Fokus auf Managed Services

PC-Spezialist verabschiedet sich vom Privatkundengeschäft



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Vom Hardware-Verkauf hat sich der Fachhandelsverbund PC-Spezialist schon lange verabschiedet. Nun will man sich auch vom Dienstleistungsgeschäft mit Privatkunden lösen und vor allem Managed Services für die SoHo-Zielgruppe anbieten.
Bei PC-Spezialist stehen künftig B2B-Kunden im Mittelpunkt
Bei PC-Spezialist stehen künftig B2B-Kunden im Mittelpunkt
Foto: PC-Spezialist

Den Wandel in Richtung Managed Services leitetet PC-Spezialist bereits Ende 2017 ein. Als "PC-Spezialist Servicepaket" verkaufen die rund 280 Partner der Fachhandelskooperation seitdem ein Managed-Service-Produkt für Privatkunden: Für eine Jahrespauschale von 99 Euro erhalten diese Virenschutz, eine tägliche Systemprüfung, regelmäßige Datensicherung sowie Freiminuten für eine eventuelle Fernwartung. Nun folgt für PC-Spezialist, das mit der Abkehr vom Hardware-Handel und der Einführung von Dienstleistungspauschalangeboten bereits eine Reihe von Veränderungen durchmachte, der nächste Schritt: Die Partner des Fachhandelsverbunds sollen sich künftig nicht mehr primär an Privatkunden richten, sondern stattdessen schwerpunktmäßig die Zielgruppe SoHo (Small Office/Home Office) adressieren.

"Das Angebot von Managed Services an Privatkunden war erfolgreich und wird gegenüber den Bestandskunden auch fortgeführt", berichtet Mark Schröder, der als Vorstand der Synaxon AG für PC-Spezialist verantwortlich ist. "Dabei haben wir aber festgestellt, dass vor allem diejenigen Kunden besonders interessant für uns sind, die aus beruflichen Gründen auf das reibungslose Funktionieren ihrer IT angewiesen sind." Zu diesem sogenannten SoHo-Segment zählt Schröder Kleinunternehmer mit bis zu neun Beschäftigten. "Das ist ein Marktpotenzial von 3,1 Millionen Menschen in Deutschland, darunter viele Freiberufler ohne weitere Angestellte. In diesem Bereich sehen wir für PC-Spezialist das Potenzial, bis 2030 rund 1,5 Millionen Kunden zu gewinnen." Aktuell betrage der Marktanteil der Fachhandelskooperation im SoHo-Segment allerdings erst rund fünf Prozent.

Das neue Angebot

Um die Zielgruppe zu adressieren, wurde die Homepage von PC-Spezialist im Juli 2020 mit dem neuen Fokus überarbeitet und das bisherige "PC-Spezialist Servicepaket" weiterentwickelt. Für Privatkunden bietet die Fachhandelskooperation nun das "Eins-für-Alles-Paket" mit täglicher Systemprüfung, Virenschutz, aktuellen Updates, Online-Sicherung und Freiminuten für Support zu einem UVP ab 10 Euro pro Monat. Für die neue Schwerpunktzielgruppe Firmenkunden wurde das Produkt "IT-Basisschutz" geschaffen, das einen ähnlichen Leistungsumfang bietet wie das Endkundenprodukt, dazu aber auch noch Business-spezifische Komponenten wie eine Hardware-Firewall und eine fortlaufende Dokumentation enthält. Gedacht ist der "IT-Basisschutz" für fünf Arbeitsplätze, genauere Konditionen sollen die Interessenten mit dem PC-Spezialist-Partner vor Ort vereinbaren.

Synaxon-Vorstand Mark Schröder Synaxon will PC-Spezialist weiterhin auf eine Partnerzahl von 1.000 Mitgleider ausbauen
Synaxon-Vorstand Mark Schröder Synaxon will PC-Spezialist weiterhin auf eine Partnerzahl von 1.000 Mitgleider ausbauen
Foto: Synaxon AG

Wie schon bei den bisherigen Managed-Services-Angeboten von PC-Spezialist übernimmt auch bei den neuen Produkten die Synaxon-Zentrale für die Partner die technische Abwicklung. Dazu kommen Ausbildungsangebote, um die Mitgliedern der Fachhandelskooperation beim Umstieg auf die Vermarktung von Managed Services zu begleiten. Schließlich sorgt die Synaxon-Zentrale auch für die Vermarktung des neuen Angebots gegenüber den Kunden. "Da wir die ersten waren, die deutschlandweit standardisierte Dienstleistungen angeboten haben, ranken wir bei Google weiterhin sehr gut. Diese Reichweite wollen wir ausnutzen, um Kunden, die bisher nur bei IT-Problemen zu uns kamen, zu den Managed-Services-Angeboten zu konvertieren", beschreibt Schröder die Verkaufsstrategie für den neuen Geschäftsschwerpunkt.

Neues Partnermodell für PC-Spezialist

Für die Umsetzung der neuen Geschäftsstrategie hat die Synaxon AG gemeinsam mit dem PC-Spezialist-Beirat auch ein neues Partnermodell entwickelt: Die PC-Spezialist Managed Service Partnerschaft. Neu richtet sich die Kooperation damit nicht mehr an klassische Fachhändler, sondern auch an IT-Dienstleister oder EDV-Fachhändler ab einem Mitarbeiter. Auch ein traditionelles Geschäft mit Schaufenster ist keine Voraussetzung mehr, sondern bereits adäquate, öffentlich zugängliche Geschäftsräume ausreichend. "Wir öffnen uns damit für eine neue Partnerzielgruppe und bieten auch Dienstleistern eine Chance, die sich damit erstmals selbstständig machen wollen", erklärt Schröder. Mit dem neuen Partnermodell habe PC-Spezialist das Potenzial, die Mitgliederanzahl in den nächsten ein bis zwei Jahren zu verdoppeln und mittelfristig bis zu 700 neue Partner dazuzugewinnen. "Damit bleibt auch das Zukunftsziel von insgesamt 1.000 Partnern, das wir vor fünf Jahren ausgegeben haben, weiter realistisch", so der Synaxon-Vorstand. Seit Vorstellung der Managed Service Partnerschaft auf dem wegen der Corona-Krise virtuellen PC-Spezialist-Geschäftsführertreffen im Juni hätten sich bereits mehr als 50 Partner für das neue Modell entschieden.

Zuversichtlich ist Schröder zudem, weil im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen die Corona-Krise für die Strategie von PC-Spezialist kein Hindernis darstelle - im Gegenteil: "Corona hat eher bestätigt, dass das, was wir tun, richtig ist." So hätten viele Kleinunternehmen ihre IT bisher selbst administriert. In der Corona-Krise sei nun der Wert eines reibungslos funktionierenden Home Office deutlich geworden. "Da war vielen sogar der Preis dafür plötzlich egal. Die Wahrnehmung für IT-Services wurde durch Corona deshalb massiv gesteigert."