Rettung aus der Insolvenz

Conrad-Tochter übernimmt Getgoods-Onlineshops



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Für die Onlineshops Getgoods und Home of Hardware gibt es eine Zukunft – so das Ergebnis der erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen zwischen Conrad Electronic und dem Insolvenzverwalter der Getgoods GmbH. Doch der Deal wirft einige Fragen auf.
Für den Getgoods-Standort Frankfurt/Oder soll es eine Zukunft geben
Für den Getgoods-Standort Frankfurt/Oder soll es eine Zukunft geben
Foto: GetGoods

Auch die Rettung aus der Insolvenz bedeutet für Getgoods nicht automatisch einen Zugewinn an Transparenz. Wie aus einer bislang ausschließlich in den FAQ der Onlineshops Getgoods.de und HOH.de veröffentlichten Mitteilung hervorgeht, wurden die – bereits vergangene Woche vom Bundeskartellamt publik gemachten – Übernahmeverhandlungen zwischen dem Insolvenzverwalter der Getgoods GmbH und Conrad Electronic erfolgreich abgeschlossen. „Das Traditionsunternehmen Conrad Electronic übernimmt am 4. Dezember 2013 die operativen Endkundenshops der getgoods.de Vertriebs GmbH“, heißt es darin. Conrad übernehme nahezu alle der 190 Mitarbeiter der Gruppe. Über den Kaufpreis habe man Stillschweigen vereinbart. Das Bundeskartellamt habe bereits die Genehmigung erteilt. Gegenüber ChannelPartner haben sowohl ein Sprecher von Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg wie auch Conrad Electronic die Richtigkeit der Informationen inzwischen bestätigt.

Conrad gründet neue Tochtergesellschaft

Auch wenn in der Mitteilung wiederholt von Conrad die Rede ist, gehören die Onlineshops Getgoods.de und HOH.de – die dritte Getgoods-Marke Handyshop.de wird offensichtlich nicht weitergeführt – ab sofort offiziell zur Get-it-quick GmbH mit Standort am Conrad-Hauptsitz in Hirschau. Die GmbH wurde am 26. November 2013 gegründet und ist laut Handelsregister eine 100-prozentige Tochter der Conrad Electronic Linz GmbH. Als Geschäftsführer fungiert Stefan Raab, der bis Anfang 2013 der Re-In Retail GmbH vorstand, einem häufig mit Conrad Electronic in Verbindung gebrachten Onlineshop-Betreiber, der u.a. hinter den Marken Digitalo.de und Voelkner.de steht. Mit der offensichtlich extra für die Getgoods-Weiterführung gegründeten Get-it-quick GmbH verfolgt Conrad die Strategie, die neu zugekauften Online-Aktivitäten in ein formal eigenständiges Tochter-Unternehmen auszugliedern.

Conrad-CEO Jörn Werner übernimmt die Getgoods-Shops nur indirekt
Conrad-CEO Jörn Werner übernimmt die Getgoods-Shops nur indirekt

In der bei Getgoods.de veröffentlichten Mitteilung äußert sich dennoch Conrad-Chef Jörn Werner zu der Übernahme der Onlineshops: „Unser Ziel ist es, dass getgoods.de als Marke und als Unternehmen eigenständig bleibt. Wir werden dort wo möglich Synergien, z. B. im Einkauf oder Logistik nutzen. Die Mitarbeiter an den Standorten Frankfurt (Oder) und Berlin werden wir zunächst komplett übernehmen. Für sie und auch für die Kunden und Lieferanten von getgoods geht das Geschäft ganz normal weiter. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir ein tragfähiges und wachstumsorientiertes Geschäftsmodell entwickeln. Dabei werden wir versuchen, so viele Arbeitsplätze wie irgend möglich zu erhalten.“ Conrad könne die „junge, hippe Marke“ Getgoods unterstützen, damit sie sich optimal weiter entwickle, so Werner.

Offene Fragen zur Zukunft des insolventen Getgoods-Gesellschaften

Offen bleibt in der Mitteilung, was die Weiterführung von Getgoods.de und HOH.de für die insolventen Getgoods-Gesellschaften bedeutet. Explizit mitgeteilt wird, dass das Amtsgericht Frankfurt/Oder am 4. Dezember 2013 – dem Tag der Übernahme der „operativen Endkundenshops“ – das Insolvenzverfahren über die getgoods.de Vertriebs GmbH eröffnet hat. Das könnte bedeuten, dass nur die beiden Online-Marken weitergeführt werden, während die bisher für deren Betrieb verantwortliche und nun bedeutungslos gewordene Vertriebs GmbH abgewickelt wird. Nicht nur für die Gesellschafter, auch für Kunden, die von der Getgoods-Insolvenz böse überrascht wurden, ist die Frage nach der Zukunft der getgoods.de Vertriebs GmbH von Bedeutung. In der aktuellen Mitteilung heißt es dazu allerdings nur lapidar: „Conrad ist, in Abstimmung mit getgoods, daran interessiert, eine Lösung für von der Insolvenz betroffene Kunden zu finden.“

Negativ aufgenommen werden dürfte die aktuelle Nachfolgeregelung für Getgoods auch von den Anlegern, die in Aktie und Anleihe der Getgoods AG investiert haben. Diese verliert mit den Onlineshops Getgoods.de und HOH.de ihre wichtigsten Unternehmenswerte. Als Anlaufstelle für die Bündelung der Interessen der Getgoods-Anleger fungiert inzwischen der Bund für soziales und ziviles Rechtsbewusstsein (BSZ), der den Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Walter Späth mit der Angelegenheit betraut hat. „Betroffene Anleger müssen sich im Klaren sein, dass schlimmstenfalls der Totalverlust drohen könnte“, so der Rechtsexperte. Gegen Getgoods laufen in Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten im Umfeld der Insolvenz weiterhin Untersuchungen der Aufsichtsbehörde BaFin sowie der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder und des Landeskriminalamts Brandenburg.

Insolvenzverwalter ist zufrieden

Zufrieden mit der Weiterführung der Getgoods-Onlineshops zeigt sich Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg. Dieser erklärt: „Mit Conrad haben wir einen starken Partner gefunden, der E-Commerce versteht. Damit haben wir eine zukunftsfähige Lösung für Kunden und Mitarbeiter erzielt.“ Nach einem rasanten Wachstum sei die getgoods.de Vertriebs GmbH in finanzielle Schieflage geraten und habe deshalb am 14. November 2013 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen müssen. “Um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, war eine schnelle Lösung zwingend“, so Wienberg. „Wir sind froh, dass wir diese dank des Einsatzes aller Beteiligten gefunden haben.“ (mh)

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