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Ein-Marken- oder Multishop-Strategie?

Die verwirrende Online-Aufstellung von Conrad



Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Die Übernahme der Getgoods-Onlineshops rückt die Online-Aufstellung von Conrad in den Fokus: Während sich das Unternehmen gerne als Multichannel-Händler mit einer klaren Ein-Marken-Strategie darstellt, zählen in Wirklichkeit auch noch andere Onlineshops zum Conrad-Imperium.
Vertritt nach Außen eine klare Ein-Marken-Strategie: Conrad-CEO Jörn Werner
Vertritt nach Außen eine klare Ein-Marken-Strategie: Conrad-CEO Jörn Werner

Wer hat denn nun wirklich die Onlineshops Getgoods und Home of Hardware übernommen: Conrad Electronic? Oder die bislang komplett unbekannte Get-it-quick GmbH? In der Tat zeigt ein Blick ins Impressum der betreffenden Webseiten, dass die Shops nun zu dem letztgenannten Unternehmen gehören. Macht man sich die Mühe, im Handelsregister nach Details zur Get-it-quick GmbH zu suchen, landet man aber doch wieder bei Conrad: Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Conrad Electronic Linz GmbH und wurde erst kurz vor der Übernahme der Getgoods-Shops am 26. November 2013 gegründet.

Das Verwirrspiel in Sachen Getgoods ist dabei recht typisch für die Online-Aktivitäten des altehrwürdigen Familienunternehmens Conrad Electronic. Offiziell verfolgt der Elektronikhändler im E-Commerce seit Ende 2010 eine klar auf eine Marke gerichtete Multichannel-Strategie. Damals hatte das Unternehmen seinen Zweit-Shop cXtreme eingestellt und das mit der Absicht begründet, sich auf seine „Kernkompetenzen zu konzentrieren und den Conrad.de Shop wieder in den Fokus zu rücken“.

Das Lehrstück Digitalo.de

Ende 2008 hatte bereits der Online-Händler Digitalo.de, an dem Conrad beteiligt war, seine Geschäftstätigkeit eingestellt und damit den Distributor AVT – den anderen Hauptgesellschafter von Digitalo – in die Insolvenz gestürzt. Während das Handelsgeschäft von AVT durch den E-Commerce-Dienstleister 004 GmbH weitergeführt wurde, stand die Online-Marke Digitalo damals nicht zum Verkauf. 004-Geschäftsführer Michael Gerke mutmaßte damals über Pläne von Conrad, Digitalo.de zum geeigneten Zeitpunkt zu reaktivieren.

Seit 2010 gibt es Digitalo tatsächlich wieder, allerdings als Online-Marke der in Nürnberg ansässigen Re-In Retail International GmbH. Diese betreibt daneben u.a. den Elektronikversender Voelkner.de. Re-In Retail hatte die traditionsreiche Handelsmarke 2008 von Conrad Electronic übernommen. Als Geschäftsführer von Re-In Retail fungierten damals Roland Kölbl und ein gewisser Stefan Raab, der nun als Chef der Get-it-quick GmbH für Conrad die Onlineshops Getgoods.de und Home of Hardware weiterführt. Der Personaltransfer funktioniert dabei übrigens in beide Richtungen: Seit März 2013 amtiert als neuer Geschäftsführer von Re-In Retail Jürgen Eimer, der von 2002 bis 2010 bei Conrad das E-Commerce-Geschäft leitete.

Wer noch immer Zweifel an einer Verbindung zwischen Conrad und den Onlineshops Digitalo.de und Voelkner.de hat, kann gerne Google bemühen. Hier finden sich schnell verschiedene Hinweise, u.a. wiederholte Diskussionen in Schnäppchen-Communities, die auf identische Sortimente und Rabattaktionen bei Conrad.de und den Onlineshops der Re-In Retail hinweisen. Ebenfalls aufschlussreich ist ein Blick ins Handelsregister: Als Gesellschafter von Re-In Retail fungiert seit 2011 die Amberger Revision und Treuhand GmbH (ART) der Inhaber Manfred Hatosch und Jörg Kießkalt – als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sind die beiden Herren auch für die Jahresabschlüsse von Conrad Electronic verantwortlich.

Wieso, weshalb, warum?

Bleibt die Frage nach dem Sinn der Übung: Natürlich ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden, wenn ein bekanntes Handelsunternehmen wie Conrad Electronic seine zusätzlichen E-Commerce-Aktivitäten nicht unter eigener Fahne betreibt, sondern diese an mehr oder weniger verwandte Unternehmen ausgliedert. Dennoch ist es interessant, über die strategischen Hintergründe dieser für Außenseiter höchst verwirrenden Konzernaufstellung nachzudenken.

Ein Grund dürfte in der Bedeutung liegen, die Conrad seinem Wandel zu einem Multichannel-Händler beimisst. So erklärte Conrad-CEO Jörn Werner unlängst beim Handelskongress Etailment Summit, innerhalb der Multichannel-Aufstellung des Unternehmens sei der E-Commerce künftig der führende Kanal (ChannelPartner berichtete). Conrad wolle seinen Kunden das gesamte Online-Sortiment auch in den Filialen anbieten. Mit der Verknüpfung von Online-Sortiment und stationären Service hofft der Elektronikhändler, den Konsumenten einen attraktiven Mehrwert liefern zu können. Aus diesem Blickwinkel macht es durchaus Sinn, auch das Online-Geschäft unter der Marke Conrad.de zu bündeln und die Kunden nicht durch eine Vielzahl von offiziellen Conrad-Onlineshops zu verwirren.

Die formale Selbstständigkeit der anderen Onlineshops bietet Conrad zudem die Möglichkeit, verschiedene Verkaufskonzepte, Sortimentsschwerpunkte und Preisstrategien auszuprobieren, ohne dass diese von den Endkunden gleich miteinander in Verbindung gebracht werden. Und wie das Beispiel Digitalo zeigt, erleichtert es eine Beteiligungsstruktur zudem, im Notfall bei einem Tochter-Onlineshop auch kurzfristig die Bremse zu ziehen. Gerade im Hinblick auf die Getgoods-Shops kann auch diese Option Sinn machen – schließlich weiß niemand, wie beschädigt die Marken durch die Insolvenz bei den Endkunden sind und ob der Neustart innerhalb des Conrad-Konzerns wirklich gelingt. (mh)