Was Coaches können müssen

Die sieben Grundprinzipien des Coachings

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Coaches sind keine „Rezeptgeber“ oder „Lösungslieferanten“, sondern „Befähiger“ und „Ermöglicher“. Sabine Prohaska nennt sieben Grundprinzipien, von denen sich Coachs bei ihrer Arbeit leiten lassen.

Coaches haben eine andere Arbeitsweise als Trainer und Berater. Das setzt auch ein anderes Selbstverständnis sowie Verständnis von Wirklichkeit voraus.

Coaches sind nicht nur Trainer von Mitarbeitern und Führungskräften, sondern auch "Konfliktlotsen".
Coaches sind nicht nur Trainer von Mitarbeitern und Führungskräften, sondern auch "Konfliktlotsen".
Foto: Matej Kastelic-shutterstock.com

Prinzip 1: Zirkularität statt Täter-/Opferperspektive

Im Mittelpunkt der Coachingarbeit stehen der Klient und sein Beziehungssystem. Systemische Sichtweisen sind bemüht, die Probleme von Menschen im Kontext ihrer

  • biografisch bedingten Entwicklung sowie

  • sozialen Vernetzung in ihrem privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld

zu verstehen.

Zirkularität bedeutet in diesem Kontext: In komplexen, sozialen Prozessen (wie zum Beispiel der Zusammenarbeit in Unternehmen) kann zwischen Ursache und Wirkung nicht klar unterschieden werden. Denn: Jedes Verhalten einer Person wirkt auf das der relevanten Mitglieder ihrer Umwelt, und deren Reaktionen wirken wiederum auf die Person zurück.

Zirkularität negiert somit eine lineare Kausalität, die Voraussetzung für ein Identifizieren von Verursachern ist. Folglich geht es beim Coachen nie um die Suche nach Schuldigen beziehungsweise den Auslösern einer Situation, weil alles mit allem verbunden ist. Vielmehr ist das Veranschaulichen und Verändern von (Kommunikations-, Wahrnehmungs- und Interpretations-)Strukturen ein wesentliches Ziel system-orientierter Modelle.

An die Stelle linearer Betrachtungsweisen - A verursacht B - treten zirkuläre, kreisförmige Betrachtungsweisen: A wirkt auf B, und B wirkt auf A zurück. Bei der zirkulären Betrachtungsweise geht es also um Wechselbeziehungen. Die Maxime lautet: Blicke weiter, schaue auf das Ganze!

Prinzip 2: Allparteilichkeit und Neutralität versus Parteilichkeit

Neutralität ist eine wichtige Haltung von Coaches. Sie beinhaltet eine gelassene Neugier gegenüber allen Sichtweisen, Erklärungen und Werten - und seien sie dem Coach noch so fremd. Neutralität zeigt sich auch in der Allparteilichkeit - also im Bestreben, alle Mitglieder des Systems aus ihrer Perspektive heraus zu verstehen und ihre Sichtweisen zu wertschätzen.

Zuweilen ist es sinnvoll, als Coach auch gegenüber Problemen und dem Wunsch nach Veränderung neutral zu sein. Fragen, die eine entsprechende Neutralität signalisieren, sind unter anderem:

  • "Wie würde Herr/Frau X das beschreiben?" Und:

  • "Was spricht dafür, alles so zu lassen, wie es ist?"

Das Prinzip der Allparteilichkeit hat jedoch Grenzen. Coachs haben als Konfliktlotsen auch die Aufgabe, die Coachees, also ihre Klienten, zu ermächtigen, sich gegen ungerechte Strukturen zu wehren - die zum Beispiel eine ökonomische, politische oder soziale Benachteiligung bewirken. Also müssen sie beim Prinzip der Neutralität darauf achten, wann eine andere Grundhaltung der Situation angemessener ist.

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