie Fehler enthält, kann ein Anwalt besser beurteilen als juristische Laien.

Was ist die Regelabfindung?

Die Regelabfindung, die auch als Faustformel oder Daumenformel bezeichnet wird, ist eine Art Richtschnur zur Berechnung von Abfindungen. Sie basiert vor allem auf zwei Punkten:

• Einmal von der Höhe des zuletzt gezahlten Monatsgehalts und

• zudem von der Beschäftigungsdauer des Arbeitnehmers im Betrieb.

Die Regelabfindung ist jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Sie dient vielmehr als Richtwert für Vergleichsverhandlungen. So kann die tatsächlich vereinbarte Abfindungssumme deutlich höher oder niedriger ausfallen. Ebenfalls von Bedeutung: Bundesweit werden verschiedene Formeln angewendet, die teilweise auch das Alter des Beschäftigten zugrunde legen. Nach der am häufigsten genutzten Formel beträgt die Regelabfindung einen halben Bruttoverdienst je Beschäftigungsjahr.

Sind Abfindungen nicht sozialabgabenpflichtig?

Nein, das ist nicht der Fall. Für Sozialkassen sind bei Erhalt einer Abfindung keine zusätzlichen Abgaben zu entrichten. Weder für die Kranken- und Rentenversicherung noch für die Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

Lohnt sich die Beratung durch einen Fachanwalt?

Auf jeden Fall! Manchmal bieten Arbeitgeber von sich aus eine Abfindung an - auch ohne dass der gekündigte Mitarbeiter auf Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses klagt. Ihr ehemaliger Chef möchte damit eine Kündigungsschutzklage vermeiden. Selbst wenn er sie gewinnt, entstehen ihm dadurch aber Kosten. Schon eine mit Hilfe eines Fachanwalts angedrohte Klage vor dem Arbeitsgericht kann Ihre Chancen auf eine höhere Abfindung erheblich steigern.