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800 Strafanzeigen

Polizei fasst Fake-Shop-Betrüger

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis ist eine Fake-Shop-Betrügerbande ins Netz gegangen: Sie hatten mit dem Fake Shop oneupyou.com mehrere hunderttausend Euro erbeutet.

In den frühen Morgenstunden des 20. März 2018 schlugen die Fahnder zu: Eine Wohnung in Niederkassel und acht Wohnungen in Köln wurden zeitgleich durchsucht. Dabei wurden auch vier Männer festgenommen, die als Drahtzieher eines groß angelegten Fake-Shop-Betrugs gelten.

Falle Vorauskasse: Fake-Shop-Betrüger aus dem Raum Köln haben mehrere hunderttausend Euro kassiert aber die bezahlten Artikel nie geliefert.
Falle Vorauskasse: Fake-Shop-Betrüger aus dem Raum Köln haben mehrere hunderttausend Euro kassiert aber die bezahlten Artikel nie geliefert.
Foto: Ditty_about_summer - shutterstock.com

Die Ermittler wurden aktiv, als sich im Sommer 2017 beim Kriminalkommissariat 2 der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis die Strafanzeigen häuften. Aus dem ganzen Bundesgebiet gingen fast 800 Anzeigen mit einer Schadensumme von über 300.000 Euro ein. Die Gauner hatten unter der Internet-Domain oneupyou.com Elektronikartikel wie Smartphones oder Tablets mit einem Rabatt von 20 bis 25 Prozent angeboten. Die per Vorkasse bezahlten Waren wurden aber nicht geliefert.

Anfang September 2017 wurde daraufhin die Ermittlungsgruppe "Edessa" eingerichtet. Die Nachforschungen ergaben, dass hinter dem Fake Shop eine in Troisdorf registrierte Firma stand. Die Polizei spricht von "langwierige und intensive Ermittlungen", in deren Folge eine bislang vierköpfige Tätergruppe im Alter von 38 bis 53 Jahren identifiziert werden konnte. Die in Köln wohnhaften Männer mit türkischen Wurzeln hatten sich mit gefälschten griechischen Pässen eine falsche Identität zugelegt. Sie eröffneten mit den falschen Personalien Konten, nahmen Kredite, mieteten Räume an und gründeten Firmen.

Computer und Mercedes sichersgestellt

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist dadurch ein weiterer Schaden von über 200.000 Euro bekannt geworden. Anhand der Kontenauswertungen gehen die Ermittler davon aus, dass die Anzahl der Opfer und der Schaden durch den Fake Shop, der auf Betreiben der Polizei umgehend aus dem Netz genommen wurde, deutlich höher ist. Möglicherweise gibt es weitere Geschädigte, die sich nicht bei der Polizei gemeldet haben. Die Geschäftskonten der Firma wurden bereits im Spätsommer 2017 mit einem Gesamtkontostand von über 100.000 Euro gepfändet.

Lesetipp: Verbraucherzentrale und Polizei warnen vor Fake Shops

Bei dem nun erfolgten Polizeieinsatz wurden mehr als 80 Smartphones, Tablets, Computer und Datenträger als Beweismittel beschlagnahmt. Die Auswertung der Geräte dauert noch an. Der beim Einsatz persönlich anwesende ermittlungsführende Staatsanwalt hatte Beschlüsse für einen sogenannten Vermögensarrest vorbereitet. Damit war es den beteiligten Finanzermittlern möglich, Vermögenswerte der Tatverdächtigen zu beschlagnahmen. So konnte einem der Täter gehörender Mercedes SUV im Wert von rund 35.000 Euro sichergestellt werden. Zeitgleich wurden die Privatkonten der Beschuldigten gepfändet. Wieviel Geld sich auf den mehr als 60 Konten befindet, steht noch nicht fest. Den vier Haupttätern wird zum jetzigen Ermittlungsstand schwerer bandenmäßiger Betrug in mindestens 781 Fällen vorgeworfen.

Update: Aufgrund dieses Artikels hat sich noch der Geschäftsführer eines niedersächsischen Systemhauses in der ChannelPartner-Redaktion gemeldet. Er ist zwar nicht von diesem aktuellen Fall betroffen, doch hat ebenfalls mit seinem Unternehmen schlechte Erfahrungen mit organisierten Banden unter angeblich griechischer Identität gemacht. Laut seinen Informationen ist es relativ einfach, sich griechische Papiere zu verschaffen. Daher ist es bei Betrügern eine beliebt Masche, mit den gefälschten Identitäten Kontos zu eröffnen, Wohnungen und Geschäftsräume anzumieten oder sonstige Geschäfte zu tätigen. Er rät daher zur Vorsicht, wenn griechische Papiere im Spiel sind, insbesondere wenn das Geschäft besonders lukrativ erscheint. "Die Betrüger haben es oft auf kleinere Händler abgesehen, für die ein Deal mit 20 Notebooks schon etwas besonderes ist", weiß der Systemhaus-Chef.

In diesem Betrugsumfeld operieren oft Akteure mit großer krimineller Energie: Im damaligen Fall führten die Informationen des IT-Spezialisten, die Erkenntinsse einer Detektei sowie die Ermittlungen der Polizei zu Festnahme eines Betrügerrings. Er will seinen Namen nicht nennen, da er in der Folge sogar Todesdrohungen erhalten hatte. "Ich war immer froh, dass mein Auto angesprungen und nicht explodiert ist", schildert er die dramatischen Folgen.