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Erneuter Umsatzrückgang

Euronics beschwört den Turnaround



Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Wie in den zwei vorhergehenden Geschäftsjahren verzeichnete Euronics auch 2012/13 rückläufige Umsätze. Mit einem Minus von 12 Prozent ist nun der Tiefpunkt erreicht – und die Euronics-Führung aufgewacht: Die Rezepte der Verbundgruppe für den Turnaround klingen vielversprechender als die der Wettbewerber EP und Expert.
"Von der Heftigkeit des Einschlags überrascht": Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober
"Von der Heftigkeit des Einschlags überrascht": Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober
Foto: Euronics

"Dass der TV-Boom eines Tages zu Ende sein würde, war absehbar. Aber auch wir sind überrascht von der Heftigkeit des Einschlags." Mit diesem Eingeständnis wandte sich Vorstandssprecher Benedict Kober an die zur Pressekonferenz angereisten Journalisten beim diesjährigen Euronics Kongress in Leipzig. Nach dem Rekordjahr 2009/10 mit einem Umsatzplus von 11 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro (Innenumsatz), schließt die Verbundgruppe bereits zum dritten Mal in Folge ein Geschäftsjahr mit rückläufigen Einnahmen ab. Nach minus 7 Prozent 2010/11 und minus 3 Prozent 2011/12 verzeichnete Euronics dieses Mal sogar einen Umsatzrückgang von 12 Prozent. Übrig geblieben ist nur noch ein Innenumsatz von 1,47 Milliarden Euro und liegt Euronics damit nicht nur hinter Expert (1,95 Milliarden Euro), sondern ist auch hinter Electronic Partner (EP) (1,50 Milliarden Euro), die bisherige Nummer 3 unter den CE-Verbünden, zurückgefallen.

Als wesentlichen Verantwortlichen für den erneuten Umsatzrückgang hat Euronics-Chef Kober die schlechte Nachfrage im CE-Geschäft – und hier besonders den für die Verbundgruppen so wichtigen TV-Bereich – ausgemacht: Um ganze 27 Prozent brachen die Einnahmen von Euronics im Segment Unterhaltungselektronik/TV im Geschäftsjahr 2012/13 ein. Dabei hob Kober die starke Bindung der Verbundgruppe an den insolventen TV-Hersteller Loewe hervor: "Wir haben hier gewissermaßen ein Doppelproblem: den rückläufigen Markt und die Situation bei einem unserer Hauptlieferanten." Euronics-Händler, die ihren Kunden in den vergangenen Jahren Loewe-Geräte empfohlen haben, seien jetzt zum Teil mit einem Vertrauensproblem konfrontiert.

Weniger desaströs als das TV-Segment stellten sich andere Bereiche des Warenangebots von Euronics dar: Die Umsätze bei PCs, Multimedia und Haustechnik blieben im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Das Telekommunikationsgeschäft legte um 4 Prozent zu und auch im Dienstleistungsbereich konnten sich die Euronics-Händler um 5 Prozent steigern. Die Mitgliederstärke der Verbundgruppe gab 2012/12 nur geringfügig nach und betrug zum 30.9.2013 1.656 Partner mit insgesamt 1.829 Standorten (Vorjahr: 1.692 Mitglieder an 1.892 Standorten).

Vielfältige Konzepte gegen den Negativtrend

Torwart-"Titan" Oliver Kahn soll Euronics im WM-Jahr 2014 zur Trendwende verhelfen.
Torwart-"Titan" Oliver Kahn soll Euronics im WM-Jahr 2014 zur Trendwende verhelfen.

Ein bisschen nach dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ungeniert" wirkte, was Euronics-Chef Kober zu den Rezepten für eine Umkehr des Negativtrends zu sagen hatte: Während es in den Zeiten des Erfolgs schwer gewesen sei, die Partner für Veränderungen zu begeistern, seien die Mitglieder der Verbundgruppe jetzt offen für Neues. In der Tat scheint der erneute Umsatzeinbruch von 12 Prozent die Euronics-Führungsriege in die Offensive gedrängt zu haben: Im Herbst 2013 trennte sich die Verbundgruppe von den langjährigen Leitern der Geschäftsfelder Haustechnik sowie Consumer Electronics und kündigte eine Umorganisierung an.

Am Euronics Kongress präsentierte die Ditzinger Kooperation zudem gleich 16 Geschäftsfelder, mit denen sich die Partner für den Aufschwung fit machen sollen, wie z.B. Digital Health, Wireless Audio und Energieeffizienz. Damit hebt sich die Verbundgruppe wohltuend von den Wettbewerbern EP und Expert und deren einseitige Fixierung auf Heimvernetzung und Verbesserungen am POS ab.

Offensive zur Verzahnung von Online- und stationärem Handel

Beim Euronics Kongress in Leipzig kündigte Verbundgruppen-Chef Kober eine Multichannel-Offensive an.
Beim Euronics Kongress in Leipzig kündigte Verbundgruppen-Chef Kober eine Multichannel-Offensive an.

Zu mutigeren Schritten als die Konkurrenz konnte sich Euronics auch beim Thema Online durchringen. Bereits seit vielen Jahren setzt die Verbundgruppe auf eine Multichannel-Strategie, die eine innovative Warenwirtschaftslösung mit einem zentralen Onlineshop und der Anbindung der Partner vor Ort verbindet - allerdings bislang mit einer eher bescheidenen Resonanz bei den Kooperationsmitgliedern sowie mit wenig Erfolg bei den Endkunden. Dies will Euronics nun mit einer Multichannel-Retail-Offensive mit dem Namen MCR@Euronics.de ändern. Die Partner können dabei entscheiden, ob sie im Rahmen eines Basic-Moduls nur auf lokales Online-Marketing setzen, als Advanced-Nutzer die Euronics-Zentrale mit der Versendung ihrer Online-Bestellungen beauftragen oder im Rahmen eines Premium-Modells selbst zu Internet-Händlern werden. Alle drei Varianten sollen in den für Ende 2014 geplanten Online-Marktplatz unter Euronics.de integriert werden.

Die Verbundgruppe skizziert damit zwar ein sehr ambitioniertes Modell zur Online-Offline-Verknüpfung, setzt sich im Unterschied zu EP/Expert aber wenigstens aktiv mit der Herausforderung E-Commerce auseinander. "Multichannel ist heute ein Thema, aus dem sich keiner heraushalten kann und bei dem jeder ein Konzept anbieten muss, wie er damit umgeht", erklärte dazu Benedict Kober. "In unserer Branche hat bisher keiner ein so gut funktionierendes Multichannel-Konzept wie wir", zeigte sich der Euronics-Vorstandssprecher überzeugt.