New Work und Modern Workplace

Der Kampf für mentales Wohlergehen sollte Chefsache sein



Tanja Hilpert ist seit Januar 2022 als Regional Vice President, DACH bei Zendesk. In dieser Funktion leitet sie das regionale Vertriebsteam von Zendesk und ist für die Wachstumsstrategie von Zendesk in der Region verantwortlich.

Dabei unterstützt sie Unternehmen aller Größenordnungen.   Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der IT-Branche ist Tanja fest davon überzeugt, dass die Grundlage für alle erfolgreichen Unternehmen die Menschen sind, die diesen Erfolg, die Kultur und die Werte schaffen. Tanja Hilpert kam von Securitas Deutschland zu Zendesk, wo sie als Head of Solutions tätig war. Davor war sie als Regional Vice President Retail bei Salesforce beschäftigt.

 
Die Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel. Die Pandemie hat Menschen und Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren einiges abverlangt. Das hinterlässt Spuren auf der Seele. Das mentale Wohlbefinden von Mitarbeitenden sollten Führungskräfte dringend auf ihre Agenda nehmen.
Gute Stimmung fördert die Arbeitsleistungen der Angestellten.
Gute Stimmung fördert die Arbeitsleistungen der Angestellten.
Foto: Ground Picture - shutterstock.com

Mittlerweile ist die gesetzliche Verpflichtung zum Homeoffice weggefallen, mehr und mehr Beschäftigte kehren an ihre Büroarbeitsplätze zurück. Nach und nach finden Teams eine neue Balance zwischen der Arbeit von zu Hause und der persönlichen Zusammenarbeit mit KollegInnen im Büro. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey vertritt knapp die Hälfte der Befragten die Ansicht, dass sich die Arbeitswelt durch den Wandel zu hybriden Arbeitsmodellen verbessert hat. Viele Mitarbeiter begrüßen die neu gewonnene Flexibilität, mit der eine Anwesenheitspflicht wegfällt und sich das Arbeits- und Privatleben besser vereinbaren lässt.

Bei den positiven Entwicklungen sollte allerdings auch nicht vergessen werden, dass die Unsicherheiten der Pandemie viele Mitarbeiter in den letzten Jahren stark belastet haben, so dass Führungskräfte dem mentalen Wohlergehen ihrer Mitarbeiter höchste Priorität einräumen sollten.

Stresslevel ist angestiegen

Insgesamt ist das Stressniveau der Deutschen seit Jahren kontinuierlich gestiegen, wie die Stressstudie 2021 der TK zeigt. 2021 gaben 26 Prozent der Befragten an, sich häufig gestresst zu fühlen; 38 Prozent stehen manchmal unter Stress. Das sind beunruhigende Werte, denn Stress spielt bei vielen körperlichen und seelischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Und obwohl psychische Erkrankungen mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Gesamtkrankenstand für die meisten Fehlzeiten etwa bei TK-Versicherten verantwortlich waren, sind psychische Belastungen und Stress in vielen Unternehmen noch immer ein Thema, dem nicht genügend Priorität eingeräumt wird.

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Die Pandemie hat das Stressniveau unter den Beschäftigten vergrößert. Insbesondere Mitarbeiter in den Supportbereichen mussten in den vergangenen Jahren enorm viel leisten. Beispielsweise in der direkten Endkundenunterstützung im Handel, der eine Flut von Neukunden in seinen Onlineshops verkraften musste, oder im IT-Bereich, wo die Kolleginnen und Kollegen Probleme beim Einrichten ihres Homeoffice hatten. Und sie waren von den Veränderungen natürlich auch selbst betroffen. So fühlten sich laut des CX Trends Reports weniger als 30 Prozent der Supportteams in der Lage, ihren Job genauso gut wie vorher auszuüben.

Kurzfristig wirksame Maßnahmen zur Entlastung der Mitarbeiter

Gerade jetzt ist es für Unternehmen angebracht, sich stärker um das mentale Wohlergehen und die Gesundheit der Mitarbeiter zu kümmern. Denn welche Organisation kann es sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld leisten, längere Zeit auf Beschäftigte zu verzichten? Etwa, weil die Mitarbeiter wegen psychischer Erschöpfung oder längerfristiger Erkrankungen ausfallen? Ebenso wahrscheinlich kann es sein, dass sich Arbeitnehmer einem anderen Arbeitgeber anschließen, der sich in Hinblick auf mentales Wohlergehen stärker um die Belange seines Personals kümmert?

Es müssen keine umwälzenden Maßnahmen sein, die aktiv zur mentalen Fitness beitragen. Um auf das Beispiel Familie zurückzukommen: Eine Gewährung zusätzlicher "Tage zur Betreuung von anderen" ist wertschätzend und nimmt betroffenen Familien viel Druck. In Zeiten steigender Energiekosten ist ein Zuschuss zu den höheren Strom- und Internetkosten, die im Homeoffice entstehen, ebenfalls ein Zeichen der Wertschätzung. Auch ein Wellness- oder Fitness-Gutschein kann eine wirksame Form der Anerkennung sein und für Entspannung sorgen ebenso wie regelmäßige Erholungstage; einige Unternehmen geben ihren Mitarbeitern zum Beispiel einmal im Monat einen freien Tag, den "Recharge Friday" oder "Unplug Day".

Mit Empathie, offener Kommunikation und Tools zu mentaler Fitness

Diese eher kurzfristigen und schnell umsetzbaren Maßnahmen sollten dauerhaft mit langfristigen strategischen Maßnahmen ergänzt werden, um das mentale Wohlergehen der Beschäftigten zu verbessern. Hier sind Führungskräfte mit transparenter und empathischer Kommunikation gefragt.

Fortschrittliche Unternehmen haben spätestens in den vergangenen zwei Jahren erkannt, dass in erster Linie die Qualität der Arbeit zählt, die Leistung der Beschäftigten also nicht an der reinen Arbeitszeit oder der Anwesenheit vor Ort festgemacht werden kann. Darauf sollten Unternehmen aufbauen, zugleich aber die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter im Blick behalten. Für die einen sind Gesundheitsschulungen interessant, andere nehmen vielleicht ein Angebot an Coachings zu Karriere- oder Finanzthemen als positives Signal war. Mit Empathie zeigen Führungskräfte, dass ihnen jeder einzelne Mitarbeiter wichtig ist. Sie sollten offen kommunizieren, und vorleben, dass es in Ordnung ist, wenn Themen und Ereignisse außerhalb der Arbeit die Aufmerksamkeit von Beschäftigten binden. Es sollte zum Selbstverständnis gehören, dass jeder Mensch mehr als eine Verpflichtung hat.

Die Unternehmen und ihre Führungskräfte können auch das Finden einer gesunden Work-Life-Balance aktiv begleiten. Die "Always-On"-Mentalität kann direkt zu Stress führen und dürfte kaum die Produktivität steigern. Vorausschauende Führungskräfte unterstützen in ihren Teams das "Recht auf Abschalten" und führen vielleicht "zoom-freie" Tage ein. Außerdem sollten Führungskräfte ein ausbalanciertes Arbeitsverhalten vorleben, indem sie beispielsweise nicht auf Präsenz bestehen und keine dringend notwendigen Nachrichten nach Feierabend versenden. Die unternehmensweite Einführung einer Mental-Health-App inklusive eines passenden Gesundheitsprogramms kann eine Ergänzung sein, um dauerhaft Stress, Überforderung und psychischen Erkrankungen vorzubeugen.

Die Kommunikation untereinander ist und bleibt für die Beschäftigten wichtig - unmittelbar und direkt, ohne Beteiligung der Führungskräfte. Diesem Bedürfnis kommen Unternehmen entgegen, indem sie eine sichere und transparente Kommunikation schaffen, die nicht immer in Echtzeit ablaufen muss, sondern asynchron sein kann. Hier bietet die Technik viele Möglichkeiten. In Zeiten, in denen der Gang in den Betrieb seltener wird und auch die HR-Abteilung Flexibilität genießt, ist die Implementierung eines internen Help-Desksoder einer Wissensdatenbank eine sinnvolle Maßnahme. Sie fördern den direkten Austausch untereinander und bieten Informationen und Hilfsangebote zentral an.

Pandemie ist noch nicht vorbei

Auch wenn sich das öffentliche Leben wieder einigermaßen normalisiert: Die Pandemie ist noch nicht ausgestanden. Das gilt insbesondere für Familien mit Kindern. Denn in Kitas und Schulen grassieren Coronafälle nach wie vor. Mit einer starren Rückkehr ins Büro werden speziell weibliche Beschäftigte, die im familiären Umfeld nach wie vor häufig die Hauptlast der "Care-Arbeit" tragen, wieder vor enorme Herausforderungen gestellt. Die hybriden Arbeitsmodelle, die während der ersten Welle der Pandemie etabliert wurden, ermöglichen allen Beschäftigten, Privates und Berufliches besser zu vereinen. Diese Flexibilität sollten Unternehmen ihren Arbeitnehmern nicht mehr nehmen.

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