Brief aus der Untersuchungshaft

Pcfritz-Hintermann wollte per Helikopter fliehen

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Der Skandal um die Software-Fälscher vom ehemaligen Onliner Pcfritz hätte genug Potenzial für einen Hollywood-Streifen. Einer der Protagonisten wollte sich sogar per Hubschrauber aus der U-Haft befreien lassen.

Erst vor wenigen Tagen ist gegen Firat Cagac, einem der Drahtzieher im Pcfritz-Skandal, vor dem Landgericht in Halle das Urteil gesprochen worden: Insgesamt sechs Jahre und drei Monate muss der Berliner in Haft. Während des Prozesses kamen Details ans Licht, die sich ein Hollywood-Drehbuchschreiber nicht besser ausdenken könnte.

Firat Cagac äußert sich vor der Spiegel-TV-Kamera zu den Vorwürfen der geplanten Flucht per Helikopter aus der Untersuchungshaft.
Firat Cagac äußert sich vor der Spiegel-TV-Kamera zu den Vorwürfen der geplanten Flucht per Helikopter aus der Untersuchungshaft.
Foto: Screenshot Spiegel-TV-Sendung vom 07.06.2015

Wie Spiegel-TV berichtet, fand man in der Zelle, in der Cagac in Untersuchungshaft saß einen Brief an einen Komplizen. Darin forderte er den Kompagnon auf, ihn mit dem Helikopter zu befreien.

In dem von Spiegel-TV gezeigten, handgeschriebenen Brief schreibt der Häftling: "Es bleiben Dir drei Wochen, länger halte ich es nicht aus". Er bekomme kaum noch Luft und werde täglich dünner. Es scheinen auch ausreichende Geldquellen vorhanden gewesen zu sein: "Mit Geld ist alles möglich", heißt es in dem Schreiben. Der Angesprochene sollte sich eine Flugschule suchen und zwei Wochen jeden Tag üben. "Dann kannst Du so ein Ding auch im Schlaf steuern", glaubte Cagac. "Dann kaufst Du Dir einen billig Helikopter und holst mich hier raus, es ist so einfach man. Kein Schwein würde es bemerken", lauten die Anweisungen.

Cagac sieht sich als Opfer

Ob die spektakuläre Flucht wirklich ernst gemeint war oder so durchführbar gewesen wäre, kann zumindest etwas bezweifelt werden. "Das ist ein natürlicher Instinkt", rechtfertigt sich der Pcfritz-Mann vor der Spiegel-TV-Kamera. "Erst filmreif würde es, wenn ich in den Helikopter einsteigen würde oder finanzielle Mittel laufen würden", meint Cagac. "Das alles war eine kleine Ventilreaktion", beschwichtigt er.

Der ehemalige Geschäftsführer von Pcfritz, Maik Mahlow, der durch die erfundene Krebserkrankung und damit verbundenen skurrilen Auftritten bekannt wurde, ist noch im Zeugenschutzprogramm. Auch auf ihn wartet noch ein Prozess. Ein dritter Beteiligter ist noch flüchtig und soll sich nach Spiegel-TV-Informationen auf der Krim aufhalten. Cagac und Mahlow schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. "Der armselige traurige Kranke wird verschont, der meine ganz Familie, Fans, Mitarbeiter und mich auf dem Gewissen hat mit seiner Strohmannstory", klagt Cagac in einer E-Mail, die er an eine Reihe von Journalisten, darunter auch an ChannelPartner noch vor der Urteilsverkündung geschickt hatte. Für ihn stand da schon fest, dass es ein "erlogenes Urteil" sein werde.

Die Haftstrafe nimmt er nun scheinbar gelassen zur Kenntnis: "Ich werde mich auf jeden Fall nicht von den sechseinhalb Jahren beeindrucken lassen", äußert er sich gegenüber dem Spiegel-Fernsehteam. So hoffe er als Ersttäter auf offenen Vollzug. "Jeder weiß, dass ich kein Verbrecher bin", bekräftigt Cagac. Das Gericht kam da allerdings zu einer anderen Einschätzung.

Zur Startseite