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Software Defined Networking könnte die Netze revolutionieren

SDN zwischen Hype und Realität

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Marktforscher sehen in Software Defined Networking eine Technik, die Unternehmensnetze und Carrier-Infrastrukturen revolutionieren könnte. Entsprechend groß ist der Hype, den Anbieter von Netzkomponenten um diese Technik entfacht haben. Doch es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und Produktstrategien in Bezug auf SDN.

Von Hartmut Wiehr

HeinzWaldukat_Fotolia
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Foto: Heinz Waldukat - Fotolia.com

Die Aufmerksamkeit, die das Thema Software Defined Networking (SDN) auf sich zieht, ist ungebrochen. Gerade in den ersten vier Monaten des Jahres 2013 überschlugen sich die Hersteller von IT-Komponenten geradezu mit Ankündigungen von SDN-Strategien und entsprechenden Produkten. Neben etablierten Netzwerkfirmen wie Alcatel-Lucent, Arista, Cisco Systems, Dell, Juniper Networks, IBM und VMware kündigten auch Halbleiterfirmen wie Intel SDN-Produkte und "Blaupausen" für entsprechende Produkte an. Hinzu kommen kleine, hoch spezialisierte Anbieter von SDN-Komponenten. Dazu zählt Pica8. Das Unternehmen hat eine "hardwarelose" SDN-Referenzarchitektur vorgestellt.

Entwicklungstrends im Rechenzentrum: Laut IDC zählt SDN neben 100-Gigabit-Ethernet zu den Technologien, die das Data Center in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden.
Entwicklungstrends im Rechenzentrum: Laut IDC zählt SDN neben 100-Gigabit-Ethernet zu den Technologien, die das Data Center in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden.
Foto: IDC

Auch Firmen aus Asien, etwa NEC (Japan) oder der chinesische IT-Konzern Huawei, sind auf den SDN-Zug aufgesprungen. Derzeit sind laut "SDNCentral" etwa 50 SDN-Produkte auf dem Markt verfügbar. Bis Mitte 2013 dürften nochmals an die 25 Switches, Controller, SDN-fähige Router und weitere Komponenten hinzukommen.

Die Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Gartner rechnet in ihrem aktuellen "Magic Quadrant" für Data Center und Netzwerke HP, Brocade, Juniper Networks, Alcatel-Lucent und Arista zu den Vorreitern bei SDN. Cisco Systems befindet sich laut Gartner in einer Lauerposition. Firmen wie Dell, IBM, Avaya, Enterasys oder Huawei zählt das Beratungshaus eher zu den Nischenanbietern.

Über die Entwicklung des SDN-Marktes gehen die Meinungen unter den Marktexperten auseinander. Einig sind sie sich in einem Punkt: Der Umsatz mit SDN-Produkten wird in den kommenden Jahren drastisch steigen. IDC geht davon aus, dass SDN 2016 ein weltweites Marktvolumen von 3,6 Milliarden Dollar aufweisen wird. Fast das Zehnfache, sprich 35 Milliarden Dollar, prognostiziert eine Studie, die Plexxi, Lightspeed Ventures und SDNCentral durchgeführt haben, für 2018. Allerdings sind in dieser Summe alle Produkte, also Hardware, Software und Services, enthalten, die einen Bezug zum Software Defined Networking aufweisen.

SDN trennt die Control- und Forwarding-Ebene, die in einem Switch eine Einheit sind. Die Steuerung (Control) übernimmt ein externer Controller.
SDN trennt die Control- und Forwarding-Ebene, die in einem Switch eine Einheit sind. Die Steuerung (Control) übernimmt ein externer Controller.
Foto: ONF/Stanford University

Welche Bedeutung SDN mittlerweile hat, zeigt sich auch auf einem anderen Gebiet. Bislang galt die Non-Profit-Organisation Open Networking Foundation (ONF) als maßgebliche Instanz im Bereich SDN. Der ONF gehören unter anderem die Deutsche Telekom, Facebook, Google, Microsoft und Yahoo an, aber auch Hersteller von Netzwerkhardware und -software wie Alcatel-Lucent, Arista, Brocade, Cisco, Dell, Extreme Networks, Huawei, IBM, Juniper und andere. Die ONF ist für die Weiterentwicklung des SDN-Protokolls OpenFlow zuständig. Sie zählt mehr als 80 Mitglieder (Stand Ende April 2013).

Umstrittenes Konsortium der Hersteller

Anfang April 2013 formierte sich mit dem OpenDaylight Project ein Konsortium unter Führung von Cisco und IBM. Es hat sich die Förderung von Software Defined Networking und die Entwicklung von Open-Source-Software auf die Fahnen geschrieben, mit der sich eine SDN-Infrastruktur aufbauen lässt. In der IT- und Netzwerk-Branche ist das Projekt, das derzeit von 19 Netzwerkfirmen unterstützt wird, umstritten. Kritiker vermuten, dass insbesondere Cisco Systems und IBM mithilfe von OpenDaylight verhindern wollen, dass sie bei SDN ins Hintertreffen geraten, vor allem bedingt durch den Erfolg von OpenFlow.

Cisco hat zwar mit Cisco ONE eine eigene SDN-Lösung. Diese ist jedoch stark auf das hauseigene Netzportfolio zugeschnitten - durchaus legitim, aber nicht im Sinne einer Strategie, die einen herstellerunabhängigen Ansatz bei Software Defined Networking forciert. Joe Skorupa, Vice President und Analyst bei Gartner, vermutet denn auch, dass sich im OpenDaylight-Projekt etliche Netzwerkhersteller zusammengefunden haben, weil sie die Entwicklung von SDN bremsen möchten.

Solchen Attacken halten die OpenDaylight-Protagonisten entgegen, dass ihr Projekt darauf abziele, SDN-Lösungen zu entwickeln, die sich in Unternehmensnetzen einsetzen lassen und nicht nur in den Großrechenzentren von Service-Providern wie Telekom, Google, Facebook oder Yahoo. Das Ziel seien Standards für SDN-Controller, zudem Normen für Programmierschnittstellen, die die Netzwerkinfrastruktur an den SDN-Orchestration-Layer anbinden.

Nach Einschätzung von HP etabliert sich SDN in etwa zwei Jahren.
Nach Einschätzung von HP etabliert sich SDN in etwa zwei Jahren.
Foto: HP

Offen ist, ob diese Aktivitäten eine Ergänzung der Arbeiten des ONF sind oder ob das Resultat ein separater SDN-"Industriestandard" sein wird. In jedem Fall hinterlässt der Vorstoß des OpenDaylight Project einen zwiespältigen Eindruck. Dan Pitt, Executive Director der ONF, die OpenFlow entwickelt, hält sich allerdings in der Sache ONF versus OpenDaylight bedeckt. In Gesprächen am Rande des Open Networking Summit Mitte April betonte er, man müsse abwarten, wie sich die Arbeit von OpenDaylight entwickle, bevor ein Urteil möglich sei.

Allerdings monierte Pitt, dass die OpenDaylight-Protagonisten auf der Konferenz in ihren Präsentationen vor allem herstellerspezifische Ansätze von Programmierschnittstellen (APIs) zeigten. Über diese soll dann die Kommunikation zwischen einem SDN-Controller und den angeschlossenen Netzwerkgeräten laufen ("Southbound API"). Juniper (Junos Space), Cisco (OnePK) oder Brocade (OpenScript Engine) haben solche herstellerspezifischen APIs entwickelt, die OpenFlow außen vor lassen.