Lieferkettentransparenz

Vertrauensvolle Nachhaltigkeit

Thomas Müller ist Sprecher der evan.network organization. Das evan.network ist eine neutrale Vertrauensinfrastruktur für kooperative Ökosysteme. Das blockchain-basierte Netzwerk ermöglicht die Bildung manipulationssicherer Digitaler Identitäten von Unternehmen und Gütern als Voraussetzung für automatisierte Prozesse in der Economy of Things.
Wie Blockchain-Technologien CSR-Strategien durch valide Daten unterstützen können
Für die Nachhaltigkeitsarbeit sind Vertrauen und Transparenz essenziell - Blockchain-Technologien können dabei helfen.
Für die Nachhaltigkeitsarbeit sind Vertrauen und Transparenz essenziell - Blockchain-Technologien können dabei helfen.
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Bereits seit 2015 arbeiten die Vereinten Nationen im Rahmen der Sustainable Development Goals an einer nachhaltigeren Gesellschaft – und zahlreiche Unternehmen machen mit. Denn mittlerweile ist klar, dass eine entsprechende Unternehmensorientierung nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Vorteile mit sich bringt.

Allerdings fällt es vielen Firmen schwer, in den eigenen Prozessen die richtigen Stellschrauben zu finden und schlussendlich auch daran zu drehen. Ein entscheidendes Problem stellt dabei die Supply Chain dar: Lieferantennetzwerken mangelt es an Transparenz und Unternehmen können nicht nachweisen, ob ihre Zulieferer in mehrstufigen Lieferketten ihre Sorgfaltspflichten erfüllen. Über Tier 1 hinaus ist oft wenig über entsprechende Partner bekannt, valide Daten entlang der Lieferkette sind nicht verfügbar.

Das macht es für Unternehmen schwer, fundierte Entscheidungen zu treffen und Änderungen in ihren Prozessen herbeizuführen – denn was nicht gemessen werden kann, lässt sich auch nicht ändern. Die Verflochtenheit von Lieferantennetzwerken über Ländergrenzen hinweg erschwert Kontrollmöglichkeiten und Einflussnahme zusätzlich. Das stellt fokale Unternehmen bei der Optimierung der eigenen Wertschöpfungskette unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vor tiefgreifende Probleme – auch mit Blick auf ein mögliches Lieferkettengesetz.

Vertrauen und Transparenz: die Basis für digitale Geschäftsbeziehungen

Um diese Probleme anzugehen müssen Unternehmen gemeinsam mit ihren Partnern neue digitale Geschäftsstrukturen erarbeiten. Ein möglicher Ansatz für einen Ende-zu-Ende Datenaustausch und damit der Lösung des Transparenzproblems liegt in dezentralen Plattformökonomien. Zum Schutz der eigenen Daten erhält jedes Unternehmen dabei eine Digitale Identität: Mit dieser werden alle relevanten Daten von den Eigentümern selbstständig verwaltet – so können sie zu jeder Zeit selbst entscheiden, mit wem sie welche Informationen teilen wollen.

Wer alte Hardware in der Mülltonne entsorgt, der hat noch einen weiten Weg zur nachhaltigen Handlungsmaxime vor sich.
Wer alte Hardware in der Mülltonne entsorgt, der hat noch einen weiten Weg zur nachhaltigen Handlungsmaxime vor sich.
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Um das Vertrauen in diese Daten zu erhöhen, kommen auf dezentralen Plattformen Verifiable Credentials (VCs) zum Einsatz: Über diesen W3C-Standard können die Daten durch einen vertrauenswürdigen Dritten verifiziert werden. Zertifizierer oder auch öffentliche Stellen können also zum Beispiel bestätigen, dass ein bestimmtes Unternehmen tatsächlich existiert und dass Angaben wie Registereinträge, Unternehmenssitz oder auch erhaltene Zertifikate korrekt sind.

Durch die VCs, die in der Digitalen Identität hinterlegt sind, kann sich in der Lieferkette ein Zulieferer gegenüber einem Einkäufer verifizieren, gleichzeitig kann der Einkäufer sehen, von welchen vertrauenswürdigen Dritten die Echtheit der Daten bestätigt wurde. Um sicherzustellen, dass diese Aussagen auch wirklich stimmen, kommt die Blockchain-Technologie ins Spiel: Durch ihren Einsatz kann fälschungssicher nachgewiesen werden, dass eine Bestätigung zu einem bestimmten Zeitpunkt durch eine bestimmte Partei ausgestellt wurde und zum abgefragten Zeitpunkt auch gültig war.

Und genau an diesem Punkt werden dezentrale Plattformen für die Nachhaltigkeitsarbeit interessant: Daten der einzelnen Produktionsschritte und Stationen werden fälschungssicher in der Blockchain verknüpft und an die Digitale Identität des Produkts angeheftet. Dadurch entsteht ein lückenloses Protokoll, über das der Herstellungsprozess vom fertigen Produkt bis zu den Rohmaterialien zurückverfolgt werden kann.

Zusätzlich dazu können Unternehmen die Erfüllung von Umwelt- und Sozialstandards nachweisen, indem Sie zum Beispiel entsprechende Zertifikate ihren Kooperationspartnern als Verified Credential zur Verfügung stellen und damit Vertrauen in die gegenseitige Geschäftsbeziehung bringen. Das hebt natürlich nicht die Notwendigkeit regelmäßiger CSR-orientierter Audits (CSR: Corporate Social Responsibility) an entsprechenden Produktionsstandorten auf.

So kann es beispielsweise sein, dass Lieferanten bei der Prüfung einer Fabrik alle Auflagen erfüllen und in der Folge logischerweise zertifiziert werden, ein paar Tage später aber bereits ein Auflagenverstoß vorliegt. Vielmehr müssen Audits und Zertifikate in diese digitalen Prozesse eingebunden werden: In der Digitalen Identität eines Unternehmens kann beispielsweise festgeschrieben werden, in welchen Abständen die Audits erfolgt sind und ob vertraglich festgehaltene Auflagen erfüllt wurden.

Blockchain-Technologie als Vertrauensgrundlage

Welche Rolle spielt also die Blockchain in diesem Prozess? Sie schafft Vertrauen indem sie durch ihre dezentrale Struktur die Echtheit der Daten garantiert. In ihr wird die Verifizierung von VCs manipulationssicher hinterlegt und damit nachgewiesen, dass die Angaben eines Geschäftspartners korrekt sind.

Das hat Vorteile für beide Seiten: Der Lieferant muss für eine Prüfung lediglich den dokumentierten Zertifizierungsstatus und keine anderen Daten weitergeben. Auf der anderen Seite können fokale Unternehmen wiederum die Compliance und Einhaltung der Sorgfaltspflicht ihrer Lieferanten direkt einsehen und bei Nichterfüllung ihrer Standards entsprechend handeln.

Schritt für Schritt kommt so mehr Transparenz in die verschiedenen Stufen der Lieferkette: Compliance-Angaben werden schlussendlich nicht mehr nur von Sublieferanten ohne Überprüfung entlang der Lieferkette bis zum fokalen Unternehmen "weitergereicht", sondern können für jede Ebene eingesehen und geprüft werden. So können Missstände in globalen Wertschöpfungsketten effizient bekämpft werden – noch vor der Einführung eines möglichen Lieferkettengesetzes.

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