IT-Remarketing

So geht Bechtle das Thema Nachhaltigkeit an

Ronald Wiltscheck widmet sich bei ChannelPartner schwerpunktmäßig den Themen Software, KI, Security und IoT. Außerdem treibt er das Event-Geschäft bei IDG voran. Er hat Physik an der Technischen Universität München studiert und am Max-Planck-Institut für Biochemie promoviert. Im Internet ist er bereits seit 1989 unterwegs.
Die zum Bau von Autos, Gebäuden und IT-Hardware nötigen Grundstoffe sind nur begrenzt vorrätig, da ist nachhaltiges Wirtschaften unbedingt notwendig. Auch Systemhäuser können hierzu einen Beitrag leisten.

Wie das Systemhaus Bechtle das Thema "Nachhaltigkeit in der IT" angeht, und welche IT-Remarketing-Konzepte es umsetzt, das erfahren Sie in dem folgenden Doppelinterview. Gesprächspartner sind Nicole Diehlmann, bei Bechtle für „Nachhaltigkeitskommunikation“ zuständig, und Alexander Thiele, Geschäftsführer der Bechtle Remarketing GmbH.

Nicole Diehlmann. bei Bechtle für "Nachhaltigkeitskommunikation" zuständig: "Den kompletten Lebenszyklus eines Produkts zu betrachten, ist inzwischen Standard.“
Nicole Diehlmann. bei Bechtle für "Nachhaltigkeitskommunikation" zuständig: "Den kompletten Lebenszyklus eines Produkts zu betrachten, ist inzwischen Standard.“
Foto: Bechtle

channelpartner.de: Frau Diehlmann, Sie sind bei Bechtle für "Nachhaltigkeitskommunikation" zuständig. Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Ihr Haus?

Nicole Diehlmann: Nachhaltigkeit in all seinen thematischen Facetten besitzt für uns einen besonders hohen Stellenwert. Wir nehmen hier unsere Verantwortung als großes IT-Unternehmen ernst und stellen gleichzeitig die Weichen dafür, auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wir stellen nicht nur gesellschaftlich und auf politischer Ebene eine zunehmende Dynamik des Themas fest, sondern auch bei den Kundenanforderungen.

channelpartner.de: Mit welchen konkreten Maßnahmen setzen Sie Nachhaltigkeit im Tagesgeschäft um?

Diehlmann: Nachhaltigkeit ist im Tagesgeschäft in allen Bereichen unser ständiger Begleiter, da die Definition des Begriffs sehr weitreichend ist. Konkret reichen die Maßnahmen von internen Leitlinien zu Antikorruption, Schulungen zu Informationssicherheit, über die Einhaltung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, dem Umgang mit Arbeitnehmern bis hin zu Umweltaspekten.

Beim Neubau von Gebäuden setzen wir zum Beispiel, dort wo es möglich ist, auf Fotovoltaik und Geothermie. In unserem Parkhaus am Konzernsitz konnten wir bereits 50 Elektroladestellen realisieren, weitere sind geplant. Dies zahlt auf unsere Fuhrparkstrategie ein, die E-Mobilität seit Jahren integriert.

channelpartner.de: Und welche Anforderungen haben Ihre Kunden?

Diehlmann: Unterschiedliche. Manche Kunden fokussieren auf die ökologische Komponente von Nachhaltigkeit, andere auf die soziale oder betrachten beides. So fragen Kunden nach besonders energieeffizienten und langlebigen IT-Produkten, CO2-armen Transportlösungen oder danach, ob Hersteller den Bechtle Verhaltenskodex für Lieferanten unterzeichnet haben. In einem eigenen Testlabor können wir beispielsweise unter Realbedingungen die Energieeffizienz von Geräten verifizieren. Im Bereich der Logistik können wir unter anderem die "Bechtle Box" einsetzen, die Verpackungs- und Transportvolumen spart.

channelpartner.de: Welche Zukunftspläne hinsichtlich einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft verfolgen Sie?

Diehlmann: Den kompletten Lebenszyklus eines Produkts zu betrachten, ist inzwischen Standard. Mit der Bechtle Remarketing GmbH haben wir eine Gesellschaft in der Bechtle Gruppe, die sich um die Weiternutzung und das Recycling von IT-Komponenten kümmert. Zu nachhaltigen Themen in der vorgelagerten Lieferkette sind wir zudem in enger Abstimmung mit unseren Herstellerpartnern.

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Kreislaufwirtschaft implementiert

channelpartner.de: Herr Thiele, Sie sind Geschäftsführer der Bechtle Remarketing GmbH, was genau verstehen Sie unter dem Begriff Remarketing?

Alexander Thiele: Unter Remarketing verstehen wir den kompletten Prozess von der Aufnahme der gebrauchten Hardware über die zertifizierte Löschung der Daten bis hin zur Vermarktung, Vermietung oder der fachgerechten Entsorgung. Im Fall von Vermarktung oder Vermietung erfolgt eine entsprechende Aufbereitung für das "zweite Leben" der Hardware.

Bei der Entsorgung entnehmen wir vorher alle verwertbaren Teile, wie etwa Festplatte, RAM und Verbrauchsmaterialien, die bei uns dann wieder zur Aufbereitung und Reparatur von gebrauchter Hardware genutzt werden. Der kleinere Teil wird über unsere zertifizierten Entsorger verschrottet. Aktuell führen wir übrigens alle diese Prozesse an unseren beiden Standorten in Wesel und Bocholt durch, damit wir für den Fall einer Infektion einen Standort offenhalten können. Im Normalbetrieb fungiert der Standort Wesel als reiner Verwaltungsstandort und für die Annahme aller IT-Güter, die nicht gelöscht werden. Also beispielsweise TFTs.

channelpartner.de: Nutzen Ihre Kunden ihre Hardware tatsächlich länger?

Thiele: Ja, deshalb steht auch weniger Hardware für den Remarketingprozess zur Verfügung. Ich sehe das vornehmlich vor dem Hintergrund von aktuell aufgeschobenen Investitionen. Insbesondere im ersten Halbjahr hatten wir eine starke Nachfrage nach Notebooks, damit Unternehmen - insbesondere aus den Branchen Versicherung und Handel, Universitäten und Krankenhäuser - ihre Mitarbeiter im Home Office schnell produktiv einsetzen konnten. Durch die Nutzung von sogenannter Used Hardware helfen wir Kunden durchaus auch, ihre Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, indem sie Hardware aus einem bestehenden Kreislauf nutzen.

channelpartner.de: Welche Hardware wird hauptsächlich gebraucht wiederverkauft?

Thiele: Ganz klar Notebooks, weil sie am flexibelsten einsetzbar sind. An zweiter Stelle sehen wir Bundles aus Desktops und TFTs. Bei Servern ist die Nachfrage derzeit noch verhalten. Der Vertrieb reiner Komponenten steht bei uns nicht im Fokus, wir nutzen sie nur für Aufrüstung und Reparatur. Unser Fokus liegt ganz klar auf zertifizierter Datenlöschung nach ISO 27001 und ISO 9001. Aktuell planen wir zudem, uns nach ISO 14001 zertifizieren zu lassen.

channelpartner.de: Arbeiten Sie auch mit Gebraucht-Hardware-Distributoren?

Thiele: Ja, weil bei diesen Partnern Nachfrage für den Ankauf großer sortenreiner Stückzahlen besteht. Für uns entsteht damit ein Bündelungseffekt.

channelpartner.de: Welche Hardware ist aktuell die langlebigste?

Thiele: Der Lebenszyklus in der IT ist vor allem durch die Verfügbarkeit der Software bestimmt. Daher stehen auch hier Notebooks an erster Stelle, gefolgt von PCs, TFTs und Druckern. Smartphones und Tablets werden aufgrund der Softwarefunktionalität im europäischen Markt kürzer genutzt.

Alexander Thiele, Geschäftsführer der Bechtle Remarketing GmbH: ""
Alexander Thiele, Geschäftsführer der Bechtle Remarketing GmbH: ""
Foto: Bechtle