Grün wirtschaften

Softwarehäuser kämpfen gegen CO2

06.10.2009
Von Frank Niemann

Firmenweiten CO2-Ausstoß erfassen

Clear Standards wie auch der noch unabhängige amerikanische Anbieter CSRware betreiben Software-as-a-Service-Plattformen, die Firmen dabei unterstützen, Daten über ihren CO2-Ausstoß zu sammeln. Aus den daraus erzeugten Berichten lassen sich Maßnahmen zur Drosselung des Energieverbrauchs ableiten.

Doch Clear Standards ist nicht der erste Anbieter dieser Art. Schon länger ist beispielsweise die Firma PE International aus Leinfelden-Echterdingen am Markt präsent. Deren "Sofi-Software" dient ebenfalls dazu, Daten über den firmenweiten Kohlendioxidausstoß zu sammeln und darüber Berichte zu verfassen. Zusätzlich zum Produkt versprechen die Schwaben eine entsprechende Beratung für Firmen. Zu den Kunden zählt nach Anbieterangaben die Deutsche Post, die als weltweit operierender Logistikdienstleister eine Menge Treibhausgase in die Luft bläst.

Die Herausforderung bei der Erfassung der CO2-Emissionen ist, alle relevanten Daten zusammenzutragen. Die Datenbanken und Applikationen eines Unternehmens enthalten zwar große Mengen an Informationen, doch aus ihnen lassen sich solche Angaben nicht ohne weiteres ablesen. Für viele Firmen werden CO2-Kennzahlen jedoch betriebswirtschaftlich relevant, wenn sie mit CO2-Zertifikaten handeln müssen.

Mit der SaaS-Lösung SAP Carbon Impact können Firmen Nachhaltigkeitsberichte erzeugen.
Mit der SaaS-Lösung SAP Carbon Impact können Firmen Nachhaltigkeitsberichte erzeugen.

Andere IT-Anwendungen sollen helfen, weniger Wasser zu verbrauchen sowie Abfälle zu vermeiden. Für manche produzierende Branchen sind das keine neuen Themen, da Regularien schon jetzt von ihnen verlangen, nachhaltig zu fertigen, etwa, indem sie auf bestimmte Werkstoffe verzichten oder Entsorgungssysteme einrichten. Zu den Auflagen zählt beispielsweise die EU-Verordnung "Reach" (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals). Für deren Umsetzung existieren bereits Softwareprodukte.

Green SCM: Grüne Lieferketten

Das Thema Nachhaltigkeit hat auch die Hersteller von Unternehmenssoftware erfasst, darunter neben SAP auch IFS, Oracle und Infor. Ihr Argument: Da diese Programme Geschäftsprozesse in Unternehmen steuern, müssen hier auch die Nachhaltigkeitskonzepte ansetzen. Die Softwarehäuser bestücken ihre ERP- und Supply-Chain-Management-Produkte mit zusätzlichen Funktionen, die Anwender befähigen sollen, den Umwelteinfluss der von ihnen ausgehenden Abläufe erkennen zu können. Dienten beispielsweise Transport-Management-Systeme bisher ausschließlich dazu, die Frachtkosten zu verringern, sollen sie nun auch CO2-Emissionen ausrechnen. "In Zukunft wird es praktisch keine Supply-Chain-Software ohne Nachhaltigkeitsfunktionen geben", sagt Peter Graf voraus. Er bekleidet beim Softwarekonzern SAP den noch recht neuen Posten des Chief Sustainability Officer (siehe auch "Interview mit Peter Graf").

SAP-Konkurrenten wie IFS, Infor und Microsoft arbeiten an Software für Nachhaltigkeit. Sie bieten für ihre ERP-beziehungsweise Asset-Management-Produkte Zusatzbausteine an (siehe Kasten "Softwarelösungen für Nachhaltigkeit").

Stromverbrauch in Netzen und Gebäuden erfassen

IT und Nachhaltigkeit rufen Partnerschaften auf den Plan, die man nicht vermutet hätte. Beispielsweise bietet der Netzspezialist Cisco Systems im Rahmen von "EnergyWise" Lösungen an, mit denen Firmen ihren Energieverbrauch überwachen können. Laut Cisco schließt dies auch Gebäude-Management (Facility-Management) ein. Nicht nur der Stromhunger der Cisco-Switches, sondern auch der von Klima-, Beleuchtungs- und Heizungsanlagen lässt sich erfassen. Cisco kooperiert hierbei mit Spezialisten für das Facility-Management.

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