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Digitalisierung im Handwerk

Harte Arbeit reicht nicht zum Überleben

Sebastian Zahn ist von der Firma Energieheld GmbH. Diese zählt zu den führenden Anbietern von Informationen zur energetischen Gebäudemodernisierung.
Warum kleine und mittlere Handwerksbetriebe sich bei der Digitalisierung schwertun, erörtert Helmut König.
Die Digitalisierung bietet eine riesige Plattform, um sich zu vernetzen und auszutauschen.
Die Digitalisierung bietet eine riesige Plattform, um sich zu vernetzen und auszutauschen.
Foto: optimarc - shutterstock.com

Helmut König ist Inhaber der Agentur Königskonzept in Münzenberg, Dozent für verschiedene Hochschulen und Mitglied in verschiedenen Prüfungsausschüssen der IHK Frankfurt.

Herr König, was bedeutet Digitalisierung für Sie?

Helmut König: Digitalisierung ist die elektronische Verknüpfung von Menschen und Unternehmen miteinander. Menschen haben sich immer schon verknüpft, z.B. durch regionale Netzwerke wie Stammtische, durch Diskussionskreise, durch den Austausch von Informationen in Wort, Text und Bild oder durch gemeinsame Planung und Entwicklung von neuen Dingen und Möglichkeiten. Digitalisierung bietet als dies aber auf einer ungleich größeren Plattform und mit ungleich größeren Varianten der Möglichkeiten. Dabei sind die Vielzahl und die damit verbundene Notwendigkeit der Auswahl und Konzentration etwas, was wir erst lernen müssen.

Sie arbeiten mit den unterschiedlichsten Betrieben aus den Bereichen der Bauwirtschaft, dem Einzelhandel und dem Handwerk zusammen. Was fällt übergreifend auf, wenn Sie die Betriebe besuchen und eine erste Analyse vornehmen?

Zum einen gibt es in der Unternehmensberatung den Begriff der "Beratungsresistenz". Kleine und mittelständische Unternehmen scheuen sich oft vor externen Beratungen, weil sie zum einen den Nutzen nicht abschätzen können und zum anderen sich bei eigenen Schwachstellen ertappt fühlen. Große Unternehmen erfahren den Nutzen schneller und sind gewohnt, Optimierungen an verschiedenen Stellen im Unternehmen durch externe Beratung vorzunehmen. Zum anderen gehört Vertrieb, wie auch Buchhaltung in den Bereich der ungeliebten Arbeit. Maurer sind Maurer geworden, weil sie mauern wollen und nicht, weil sie Mauerarbeiten verkaufen oder verbuchen wollen. Während dabei Buchhaltung ein Zwang ist, der intern oder extern erfüllt werden muss, wird Vertriebsentwicklung nach dem Motto "Eigentlich haben wir ja genug zu tun" oder "Morgen fange ich an" oft vor sich hergeschoben.

Ist die Digitalisierung schon überall angekommen?

96% der Menschen in Unternehmen stammen aus drei Generationsschichten: Die Babyboomer ab 1950, die Generation X ab 1966 und die oft genannte Generation Y ab 1980. Am weitesten ist die Digitalisierung sicher bei der Generation Y, weil diese mit dem Computer und dem Internet aufgewachsen ist. Die Generationen davor kennen und/oder nutzen die Bereiche E-Mail und Homepage oft nur, weil man ohne diese Hilfsmittel so leicht nicht mehr auskommt. Übrigens, die Generation Z, geboren ab 2000 wird uns da alle überflügeln, an die darauffolgende Generation A, ab 2010 wage ich noch gar nicht zu denken.

Markus Reif von Kienbaum bezeichnet dieses Verhalten in seinem Blog als überwiegende Kommunikationspräferenz und kennzeichnet es wie folgt:

  1. Die Veteranen (ab 1940) kommunizierten schriftlich

  2. Die Babyboomer telefonisch

  3. Die Generation X per E-Mail und SMS

  4. Die Generation Y per SMS und WhatsApp

  5. Die Generation Z per integriertes Device (Uhr, Brille)

  6. Und die Generation A? Gute Frage, das lässt sich noch nicht beantworten

Braucht das Handwerk die Digitalisierung?

Die Frage nach dem Brauchen stellt sich nicht, die Frage, in welchem Umfang und in welcher Form ist es sinnvoll, ist viel wichtiger. Betriebe, die sich auf die Zulieferung zu anderen Unternehmen konzentrieren wie die Automobilzulieferindustrie, oder Handwerksbetriebe, die ausschließlich als Subunternehmer für Generalunternehmer arbeiten, brauchen bei der Digitalisierung vor allem elektronischen Datenaustausch für Qualitäts-, Produktions-, Liefer- und Abrechnungsdaten. Unternehmen, die selbst direkt am Markt aktiv sind, brauchen Kommunikations- und Serviceinstrumente, damit Kunden auf sie aufmerksam werden und leicht und einfach mit ihnen über verschiedene Kanäle kommunizieren können.

Was sind die großen Herausforderungen für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe, in den nächsten Jahren?

Viele Betriebe glauben, nur, weil sie viel und hart arbeiten, können sie überleben. Das war, ist und bleibt falsch. Arbeit vorzubereiten, das Unternehmen zu organisieren und zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein, ist viel wichtiger. Der Begriff Manager ist in vielen Handwerksbetrieben nicht beliebt. Aber das Wort kommt vom englischen "manage", handhaben oder bewerkstelligen und vom lateinischen "manus", Hand, und "agere", tun. Manager bewegen also etwas und wenn ich etwas bewege, geht es mit meinem Unternehmen voran. Die Herausforderung für Inhaber von Handwerksbetrieben ist, dass sie zukünftig selbst weniger Material auf der Baustelle und mehr Menschen bewegen müssen.

Der Vorbehalte gegenüber dem Begriff Manager oder Management im Handwerk liegen darin, dass es zu viele Manager gibt, die diesen Namen nicht verdient haben. Aber solche Manager gibt es nicht nur im Handwerk.

In der Zeit der Industrie 4.0 wird die Arbeit in Produktionsstätten oder Verwaltungen wird weniger.
In der Zeit der Industrie 4.0 wird die Arbeit in Produktionsstätten oder Verwaltungen wird weniger.
Foto: Zapp2Photo, Shutterstock.de

Können Sie Beispiele aus der Vergangenheit nennen, wann es das letzte Mal vergleichbare einschneidende Neuerungen gab?

Es gibt keine Vergleichbarkeit zu dieser Exposition von Veränderungen. Wir haben seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert 4 Stufen erlebt:

  1. Industrie 1.0 startet um 1800 mit der Massenproduktion von Maschinen. Seit dieser Zeit arbeiten Menschen in Produktionsstätten.

  2. Industrie 2.0 geht einher zum Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der Elektrizität und der Fließbandarbeit.

  3. Industrie 3.0 in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kennzeichnet die Einführung vom IT- und Computersystemen, speziell durch den Personal Computer.

  4. Industrie 4.0 seit Ende des 20 Jahrhunderts betrifft die Digitalisierung, die vernetzten Produktionsanlagen und die Flexibilisierung der Arbeitsplätze.

Die wichtigste Neuerung ist wohl dabei, dass wir in einem bestimmten Bereich in die Zeit vor Industrie 1.0 zurückgehen können. Die Arbeit in Produktionsstätten oder Verwaltungen wird weniger notwendig. Menschen können schon jetzt und noch vermehrt in der Zukunft Zeitpunkt und Intensität ihrer Arbeit selbst bestimmen. Das erleben wir heute schon oft im Handwerk, wenn die Mitarbeiter eine Baustelle durch Mehrarbeit innerhalb der Woche schneller abschließen, um ein längeres Wochenende in Anspruch nehmen zu können. Mitarbeiter werden nicht mehr nach Anwesenheit bezahlt, sondern nach Erreichen eines bestimmten Zieles

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