Airbus bricht Verkaufsgespräche mit Atos ab

Atos bekommt massive Probleme

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
Atos hat sich über die Jahre ein umfangreiches Produkt- und Dienstleistungsportfolio zusammengekauft. Die Sammlung erweist sich aber als schwer verkäuflich: Jetzt hat Airbus die Gespräche über den Verkauf der Big-Data- und Security-Sparte abgebrochen.
Die seit 2022 geplante Aufspaltung von Atos in zwei Firmen funktioniert an allen Ecken und Enden nicht.
Die seit 2022 geplante Aufspaltung von Atos in zwei Firmen funktioniert an allen Ecken und Enden nicht.
Foto: Tobias Arhelger - shutterstock.com

Als Briefmarkensammler kennt man das: Die mühsam über die Jahre erworbene Sammlung ist dann, wenn man sich zum Verkauf entschließt, längst nicht mehr das wert, was man erhofft hat - und überhaupt einen Käufer zu finden, erweist sich schon als schwer. So geht es jetzt gerade Atos.

2022 hatte der französische Konzern festgestellt, dass seine Firmen-Sammlung am Markt nicht optimal agieren kann. Ergebnis der Analyse war der Plan für die Aufspaltung in zwei börsennotierte Firmen. An einem Teil der als zukunftsfähiger geseheneren Sparte, dem IAM-Spezialisten Evidian hatte Airbus Interesse. Die Gespräche wurden jedoch im März 2023 auf Eis gelegt.

Jetzt hat Airbus zudem erklärt, dass es an der gesamten Sparte für Big Data und Cybersecurity (Atos BDS) kein Interesse mehr hat. Die Gespräche wurden eingestellt. Nachdem bereits im Februar der Verkauf der anderen Atos-Hälfte ("Atos Tech Foundations) an den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky gescheitert war, steckt der Konzern jetzt richtig in der Klemme. Zwar hat er noch die Unterstützung des französischen Staates, aber offenbar ein erhebliches Liquiditätsproblem.

Atos-Aktien auf historischem Tiefstand

Schon als Anfang Januar durchsickerte, dass der Kaufpreis für Atos BDS bei rund 1,8 Milliarden Euro liegen soll, reagierten die Anleger enttäuscht. Sie hielten das für zu wenig, der Aktienkurs von Atos brach ein.

Dass der Verkauf nun nicht zustande kommt, führte erneut zu einem Kursrutsch (über 20 Prozent). Damit verloren die Atos-Aktien im Vergleich zum März 2023 fast 70 Prozent ihres Wertes und notieren nun auf dem niedrigsten, jemals von ihnen erreichtem Wert. Das Unternehmen ist an der Pariser Börse damit nun weniger als 200 Millionen Euro wert.

Atos hat keinen Plan B

"Atos analysiert die sich daraus ergebende Situation und prüft aktiv strategische Alternativen", teilte Atos in einer ersten Reaktion auf die Ereignisse mit. Anders gesagt: Das Unternehmen hat keinen Plan B.

Als eine Konsequenz verschiebt Atos die Veröffentlichung seiner Jahresergebnisse für 2023. Das soll Raum für eine eingehende Bewertung der strategischen Optionen schaffen. Mehrere Gewinnwarnungen in den vergangenen Monaten und ständige Wechsel auf dem CEO sind bei der Bewältigung der Situation ebenfalls nicht hilfreich. Das einzige, was wirklich geklappt hat, ist der Verkauf der UCC-Sparte Unify an Mitel. Diese Transaktion wurde im Oktober 2023 erfolgreich abgeschlossen.

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