Verdopplung bis 2023 angekündigt

DHL plant 6.000 neue Packstationen

17.11.2020
Tausende Packstationen der Deutschen Post DHL stehen inzwischen im öffentlichen Raum, Tendenz steigend. Doch das Vorgehen des Marktführers beim Ausbau sorgt auch für Kritik.
Bis Ende 2021 will DHL die Anzahl seiner Packstationen auf 8.500 erhöhen, bis Ende 2023 sollen es dann insgesamt mindestens 12.000 sein.
Bis Ende 2021 will DHL die Anzahl seiner Packstationen auf 8.500 erhöhen, bis Ende 2023 sollen es dann insgesamt mindestens 12.000 sein.
Foto: Deutsche Post AG

Die Deutsche Post DHL beschleunigt ihr Tempo beim Ausbau der Packstationen. Von derzeit etwa 6.000 soll die Zahl der Abholanlagen bis Ende 2023 auf 12.000 steigen, wie das Unternehmen am Dienstag in Bonn mitteilte. "Immer mehr Kunden nutzen die Packstationen", sagte der für Post und Paket Deutschland zuständige Konzernvorstand Tobias Meyer. Zudem griffen Bestandskunden häufiger auf die Abholmöglichkeit zurück. Besonders in Coronazeiten hätten mehr Menschen die Packstationen "für sich entdeckt". Außerdem hätten Einzelhändler, Nahverkehrsfirmen und Immobilienunternehmen großes Interesse daran, eine Station an ihren Standorten aufzustellen.

Die Packstationen sind gelbe Schrankwände aus Metall mit unterschiedlich großen Boxen, die etwa an Supermärkten, Tankstellen und Bahnhöfen stehen. Mit einem Abhol-Code können die Kunden ihre Pakete rund um die Uhr einsammeln oder zum Versand aufgeben, die Benutzung der Anlage ist kostenfrei. 2003 wurden erste Packstationen aufgestellt, inzwischen ist das Pionierprojekt ein etabliertes Massenphänomen geworden.

DHL plant stufenweisen Ausbau der Packstationen

Derzeit hat nach DHL-Angaben die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland eine Packstation in ihrer Nähe, also im Umkreis von einem Kilometer Entfernung. Künftig soll der Anteil steigen. Allerdings ist nicht immer garantiert, dass die Sendung auch wirklich an die Packstation geht, die man beim Online-Bestellen als Adresse angibt. Denn ist diese Station voll, landet das Paket woanders und der Verbraucher muss wider Erwarten einen weiteren Weg auf sich nehmen.

Der Konzern gab Pläne für einen stufenweisen Ausbau bekannt: Ende dieses Jahres sind es planmäßig 6.500 - das wären 2.100 mehr als 2019. Ende 2021 sind mindestens 8.500 eingeplant, ein Jahr später 10.500 und Ende 2023 dann insgesamt mindestens 12.000. Eine Investitionssumme nannten die Bonner nicht.

DHL-Mitbewerber hinken weit hinterher

In den Packstationen landen ausschließlich Pakete, die DHL transportiert hat. Sendungen anderer Dienstleister können dort nicht abgelegt werden. Die Wettbewerber setzen zwar ebenfalls auf automatisierte Stationen, sind aber von einem flächendeckenden Ausbau noch weit entfernt. DPD und Hermes haben ein Gemeinschaftsunternehmen namens Parcellock, das unter anderem in großen Mietshäusern kontaktlose Paketstationen installiert hat. Wie viele es sind, ist nicht bekannt.

Auch Pakete vom kleineren Konkurrenten GLS landen in diesen Boxen. Außerdem hat Parcellock im Februar 2020 in Kooperation mit der Deutschen Bahn und der Hamburger Hochbahn ein Pilotprojekt für Anlagen im öffentlichen Raum begonnen, bei dem an 22 Bahnstationen Paketstationen installiert wurden.

Während die DHL-Konkurrenz im öffentlichen Raum noch ausprobiert, gehen die Bonner in die Vollen. Branchenexperten werten das forcierte Tempo positiv. "Paketstationen haben für beide Seiten Vorteile - für den Dienstleister und für den Kunden", sagt der Logistik-Professor Kai-Oliver Schocke. Die Firma könne erheblich Kosten sparen, weil sich die für die Paketübergabe benötigte Zeit deutlich reduziere. Schließlich könnten die Sendungen in großer Zahl an den Paketboxen abgeladen werden, anstatt einzeln an mehreren Haustüren abgeliefert zu werden. "In Innenstädten hat ein Paketbote mitunter nur drei Minuten Zeit vom Anhalten über die Übergabe bis zum Wiederlosfahren", erklärt der Professor.

Schub für Packstationen durch Corona-Pandemie

Das "Haustürgeschäft" ist laut Schocke eine teure Sache für die Logistiker. Viele Adressaten seien tagsüber nicht da und der Paketbote müsse dann beim Nachbarn klopfen. Paketboxen würden die Arbeitszeit pro Übergabe reduzieren und dadurch in absehbarer Zeit die Investitionskosten für die Anlagen ausgleichen. Die Corona-Pandemie gebe Übergabepunkten ohne Kontakt zu anderen Menschen zusätzlichen Schub, schließlich wollten viele Adressaten den direkten Kontakt mit Paketboten vor ihrer Haustür meiden, sagt Schocke.

Allerdings bemängelt der Wissenschaftler, dass die Deutsche Post DHL bei ihren Packstationen einen Alleingang macht, anstatt sich auf anbieterneutrale Anlagen mit den Wettbewerbern einzulassen. "Der Platz für solche Stationen an den richtigen Orten ist begrenzt", so der Professor. "Der Kunde will sein Paket haben bei der Abholstation in nächster Nähe - ihm ist es egal, von welchem Anbieter die ist."

Verbraucher interessieren sich für anbieterneutrale Abholstationen

Schocke und andere Wissenschaftler von der Frankfurt University of Applied Sciences haben unlängst das Forschungsprojekt "Dein Depot" durchgeführt, in dessen Rahmen rund 2.000 Bundesbürger nach ihrer Haltung zu anbieterneutralen Paketabholstationen befragt wurden. 60 Prozent gaben an, dass sie so ein Angebot nutzen würden. Von diesen wiederum wären 60 Prozent bereit, Geld für so eine Abholmöglichkeit in nächster Nähe zu bezahlen - im Schnitt 73 Cent pro Paket. "Das zeigt, dass in der Bevölkerung ein Interesse an einer übergeordneten Branchenlösung vorhanden ist", sagt Schocke.

DPD und Hermes rühren unterdessen weiter die Werbetrommel für ihre Parcellock-Stationen. "Eine anbieterneutrale Lösung ist der richtige Weg", sagt Peter Rey von DPD, einer Tochter der französischen Post. Mit ihrer Forderung nach einer Branchenlösung stoßen die DHL-Konkurrenten in Bonn aber auf taube Ohren. Die Deutsche Post DHL geht lieber allein voran. Branchenkenner Schocke hat dafür eine einfache Erklärung: "DHL hat ausreichend Marktmacht, so dass eine Kooperation mit anderen nicht notwendig ist." (dpa/pma)