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Wichtig für Change-Prozesse im Unternehmen

Veränderungen steuern mit 360°-Feedback

15.03.2018
Kraus ist geschäftsführender Gesellschafter der international agierenden Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, für die über 100 Berater, Trainer und Projektmanager arbeiten. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur ist u.a. Autor des "Change Management Handbuch" und zahlreicher Projektmanagement-Bücher. Seit 1994 ist er Lehrbeauftragter an der Universität Karlsruhe, der IAE in Aix-en-Provence und der Technischen Universität Clausthal.
"Unsere Unternehmens- und Führungskultur muss sich ändern, damit wir im digitalen Zeitalter fit für die Zukunft sind." Dieser Überzeugung sind viele Unternehmen. Ein bewährtes Instrument, um solche Entwicklungsprozesse zu stimulieren und zu steuern, ist das 360°-Feedback, bei dem zum Beispiel die Führungskräfte eine Rückmeldung über ihr Verhalten von mehreren Seiten erhalten.
Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion für ihre Mitarbeiter.
Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion für ihre Mitarbeiter.
Foto: Matej Kastelic - shutterstock.com

Der emeritierte Psychologie-Professor Dr. Oswald Neuberger war bekannt für seine klare Sprache. Entsprechend pointiert äußerte sich der Arbeits- und Organisationspsychologe einst über das 360°-Feedback, bei dem Führungskräfte von ihren Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen und zuweilen auch Kunden und Lieferanten eine Rückmeldung über ihr (Führungs-)Verhalten erhalten. Er lehnte die "Rundum-Beurteilung" von Führungskräften "rundum ab" und verglich das 360°-Feedback mit einem Panoptikum.

Ein Panoptikum ist ein als Rundbau konzipiertes Gefängnis, in dessen Mittelpunkt ein Wachturm steht. Von dort aus können die Wärter alle Zellen kontrollieren. Deshalb fühlen sich die Gefangenen ständig beobachtet und verhalten sich so, wie sie glauben, dass dies erwünscht sei. Ähnlich verhielte es sich beim 360°-Feedback kritisierte Neuberger. Nur dass dort an die Stelle der Wärter das "höhere Management" trete.

Eine harsche Kritik! Trotzdem nutzen heute mehr Unternehmen denn je dieses Instrument für ihre Personal- und Führungskräfteentwicklung - speziell solche, die unter einem hohen kulturellen Veränderungsdruck stehen. Denn Neubergers Kritik am 360°-Feedback stellt die betriebliche Realität auf den Kopf.

Führungskräfte stehen im Fokus der Beobachtung

Anders als im Panoptikum sind im Unternehmensalltag nicht "die Gefangenen", sprich Mitarbeiter, dem permanenten überwachenden Blick der "Wärter", sprich Führungskräfte, ausgesetzt. Vielmehr ruht der Blick der Mitarbeiter auf den Führungskräften. Sie beobachten, was jene wie tun - unter anderem, weil die Führungskräfte für sie eine Vorbildfunktion haben. Entsprechend wichtig ist es, dass die Führungskräfte ein ihrer Position, der Situation und den (Entwicklungs-)Zielen des Unternehmens angemessenes Verhalten zeigen.

Führungskräfte müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter effektiv (zusammen-)arbeiten (können); außerdem, dass die Zusammenarbeit mit den anderen Bereichen funktioniert. Dies ist in der von zunehmender Vernetzung geprägten Arbeitswelt, in der

  1. immer mehr Verantwortung auf die operative Ebene verlagert wird und

  2. die (bereichsübergreifende) Team- und Projektarbeit zunehmend den Arbeitsalltag dominiert

eine immer wichtigere Kernaufgabe von Führung. Nur selten erhalten Führungskräfte im Alltag jedoch eine klare und nachvollziehbare Rückmeldung, inwieweit sie diese Aufgaben adäquat wahrnehmen. Entsprechend schwer fällt es ihnen, sofern nötig, ihr Verhalten gezielt zu verändern. Dieses Manko soll mit dem 360°-Feedback behoben werden.