Flut in Thailand

Festplattenverknappung trifft IT-Branche hart

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Erst das verheerende Erdbeben und der Tsunami in Japan und nun die Flut in Thailand: Die IT-Industrie musste noch nie binnen eines Jahres mit Naturkatastrophen fertig werden, die so weitgehende Auswirkungen auf die gesamte Branche hatten. Nun rächt sich die Konzentration auf nur wenige Hersteller und Zulieferer.
Am stärksten betroffen: Die Festplattenproduktion bei Western Digital. (Foto: unbekannt)
Am stärksten betroffen: Die Festplattenproduktion bei Western Digital. (Foto: unbekannt)

Erst das verheerende Erdbeben und der Tsunami in Japan und nun die Flut in Thailand: Die IT-Industrie musste noch nie binnen eines Jahres mit Naturkatastrophen fertig werden, die so weitgehende Auswirkungen auf die gesamte Branche hatten. Nun rächt sich die Konzentration auf nur wenige Hersteller und Zulieferer. "Bei allen Kostenvorteilen können Naturkatastrophen - und davon gibt es offensichtlich immer mehr - einen gesamten Wirtschaftszweig in große Schwierigkeiten bringen", umreißt Björn Siewert, Geschäftsführer des Kompontenen-Distributors Siewert & Kau das Problem.

Besonders deutlich wird dies nun beim Festplattenmarkt. So ist die Produktion durch die Wassermassen in Bangkok und Umgebung nahezu zum Erliegen gekommen. Dabei sind nicht nur die Fabriken von Western Digital und Toshiba, bei denen das Wasser zum Teil meterhoch in den Hallen steht, betroffen: So musste nach einem Bericht der Citi Investment Research & Analysis beispielsweise Zulieferer Nidec, der Festplattenmotoren herstellt, seine Produktion um 60 Prozent zurückfahren. Die Auswirkungen sind immens, denn drei von vier dieser Motoren kommen von Nidec. Zwar können andere Zulieferer aus China und den Philippinen die Produktion hochfahren, doch kompensieren können sie die Lücke nicht.

35 Millionen Festplatten fehlen

Experten schätzen, dass pro Quartal weltweit rund 170 Millionen Festplatten benötigt werden. Davon entfallen über 70 Millionen auf die großen PC-Fertiger wie HP, Lenovo oder Dell. Je knapp 50 Millionen gehen zu anderen OEMs sowie in die Distribution und den Handel. Wie gewaltig das Ausmaß ist, rechnen Analysten der Deutschen Bank vor: Sie erwarten, dass in den Monaten Dezember, Januar und Februar nur 134 Millionen Platten ausgeliefert werden können. Damit ergibt sich eine Lücke von über 35 Millionen Stück. Auch für das darauf folgende Quartal sind die Analysten wenig optimistisch: Der Ausstoß soll sich nur auf 152 Millionen Stück steigern. Erst ab Mitte kommenden Jahres ist dann wieder das übliche Niveau erreicht. "Wir gehen von einer weiteren Verknappung der im Markt verfügbaren Festplatten aus. Aufgrund unserer durchgeführten Marktrecherchen rechnen wir mit keiner kurzfristigen Erholung", erklärt Sven Buchheim, Vorstand beim Distributor und PC-Fertiger Bluechip. Auch Peter Zorn, Leiter Einkauf Festplatten und Komponenten bei B.com, will sich nicht festlegen: "Hier einen genauen Zeitraum zu nennen, wäre reine Spekulation", sagt der B.com-Manager. Zorn geht aber davon aus, dass "die Situation bis ins erste Quartal angespannt sein wird". Siewert & Kau-Geschäftführer Björn Siewert ist noch pessimistischer und kalkuliert mit "mindestens zwei bis drei Quartalen". "Ich befürchte, dass frühestens in einem Jahr mit einer Normalisierung zu rechnen ist", stellt der Komponentenspezialist die Situation dar.

Wenn man das Ausmaß der Zerstörung sieht, wird schnell klar, dass nach Abklingen der Flut nicht mit einer unverzüglichen Wiederaufnahme der Produktion zu rechnen ist. Alleine die Renovierung und Wiederherstellung der Reinraumfertigung dauert Wochen bis Monate. Zudem konnten auch viele Fertigungsstraßen bestückt mit Spezialmaschinen nicht in Sicherheit gebracht werden. "Viele der Fabriken werden erst in einem Jahr wieder voll funktionsfähig sein", glaubt Siewert.

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